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Eine Insel – eine Gemeinde? „Kein Interesse von unten“

Heringsdorf Eine Insel – eine Gemeinde? „Kein Interesse von unten“

Lars Petersen (CDU), Bürgermeister von Heringsdorf, zu Struktur und Wandel

Heringsdorf. Sind die Usedomer für eine erfolgreiche wirtschaftliche Zukunft der Sonneninsel gut aufgestellt? Werden zu viele Kräfte im Klein-Klein verschlissen?

Braucht es mehr Formen eines kräftigenden Miteinanders? Wie ist es möglich, über den Tellerrand hinauszuschauen und effektiveren Strukturen zum Durchbruch zu verhelfen? Oder was hindert uns daran?

Diesen und vielen angrenzenden Fragen ist derzeit manches Streitgespräch zwischen Peenemünde und Ahlbeck geschuldet.

Die OZ setzt daher eine Reihe von Beiträgen fort, in denen namhafte Insulaner ihre Meinung zur Problematik kundtun. Heute kommt Lars Petersen (CDU/52), Bürgermeister der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf, zu Wort.

Sie sind seit 2012 Bürgermeister und damit für die drei Kaiserbäder und weitere Ortsteile verantwortlich. Täuscht der Eindruck, dass Sie eine Weile gebraucht haben, um hier richtig Fuß zu fassen?

Petersen: Nein, eine solche Position zum Wohle der Einwohner und der vielen Gäste richtig gut auszufüllen, ist ja auch nicht so einfach. Man braucht, um erfolgreich zu sein, Mitstreiter, Verbündete, Partner. Die habe ich sukzessive gewonnen.

.Stimmt dann auch die Wahrnehmung, dass Sie in jüngerer Vergangenheit zunehmend öfter und entspannter gemeinsam mit den Amtschefs von Usedom-Süd und -Nord zusammenarbeiten?

Auch da liegen Sie richtig. Wolgast mit Bürgermeister Weigler zähle ich auch noch hinzu. Wir arbeiten bereits sehr gut zusammen, stimmen größere Events wie Usedom Cross Country miteinander ab, machen die Versteigerung kommunaler Fundsachen gemeinsam und haben auch im Schulterschluss die Bürgerinitiative pro Kreiskrankenhaus unterstützt. Und übrigens auch den jüngsten Grillabend mit BI-Vertretern in Kamminke zu viert ausgerichtet. Nicht zu vergessen: Die Inselkommunen sind bereits über den Zweckverband Wasser/Abwasser in einer Solidargemeinschaft vereint.

Wie ist Ihre ganz persönliche Meinung zu einer einheitlichen politischen und Verwaltungsstruktur für Usedom?

Grundsätzlich bin ich dafür, aber ebenso grundsätzlich gegen eine Verbandsgemeinde, weil dann wieder unterschiedliche Ziele von den einzelnen Gemeinden verfolgt werden.

Gespräche über Fusionen, etwa mit Zirchow, Kamminke und Garz, auch in Korswandt habe ich schon früher geführt, sachlich und informativ, aber sie blieben leider absolut ergebnislos. Das Ansinnen ist sehr schwierig, weil sich die Insulaner unglaublich stark mit ihrem Wohnort identifizieren.

Welche Erkenntnisse haben die Fusion der Kaiserbäder und die Reform des Landkreises denn in diese Richtung gebracht?

Über den Landkreis brauchen wir nicht zu reden, der ist überdimensioniert, erfordert exemplarisch lange Fahrstrecken und wird bei seinen Einwohnern wohl nie „unser Kreis“ werden. Unter diesen Aspekten wird es in den Kommunen wie auch auf der Kreisebene immer schwieriger, richtig gute Kommunalvertreter zu finden.

Und die Fusion der Kaiserbäder?

Auch hier sind Ahlbecker, Heringsdorfer und Bansiner immer noch zuallererst Ahlbecker, Heringsdorfer und Bansiner. Das ist bei den Karnevalsvereinen so, bei den Fußballmannschaften, bei den Freiwilligen Feuerwehren. Ich vermisse das Interesse von unten, die Kräfte zu bündeln. Da bewegt sich leider reinweg gar nichts.

Von oben aber wird es nicht funktionieren, oder?

Auf keinen Fall, dann lieber weiter so wie jetzt. Es geht nur im Einklang mit den Menschen, sonst wird es zu einem künstlichen, aufgedrückten Ding, was keiner will, aber viel Kraft kostet.

Denken Sie an die Schulfusion in Karlshagen, viel böses Blut ist da geflossen. Andererseits: Was wäre Usedom mit mehr als 30 000 Einwohnern für eine Kraft! Was wäre da alles machbar! Ich sage das auch als Vereinschef des HSV und erinnere an die schlagkräftigen Mannschaften, die wir mit polnischen Sportlern entwickelt haben.

Welches Ziel, welchen ersten Schritt zu einem gemeinsamen Haus Insel Usedom halten Sie überhaupt für praktikabel?

Eine Insel, ein Erhebungsgebiet, das sollten wir ansteuern, das ist auch machbar. Dann könnten überall Fremdenverkehrsabgaben erhoben werden. Und wir könnten fürs Marketing europarechtskonform gemeinsam und abgestimmt, zielend auf die gesamte Insel, inklusive Achterland, handeln.

Welche Chancen sehen Sie in einem engeren Miteinander?

Wir könnten in ganz anderen Ligen mitspielen, und das meine ich nicht nur für den Fußball und Handball. Unsere politische, wirtschaftliche und finanzielle Kraft wäre eine ganz andere. Die besten Insulaner würden gemeinsam an einem Strick ziehen und sich im Wettbewerb mit anderen Kommunalpolitikern beweisen. Viele Dinge wären zu konzentrieren, was Einsparungen brächte, ohne Zweifel, aber ...

Aber?

Das braucht eben einen langen Atem, viele Gespräche, den Abbau von Vorbehalten und vor allem und am allerwichtigsten gegenseitiges Vertrauen.

Steffen Adler

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