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Eine Stadt altert

Greifswald Eine Stadt altert

10 448 Senioren leben in Greifswald — bald doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Die Seniorentage machen mobil.

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In der Vergangenheit kamen oft über 100 Teilnehmer zum Seniorensporttag ins Freizeitbad. Am 18. September gibt es ihn wieder.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Die demografische Entwicklung ist eindeutig: Die Zahl der in Greifswald lebenden Senioren steigt seit der politischen Wende konstant an, ist fast doppelt so hoch wie vor 20 Jahren. „Lebten 1993 noch 6264 über 65-Jährige in unserer Stadt, sind es derzeit 10 448“, berichtet Behindertenbeauftragte Monika Kindt, in der Verwaltung kommissarisch für die Seniorenarbeit zuständig. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der Kinder (0 bis 15 Jahre) auf die Hälfte gesunken — von 12 912 auf 6118. Die aktuelle Bevölkerungsprognose gebe keine Entwarnung. Im Gegenteil: Demnach werden im Jahr 2020 voraussichtlich über 12 000 Senioren in Greifswald leben, ohne dass sich in der jüngsten Altersgruppe groß etwas bewegt.

Berndt Frisch, Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt, sieht darin eine große Herausforderung. Ein Älterwerden der Bevölkerung dürfe nicht damit einhergehen, dass sie auch „immer kränker“ werde, wie es Ärzte oft beklagten. „Jeder kann dagegen wirken, zumal die Voraussetzungen für ein aktives Altern in unserer Stadt sehr vielfältig sind“, betont Frisch.

Wie vielfältig — das zeigen die 4. Greifswalder Seniorentage unter dem Motto „Gesundheit im Alter“. Mehr als 20 Veranstaltungen hat der Seniorenbeirat, dem 21 Vereine und vier Einzelpersonen angehören, für die kommenden zwei Wochen organisiert. „Nicht nur die Wohlfahrtsverbände wie AWO oder Volkssolidarität waren wieder sofort bereit mitzuwirken, sondern erstmals auch die Universitätsmedizin“, würdigt Frisch das Engagement von Ärzten und anderem Personal. Anlässlich der Eröffnungsveranstaltung am 16. September im Hörsaal Nord referieren Experten unter anderem zu den Themen „Krebsvorsorge im Alter“ oder „Der ältere Patient in der ambulanten Versorgung“.

Harald Sieting, Vizechef des Seniorenbeirats, möchte betagten Menschen daneben besonders das Angebot im Technologiezentrum Vorpommern ans Herz legen. „Dort werden alltagsunterstützende Assistenzlösungen vorgestellt“, sagt er. Klingt kompliziert, ist aber simpel: Es geht um Kommunikations- und andere Hilfsmittel, die das Leben älter werdender Menschen enorm erleichtern können. Wer möglichst lange ohne diese Dinge auskommen will, sollte etwas für seine Fitness tun. Der beliebte Seniorensporttag im Freizeitbad ist da nur eine Gelegenheit. Auch andere Einrichtungen laden ein (siehe Infokasten). Darüber hinaus sei es wichtig, so die Buchautorin und frühere Allgemeinmedizinerin Dr. Annerose Schulz, auch etwas für die geistige Fitness zu tun. Die Greifenfedern — ein Zusammenschluss schreibender Greifswalder — „suchen dringend Nachwuchs“, wirbt sie für ihre Gruppe.

Dasselbe berichtet Christiane Sitterlee vom Club 55plus: „Viele unserer etwa 50 Mitglieder sind über 80 Jahre“, erzählt sie, die übrigens auch als Vizechef im Seniorenbeirat agiert. Club-Nachwuchs zu bekommen, sei schwer. Doch warum eigentlich? In der Gemeinschaft den (Un)ruhestand zu genießen und dabei noch etwas Sinnvolles zu schaffen, sei doch viel schöner als allein zu Haus.

Berndt Frisch kann das bestätigen. Ist er doch nicht nur kommunalpolitisch engagiert, sondern ebenso im Behinderten- und Seniorensportverein aktiv. Allerdings gebe es auch dort ein Problem: „Frauen gibt es bei uns viele, nur die Männer machen sich leider rar.“

Seniorentage (Auswahl)
Mit einer Vortragsreihe in der Unimedizin beginnen am 16. September, 9.45 Uhr, die 4. Seniorentage. Themen der Vorträge sind unter anderem Krebsvorsorge und Gesundheit

im Alter sowie Demenz.

Der Bürgerhafen veranstaltet am

17. September, 15 Uhr, eine offene

Gesprächsrunde zu psychischen

Erkrankungen (Lutherstraße 10).

Im Freizeitbad geht die Post am

18. September (10-14 Uhr) ab:

Wassergymnastik, Blutdruckmessung, freies Baden und ein Vortrag von

Dr. Annerose Schulz zu „Gesundheit im Alter“.

Das AWO-Seniorenhaus (Feldstr. 82) lädt am gleichen Tag (13-15 Uhr) zum Schauen und Mitmachen ein; es darf zum Beispiel getanzt werden.

Einen Tag der offenen Tür veranstalten am 19. September (13-16 Uhr) die Medigreif-Parkklinik; am 21. September (13-16 Uhr) die Seniorenwohnresidenz „Boddenhus“ der Volkssolidarität; am 25. September (13-15.30 Uhr) die Begegnungsstätte der DRK-Sozialstation (Krullstraße 19).

Die Seniorenakademie tagt am 29.9. um 10 Uhr im Haus der Begegnung.

Programm: www.greifswald.de

Zahl der Pflegeplätze steigt weiter an
13 754 Menschen in Greifswald sind zurzeit 60 Jahre und älter — ein Viertel der Bevölkerung. Das hat auch Auswirkungen auf das Wohnen. Die Plätze in Altenpflegeheimen (255 bei Kursana im Ostseeviertel und 168 im Paul-Gerhardt-Haus der Odebrechtstiftung) entsprechen nicht mehr dem tatsächlichen Bedarf. Der Pommersche Diakonieverein baut deshalb ein neues Heim in der Grimmer Straße mit 110 Plätzen, davon 20 für die Tagespflege. Das Unternehmen KerVita errichtet in der Einsteinstraße 119 Altenpflegeplätze (die OZ berichtete).

Ebenso reagierten die beiden großen Wohnungsgesellschaften, die kommunale WVG und die genossenschaftliche WGG, bereits auf die veränderte Altersstruktur in Greifswald: Die Unternehmen errichteten gezielt neue Wohnungen für Senioren oder aber sanierten vorhandenen Wohnraum altersgerecht. Dafür steht zum Beispiel das Ostseeviertel, wo mittlerweile 28,1 Prozent der Bewohner über 65 Jahre alt sind. Ein Grund: Hier gibt es spezielle Wohnformen. Neben dem Kursana Domizil ist dort inzwischen auch betreutes Wohnen der Volkssolidarität mit dem „Boddenhus“ und „Uns Hüsing“ zu finden, das Haus „Ostsee“ der WVG in Kooperation mit dem Pflegedienst Heinrich & Heinrich sowie die „Alte Liebe“ des Pflegedienstes Böttger.

Auffällig ist zudem Wieck mit einem Seniorenanteil von 27,4 % — allerdings ganz ohne Betreuungseinrichtungen. Heißt: Hier altert die normale Bevölkerung. Daneben zeigen die beiden Stadtteile Eldena und Riems/Insel Koos diesen natürlichen Alterungsprozess. ph

 

Petra Hase

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