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Usedom Eine Trainerin aus Leidenschaft
Vorpommern Usedom Eine Trainerin aus Leidenschaft
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00:00 23.02.2017

Trainieren, motivieren, trösten, Fahrgemeinschaften organisieren und sogar die dreckigen Sportsachen waschen: Sieglinde Sommer hat ein zeitintensives Hobby. Seit 15 Jahren trainiert sie die Kleinsten des Bansiner Fußballvereins FC Insel Usedom.

„Ich bin für unsere Bambinis, die F- und die E-Jugend, also für die Kinder zwischen vier und zehn Jahren, verantwortlich“, erklärt sie und lacht. „Danach würden mir die Jungs schnell über den Kopf wachsen – ich bin nur 1,58 Meter groß.“ Vier Nachmittage in der Woche investiert die 56-Jährige ehrenamtlich für den Nachwuchs des Vereins. „Das ist aufwändig, aber eine schöne Abwechslung zu meinem Job als Zimmerfrau im Hotel“, sagt sie. „Außerdem weiß man, wofür man es macht – die Freude der Kleinen ist ein schöner Lohn. Nachwuchsarbeit ist immens wichtig.“

Ihr Sohn Uwe Sommer, der den Nachwuchsbereich leitet, stimmt zu. Er betont, dass der Verein den Kindern gerade in jungen Jahren viel mehr mit auf den Weg geben kann, als Technik und Taktik. „Sie lernen, zuzuhören, respektvoll miteinander umzugehen und zusammenzuhalten“, sagt er. „In der F-Jugend spielt ein Junge aus Indien – die Integration hat funktioniert.“

Auch Antje Bergmann aus Ahlbeck, die am Seitenrand der Ückeritzer Sporthalle das Training der F-Jugend beobachtet, ist zufrieden mit der Betreuung im Verein. „Mein Sohn Louis hat Trisomie 21“

(Down-Syndrom; d.R.), sagt die 35-Jährige. „Er wurde im Team sofort akzeptiert und hat Freunde gefunden.“ Das sei nicht zuletzt der herzlichen Art von Sieglinde Sommer zu verdanken. „Sie schlägt den richtigen Ton an – die Jungs respektieren sie und hören auf sie“, sagt Bergmann.

Ähnlich sieht das André Schröder, dessen Sohn Janne im Verein spielt. „Am Anfang war ich etwas skeptisch, ob das mit einer Trainerin funktioniert, aber sie macht ihren Job ausgezeichnet“, lobt er.

Sieglinde Sommer ist derzeit die einzige Trainerin der Jüngsten. Neben ihr sind sieben weitere Übungsleiter für den Nachwuchs zuständig. „Der Bereich wächst“, sagt Uwe Sommer. „Als ich vor zwei Jahren angefangen habe, hatten wir 35 Mitglieder zwischen vier und 15 Jahren – derzeit sind es 67 Jungen und drei Mädchen.“ Der rasante Anstieg der Mitgliederzahl sei der Mundpropaganda der Eltern sowie den Werbemaßnahmen des Vereins zu verdanken. „Wir haben unseren Facebook-Auftritt verbessert“, sagt der 31-Jährige.

Auch die Trainer seien ein gutes Aushängeschild des Vereins. Sieglinde Sommer etwa hat viele Jahre aktiv gespielt – den FC Insel Usedom bezeichnet sie als große Leidenschaft. Nun möchte sie ihre Erfahrung weitergeben. „Anfangs war es nicht immer leicht, die Jungs zu motivieren“, gesteht sie während des F-Jugend-Trainings. „Aber mit den Spiel-Erfolgen und der Unterstützung der Eltern ist ein begeistertes Team entstanden.“

Dazu gehört der sechsjährige Lukas Umlauf aus Heringsdorf. „Ich möchte so gut spielen wie Marco Reus und viele Tore schießen“, verrät er. „Meine Mannschaft ist sehr gut. Ich glaube, wir sind gerade Tabellenzweiter.“ Sieglinde Sommer nickt anerkennend. „Es sind viele Talente in unseren Reihen“, meint sie. Auch nach der E-Jugend verfolgt sie den Lebensweg ihrer Schützlinge. „Mein erstes Team spielt nun in der C-Jugend. Und die ist talentiert“, sagt sie stolz.

Doch nicht nur die sportliche Karriere liegt der Bansinerin am Herzen. So geht ihr besonders das Schicksal eines Jungen aus der E-Jugend nahe. „Bei ihm wurde Krebs diagnostiziert“, sagt sie.

„Natürlich nimmt mich das mit – ich kenne ihn, seit er im Kindergarten war.“ Das Kind befände sich auf dem Wege der Besserung. „Wir besuchen ihn oft“, sagt Sommer. „Da er Fan von Borussia Dortmund ist, habe ich den Verein angeschrieben. Der BVB hat ihm eine Karte mit Genesungswünschen von allen Spielern sowie Fanartikel geschickt – das hat ihn sehr gerührt.“

Sollte der Verein den Ehrenamtspreis gewinnen, haben die Verantwortlichen auch schon konkrete Pläne, wie das Preisgeld in Höhe von 2500 Euro investiert werden soll. „Selbstverständlich wird alles in die Nachwuchsarbeit gesteckt“, sagt Uwe Sommer. „Wir brauchen neue Sportmaterialien, beispielsweise neue Bekleidung oder Tornetze für unsere Trainingsplätze“, sagt er. „Schließlich soll der Verein auch weiterhin attraktiv für die Jugend sein.“

Katharina Ahlers

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