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Usedom Eine ganze Region kämpft für das Amtsgericht Wolgast
Vorpommern Usedom Eine ganze Region kämpft für das Amtsgericht Wolgast
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00:00 15.03.2013
Wolgast

Einen Bürgerprotest diesen Ausmaßes hat Wolgast seit langem nicht erlebt — oder noch nie? Gestern um 16 Uhr vor dem Amtsgericht an der Breiten Straße: Etwa 1000 Demonstranten formieren sich vor dem frisch sanierten Backsteinbau. Auch Georg Meyer hat sich unters Volk gemischt. „Wir hätten längst Rabatz machen müssen, zum Beispiel als das Finanzamt und die Rentenversicherungsstelle aus unserer Stadt abgezogen wurden“, schnarrt der 85-jährige Ur- Wolgaster. „Und jetzt ist unser Amtsgericht an der Reihe. Das ist eine Schweinerei!“.

Festen Schrittes reiht sich der Senior in den Protestzug ein, der sich Richtung Altstadt bewegt. Menschen aller Altersgruppen machen ihrem Ärger über die geplante Gerichtsstrukturreform Luft.

Trillerpfeifen und Tröten ertönen, geben schrille Warnsignale. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Rechtsstaat klaut“, tönt es aus dem Megaphon. Einige Demo-Teilnehmer haben selbstgebaute Transparente mitgebracht. „Rettet das Amtsgericht Wolgast!“, „Wir sind immer noch das Volk!“ und „Zweigstelle Anklam — Tod auf Raten“ ist darauf zu lesen.

Der beeindruckende Zug wird angeführt vom einladenden Handels- und Gewerbeverein (HGV), Anwälten, Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos), Landrätin Barbara Syrbe und der Landtagsabgeordneten Jeannine Rösler (beide Die Linke). Neben ihnen läuft Amtsgerichtsdirektor Andreas Hennig, der aus Leibeskräften in sein Horn bläst. „Bevor die Schweriner Abgeordneten in der nächsten Woche über die Gerichtsstrukturreform abstimmen, sollen sie nochmal die Meinung der Bürger hören“, ruft Hennig in die Menge. Weiter führt der Weg die Peenebrücke hinauf. Viele recken ihre Handys in die Höhe, wollen das Szenario im Bild festhalten. Von Mahlzow geht es zurück — zum Platz der Jugend, wo mehrere Redner ans Mikro gehen.

„Die drohende Schließung des Amtsgerichts bedeutet einen weiteren Tiefschlag für uns alle“, schimpft Stadtvertreterin Karin Braun (Bürger für Wolgast). „Ich habe den Eindruck, in Schwerin arbeitet man daran, unsere Region zum Armen- und Siechenhaus von MV zu machen.“ Ein zustimmendes Pfeifkonzert erhebt sich über dem Platz. Auch als Jeannine Rösler erklärt: „Es gibt keinen vernünftigen Grund für diese Reform. Sie wird durchgezogen, nur weil der Sonnenkönig Herr Sellering das will. Das darf nicht wahr sein.“ Der Wolgaster Harald Heß (SPD) kritisiert offen seine Partei und das Gebaren der Landespolitiker: „Jetzt bauen sich die Herren und Damen in Schwerin einen schönen Plenarsaal für viele Millionen. Sie sollten das Geld lieber für bürgernahe Politik ausgeben.“

Axel Peters, Vorsitzender des Richterbundes MV, fordert „innovative Lösungen für den Erhalt staatlicher Strukturen im ländlichen Raum und eine Stärkung der Strukturen in den Mittelzentren“. In Schwerin kenne man aber nur Streichung, Schließung und Rückzug. „Die Landtagsabgeordneten haben zu entscheiden, ob man den Bürgern die Möglichkeiten des Rechtsstaates entzieht oder nicht, ob es künftig noch mehr Bürgerbüros der NPD und der Kameradschaften gibt oder nicht“, so Peters.

Die Versammelten harren aus. Das letzte Wort hat HGV-Vorsitzender Arne Koplin: „Noch ist nichts zu spät. Die Landtagsabgeordneten von SPD und CDU müssen wissen, dass sie vor allem uns als Wähler verpflichtet sind.“

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