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Eltern kritisieren Schülerverkehr auf Usedom: UBB lenkt ein

Ahlbeck Eltern kritisieren Schülerverkehr auf Usedom: UBB lenkt ein

Fahrzeiten für Schüler bis zu zwei Stunden / Ärger über schlechte Informationspolitik / Heute Krisengipfel in der Koserower Schule / Kreis kündigt überarbeiteten Fahrplan an

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Sabine Weichbrodt an der Bushaltestelle in Neu Sallenthin. Für die Kinder gibt es hier kaum Platz, um auf den Bus zu warten.

Quelle: Henrik Nitzsche

Ahlbeck. Wenn die neunjährige Leonie morgens zum Bus geht, um zur Heringsdorfer Grundschule zu fahren, ist ihre Mutter Sabine Weichbrodt in großer Sorge. „Leonie muss jetzt mit mehreren Kindern an einer Kreisstraße warten, wo Kraftfahrer 50 km/h fahren dürfen. Da gibt es keine Überdachung und kaum Platz“, ärgert sich die Neu Sallenthinerin. Andreas Elf- roth, Leiter Busbetrieb bei der Usedomer Bäderbahn (UBB), kennt das Problem. Seit dem 1. Januar 2016 betreibt die UBB die Regionalbuslinien auf der Insel Usedom, am 5. September trat der neue Busfahrplan in Kraft.

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Fahrzeiten für Schüler bis zu zwei Stunden / Ärger über schlechte Informationspolitik / Heute Krisengipfel in der Koserower Schule / Kreis kündigt überarbeiteten Fahrplan an

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Und damit kam es zu Schwierigkeiten im Schülerverkehr und massiven Elternbeschwerden. Kinder würden zu lange auf den Bus warten, zu lange Fahrzeiten auf sich nehmen – einige Orte würden gar nicht mehr angefahren werden. Sellin und Neu Sallenthin wurden beispielsweise aus dem Netz gestrichen. „Dabei hatten wir hier in Neu Sallenthin eine vernünftige Bushaltestelle“, sagt Sabine Weichbrodt.

Ihre Tochter steigt nun von der Haltestelle „Sallenthin Bergmühle“ in den Bus: „Für Grundschüler ist der Haltepunkt nicht tragbar.“

Andreas Elfroth kann den Ärger verstehen und verweist auf das Straßenverkehrsamt, das die Haltestelle genehmigt hat. „Unser Part ist das Aufstellen des Schildes und der Aushang. Für den Rest ist die Gemeinde zuständig“, so der UBB-Mitarbeiter. „Wir haben schon reagiert. Zwei Sicherungsbügel wurden aufgestellt, ein kleines Schutzhäuschen kommt auch, einen Fußgängerüberweg haben wir dort beantragt“, sagt Heringsdorfs Bürgermeister Lars Petersen, der von der Einrichtung des dortigen Haltepunktes „total überrascht“ sei.

Mit anderen Problemen musste sich mit Beginn des neuen Schuljahres die Leiterin der Zinnowitzer Grundschule, Kerstin Goetz, herumschlagen. „Erstklässler müssen nach dem Unterricht nun zwei Stunden warten, bis ihr Bus nach Lütow und Neuendorf fährt. Bis Montag hatten wir dazu keine Information. Ich kann doch jetzt nicht mehr den gesamten Stundenplan umkrempeln“, beklagt Kerstin Goetz und kritisiert die UBB für deren „schlechte Informationspolitik“.

„Den Schuh müssen wir uns anziehen“, übt Andreas Elfroth Selbstkritik. Mit dem Landkreis habe man sich erst am Freitag vor dem Beginn des neuen Schuljahres auf den Fahrplan einigen können. „Wir werden jetzt jeden Fall betrachten und nach Lösungen suchen. Die Fahrgastgruppe Schüler ist uns wichtig, wir müssen aber auch an die Touristen und Einheimischen bei der Fahrplangestaltung denken. Da ist auch mehr Flexibilität bei den Schulen gefragt“, so der Leiter Busbetrieb. An den Werktagen befördere das Unternehmen rund 1100 Schüler mit dem Bus.

Ein erstes Einlenken gab es gestern vom Kreis. Wie Vize-Landrat Jörg Hasselmann (CDU) auf Nachfrage informierte, soll es ab kommendem Montag (12.9.) einen neuen Fahrplan geben. „Wir hoffen, dass wir dann einen Großteil der Probleme gelöst haben. Seit Montag stehen wir im ständigen Kontakt mit der UBB“, so Hasselmann.

Dass dürfte Tagesmutter Jana Jahnke aus Morgenitz mit Wohlwollen aufnehmen. Denn sie hatte gegenüber der OZ die langen Fahrzeiten der Kinder in den Lieper Winkel kritisiert. „Nach Schulschluss sind sie über zwei Stunden unterwegs. Das kann nicht sein“, meint sie und verdeutlicht das am Beispiel des Fünftklässlers Franz Marlow, der in Liepe wohnt. Um 13.05 Uhr habe er Schulschluss, um 13.55 Uhr fahre der Bus von Ahlbeck. „Gegen 16 Uhr ist er zu Hause, weil der Bus hin- und herkleckert“, so Jana Jahnke.

Auf drei Stunden und 25 Minuten Fahrzeit mit dem Bus und Taxi komme die Tochter einer Familie aus Wilhelmshof, einem Ortsteil der Stadt Usedom. Nach der sechsten Stunde fahre das Mädchen folgendermaßen: 13 Uhr Schulschluss, 14.10 Uhr Abfahrt Bus von Ahlbeck, 15.37 Uhr Uhr Ankunft Usedom, 15.40 Uhr umsteigen ins Taxi, 15.50 Uhr zu Hause.

Kritik kommt auch aus Ückeritz: „Der Unterricht für die 1. und 2. Klassen endet um 13 Uhr, die Schule schließt um 13.45 Uhr. Bisher fuhr der Schulbus für die 1. und 2. Klasse um 13.20 Uhr, für die älteren etwa eine halbe Stunde später. Nun fährt der Bus bereits um 12.48 Uhr, da ist noch nicht mal Schulschluss. Noch schlimmer ist es für die älteren Grundschüler. Durch die spätere Abfahrtszeit des Busses wären die Kinder längere Zeit sich selbst überlassen“, schildert Manuela Labahn aus Ückeritz, deren Tochter die 2. Klasse der Grundschule in Koserow besucht.

Für heute ist laut Gerd Gamradt, Ückeritzer Bürgermeister, ein Krisengipfel zum Schülerverkehr mit Vertretern der betroffenen Gemeinden, des Kreises und der Usedomer Bäderbahn in der Koserower Grundschule geplant.

Unzumutbare Fahrzeiten

Da ist der Schulstart für viele Fahrschüler mal gründlich in die Hose gegangen. Vom neuen Fahrplan der UBB waren sie und vor allem die Eltern überrascht. Am Montag ist es teilweise chaotisch zugegangen, wie Eltern berichteten. Fahrzeiten von zwei Stunden und mehr sind nicht zumutbar. Haltestellen, wie beispielsweise in Neu Sallenthin, auch nicht. Auch wenn der Landkreis für den ÖPNV keinen Betriebskostenzuschuss – die UBB betreibt die Linien eigenwirtschaftlich – mehr zahlen muss, Schülerbeförderung bleibt dennoch Kreissache. Zur schlechten Informationspolitik kommt noch der späte Zeitpunkt der Fertigstellung des Fahrplans.

Auch wenn die UBB nicht nach jeder Schulstunde einen Bus bereitstellen kann, so muss sie aber dafür sorgen, dass die Eltern ihre Kinder morgens beruhigt auf den Schulweg schicken können.

Henrik Nitzsche

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