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Elterninitiative: Babys dürfen nicht auf der Strecke bleiben

Gestern Anhörung im Sozialausschuss: Pro-Argumente lösen Nachdenklichkeit aus Elterninitiative: Babys dürfen nicht auf der Strecke bleiben

Volksinitiative zum Erhalt des Wolgaster Krankenhauses verschaffte sich im Landtag Gehör

Schwerin/Wolgast. Das Ringen um eine Wiedereröffnung der Kinder- station, Geburtenstation und Gynäkologie im Kreiskrankenhaus Wolgast ging gestern in die wohl entscheidende Runde: Fünf Stunden am Stück tauschten Mitglieder der Volksinitiative aus Wolgast, Abgeordnete der Landtagsfraktionen sowie geladene Sachverständige im Plenarsaal im Schweriner Schloss Argumente aus. „Es war gut, dass wir die Problematik nochmal an die Landespolitiker herantragen konnten, um sie so an ihre politische Verantwortung zu erinnern“, resümierte im Anschluss Dr. Brigitte Würfel von der Wolgaster Bürgerinitiative zum Erhalt des Krankenhauses mit allen Abteilungen.

Würfel war es auch, die das Eingangsstatement hielt, das in Zusammenarbeit mit dem bekannten Anwalt Dr. Peter-Michael Diestel abgefasst worden war. Die erfahrene Kinderärztin warf der Klinik-Geschäftsführung unter anderem vor, mit falschen Betten- und Belegungszahlen operiert und Patienten bewusst und systematisch am Wolgaster Krankenhaus vorbei ins Uniklinikum nach Greifswald geleitet zu haben. Nur so sei das in den vergangenen Jahren plötzlich aufgetretene Defizit im Klinik-Haushalt zu erklären. „Im Krankenhaus Wolgast wurden pro Jahr etwa 5000 Kinder stationär oder ambulant behandelt. Das ist jetzt weggefallen. Wir stehen hier vor einem Chaos“, verdeutlichte Brigitte Würfel und verwies auf die Insel Usedom als Tourismusregion mit jährlich millionenfachen Gästeübernachtungen.

Sowohl Vertreter der Krankenkassen als auch der Landeskrankenhausgesellschaft und Dr. Thorsten Wygold, Ärztlicher Vorstand des Greifswalder Uni-Klinikums und Wolgaster Klinik-Geschäftsführer in einer Person, verteidigten hingegen die Schließung der drei erwähnten Stationen. „Es geht um Versorgungsqualität durch Leistungskonzentration“, unterstrich Wygold mit Blick auf die im Anklamer Ameos-Klinikum wieder neu angesiedelte Kinderstation und die Geburtshilfe sowie die Gynäkologie. Krankenhäuser benötigten eine gewisse Anzahl an Geburten, um routiniert und kompetent arbeiten zu können. Auch Stefanie Stoff-Ahnis von der AOK Nordost und Bernd Schulte von der Barmer GEK sprachen sich für eine Zentralisierung und Bündelung der erwähnten Abteilungen in der hiesigen Region aus.

„Dies dient der langfristigen Erhaltung der Krankenhäuser in Wolgast und Anklam, und das sollte für uns alle oberste Priorität haben“, so Stoff-Ahnis. Schulte pflichtete ihr bei: „Ich bin überzeugt, dass der in Wolgast und Anklam eingeschlagene Weg die beste Lösung ist.“ Und Wolfgang Gagzow, Chef der Landeskrankenhausgesellschaft MV, warnte davor, Krankenhäuser dauerhaft schlecht zu reden. Sonst drohe womöglich eine Mitarbeiterflucht, mahnte er aus persönlicher Erfahrung.

Dagegen warnte der Präsident der Ärztekammer MV, Dr. Andreas Crusius, davor, auf die erwähnten Stationen in Wolgast zu verzichten. „Kinder sind unsere Zukunft“, sagte er. Wenn Mecklenburg-Vorpommern Gesundheitsland Nr. 1 sein wolle, müsse es etwas dafür tun. Crusius brachte seinerseits auch wieder eine mögliche Privatisierung des Wolgaster Krankenhauses ins Spiel. Prof. Dietmar Enderlein als Chef der Medigreif-Gruppe, den Crusius als Interessent anführte, hatte solcherlei Ambitionen jedoch in der OZ dementiert.

Steffen Kühhirt von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft plädierte dafür, die drei Abteilungen in Wolgast per Sicherstellungsbeitrag finanziell abzusichern, den das Land zahlen müsste. Auch Michaela Skott von der Landeselterninitiative Mother Hood redete den Mitgliedern der Regierungsfraktionen von SPD und CDU ins Gewissen: „Sie müssen die Verantwortung übernehmen, wenn Babys im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleiben!“ Sie forderte ein Bekenntnis für die Jüngsten und zumindest die teilweise Übernahme der Haftpflichtversicherung für Hebammen, damit diese überhaupt weiter ihrer Arbeit nachgehen und zum Beispiel in einem ambulanten Geburtszentrum arbeiten könnten: „Sie müssen Geld in die Hand nehmen und die Randbedingungen schaffen.“

Bei den Abgeordneten des Landtages blieben die Argumente für eine umfassende medizinische Versorgung in Wolgast nicht ohne Wirkung. Es dominierten nachdenkliche Mienen. „Es waren einige neue Aspekte dabei, die mich überlegen lassen, wie man das Konzept ergänzen kann“, räumte die Sozialausschuss-Vorsitzende Martina Tegtmeier (SPD) ein. Nun werde das Thema nochmals in den Fraktionen und am 25. Mai im Sozialausschuss diskutiert. Das letzte Wort habe im Juni oder Juli der Landtag.

Tom Schröter

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