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Usedom Elterntaxi ade: Sichere Schulwege ganz neu gedacht
Vorpommern Usedom Elterntaxi ade: Sichere Schulwege ganz neu gedacht
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00:00 08.11.2016

Mütter und Väter bringen häufiger denn je ihre Kinder mit dem Auto zur Grundschule, weil sie sich um deren Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Die Kollwitzschule an der Knopfstraße ist für dieses Phänomen Elterntaxi nur ein Beispiel. „Doch nicht selten behindern diese Eltern gerade jene Kinder, die zu Fuß zur Schule kommen“, moniert Heidrun Enders von der Greifswalder Verkehrsbehörde. Vor Unterrichtsbeginn hersche teilweise Chaos im Umfeld der Schule, weil Eltern reihenweise ihren Nachwuchs absetzen und sich dabei nicht an die Verkehrsregeln halten. Doch es geht auch anders.

Das Wuppertaler Büro für Forschung, Entwicklung und Evaluation hat schon vor Jahren begonnen, gemeinsam mit Kommunen Lösungen für sichere Schulwege und Kinderstadtpläne zu erarbeiten. „Beispielsweise werden in den Städten Plätze ausgewiesen, die den Eltern als Hol- und Bringezonen dienen“, sagt Enders. Die Mitarbeiterin der Stadt nahm in diesem Jahr in Bremen an einem Seminar zur modernen Schulwegplanung teil. Jens Leven vom Wuppertaler Büro gab ihm den Untertitel: „Wie man das Elterntaxiproblem wirksam löst“.

Ein Problem, „das mittlerweile viele Städte deutschlandweit für sich erkannt haben“, versichert Tanja Leven. Gemeinsam mit ihrem Mann berät sie interessierte Behörden, initiiert Elternbefragungen und Anwohnergespräche, erstellt Schulwegpläne und begleitet sogenannte Verkehrszähmer-Projekte. Heißt: „Wir richten für Eltern Hol- und Bringezonen ein, die im Durchschnitt 250 bis 500 Meter von der Einrichtung entfernt sind. Von dort gehen die Kinder dann selbstständig zur Schule und können als Anreiz Zaubersterne sammeln – zum Beispiel dafür, dass sie auf ihrem Weg eine Warnweste tragen“, erläutert Tanja Leven. Denn Fakt sei: „Ein Umdenken der Eltern erreichen wir nur über die Motivation der Kinder“, so die Planerin.

Eigentlich wissen alle Eltern, so Heidrun Enders, dass Kindern frische Luft gut tue. Zudem würden sie auf dem Schulweg ihre Umwelt erfahren und Beobachtungen machen, die ihnen auch im Unterricht nützlich sein können. Magdalena Schneider, deren Sohn jetzt die zweite Klasse der Kollwitzschule besucht, stimmt dem grundsätzlich zu. „Deshalb läuft mein Sohn oder fährt mit dem Rad zur Schule“, sagt die Mutter und erklärt: „Kinder müssen lernen, sich im Straßenverkehr sicher zu bewegen. Wenn aber zu viel aufeinandertrifft, wie in der Loefflerstraße, dann geraten die Kinder in eine Stresssituation.“ Aus diesem Grund initiierte sie gemeinsam mit anderen Eltern eine Unterschriftenaktion, um die Stadt zu einer akzeptablen Lösung zu veranlassen. Favorit war eine Bedarfsampel. Die Stadt indes spricht sich für einen Zebrastreifen aus. Allerdings müsse das Landesamt für Verkehr dem zustimmen, der Antrag läuft (die OZ berichtete).

„Einen Zebrastreifen finde ich eine gute Lösung“, sagt Schneider und baut auf eine zügige Entscheidung der Behörde. Aber auch die Idee eines Schulwegkonzepts mit Hol- und Bringezone findet die Mutter gut. Und nicht nur sie. „Wir würden das auch sehr begrüßen“, sagt Kollwitz-Schulleiterin Ute Prochnow.

„In Kombination mit den Maßnahmen, die wir jetzt für die Kollwitzschule angeschoben haben, wäre das eine runde Sache“, kommentiert Erik von Malottki, Vorsitzender des Bildungsausschusses der Bürgerschaft. Das Gremium hatte sich jüngst intensiv mit dem Thema Schulwegsicherung in Greifswald auseinandergesetzt. Der Ansatz des Wuppertaler Büros sei spannend, so von Malottki. „Doch wenn wir das in Angriff nehmen, müssen alle mitziehe: Schulen, Eltern, Stadtverwaltung.“

Jens Leven wäre auf jeden Fall bereit, die Erfahrungen anderer Städte in Greifswald vorzustellen, versichert seine Frau und erklärt: „Über 20 Kommunen haben das Konzept mittlerweile umgesetzt, viele andere sind derzeit dabei.“

Petra Hase

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