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Ende einer Ära: „Haus Waldblick“ in Zemitz abgerissen

Zemitz Ende einer Ära: „Haus Waldblick“ in Zemitz abgerissen

Der im Jahr 1910 eröffnete Gasthof des Dorfes weicht nach langer Leerstandsphase dem Neubau eines Doppelhauses

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Ein Bagger fraß sich gestern durch den Zemitzer Gasthof. Generationen von Dorfbewohnern verlebten hier einst gesellige Stunden.

Quelle: Foto: Tom Schröter

Zemitz. Ein letztes Mal stand gestern die Gaststätte „Haus Waldblick“ in Zemitz noch einmal im Fokus des Interesses vieler Dorfbewohner. Manch einer zückte das Handy und schoss noch schnell ein Erinnerungsfoto. Der Grund: Nachdem das Objekt über Jahrzehnte hinweg leer stand, arbeitete sich jetzt ein Abrissbagger der Rainer Koch GmbH durch die marode gewordene Bausubstanz des 107 Jahre alten Gebäudeensembles.

Das Szenario ließ manchen Zemitzer wehmütig werden. Schließlich war der „Waldblick“ über lange Zeit hinweg Schauplatz ungezählter Stammtischrunden, geselliger Feiern und Feste aller Art, verschiedener Veranstaltungen und ein Anlaufpunkt für diverse Vereine des Ortes und der Umgebung. 1910 hatte der Zemitzer Schmied Wilhelm Völker in Nachbarschaft seiner Schmiede den Gasthof mit Saal erbaut. Den Namen erhielt die Lokalität, weil die Gäste von der Gebäudefront aus einen ungehinderten Blick zum gegenüberliegenden Waldessaum genießen konnten. Bald hatte im Saal der Gaststätte auch der Zemitzer Turnverein sein Domizil, dessen Mitglieder hier an Barren, Reck und Kletterseil schwitzten. Im Laufe der Jahrzehnte folgten etliche mindestens ebenso aufregende Tanzvergnügen zu unterschiedlichen Anlässen und an Feiertagen.

Sven Breuhahn, der mit seiner Familie heute das Nachbarhaus bewohnt, hat den „Waldblick“ vor einiger Zeit erworben und sich entschieden, auf dem Grundstück ein neues Doppelhaus zu bauen. Eine Sanierung des alten Gasthofes scheiterte, da ein tragfähiges Nutzungskonzept fehlte und das Objekt in einem schlechten baulichen Zustand war. „In absehbarer Zeit wäre es in sich zusammengefallen“, meint Breuhahn. „Der Saal war mächtig ramponiert, so dass man an mehreren Stellen den Himmel sehen konnte.“ Besonders baufällig sei die zum Komplex gehörende Stallanlage gewesen.

Schon am vorigen Wochenende, so schildert der Eigentümer, sei der Tresen des „Waldblick“ demontiert worden. Sven Breuhahn: „Es war noch der Tresen aus DDR-Zeiten. Wir haben versucht, einen Abnehmer zu finden, aber niemand wollte ihn haben. Da haben wir ihn zerlegt.“

Tom Schröter

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