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Usedom Endlich: Wolgast erhält seine Kinderstation zurück
Vorpommern Usedom Endlich: Wolgast erhält seine Kinderstation zurück
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00:00 16.02.2017
Wolgast

Im Kreiskrankenhaus an der Chausseestraße sollen ab Sommer wieder Mädchen und Jungen medizinisch behandelt werden können. Das ist die wichtigste Botschaft, mit der gestern Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) zum neuerlichen Gespräch in die alte Herzogstadt gekommen war. Und sie schlug ein wie eine Bombe. Im positiven Sinne natürlich, denn die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) pro Kreiskrankenhaus hatten ihre Kräfte zuletzt bis nahe an die Erschöpfung aufgezehrt. Jetzt gab es also doch den so lang ersehnten (Teil-)Erfolg.

Sichtlich entspannt reagierten etwa Anke Kieser, Brigitte Knappik und Susanne Schneider, alle Vorständler der BI auf die Nachricht. „Es ist ein Erfolg für Wolgast und ein Ergebnis unseres energischen Protestes gegen die Schließungen, dass wir zumindest die Kinderstation zurück bekommen sollen“, fasste die Vorsitzende Anke Kieser die Situation zusammen. Die schließt freilich Glawes unmissverständliche Äußerung ein, dass für eine Wiedereröffnung der Geburtenstation derzeit zu wenig Kinder in der Region geboren werden. Wenn sich das irgendwann ändern sollte, sei die Lage neu zu beurteilen, so der Landespolitiker. Der offenkundige Hintergrund: Man will in Schwerin nicht die Anklamer Klinik mit ihrer Geburtenstation in Frage stellen.

Das vom Minister gestern auch per Schaubild demonstrierte Lösungskonzept sieht eine Portalpraxis mit zehn Betten vor, die im bereits jetzt bestehenden Gebäudetrakt untergebracht werden soll und Patienten von der Notfallambulanz übernimmt. Ziel und Versprechen des CDU-Mannes dazu: Schon bis zum Kindertag am 1. Juni 2017 soll das erledigt sein und funktionieren. Neu einzustellende Kinderärzte und Schwestern am Kreiskrankenhaus übernehmen dann die weitere Behandlung mit dem Ziel, die kleinen Patienten im vorstationären Bereich zu versorgen, zu betreuen und zu stabilisieren. Sollten sich Erkrankungen indes als besonders schwerwiegend erweisen, werden sie an die Greifswalder Unimedizin zur spezialisierten Therapie weitergeleitet.

Unerlässlich dafür, dass dieses Modell greift, ist laut Glawe, dass Krankenkassen und die Unimedizin Greifswald als Hauptgesellschafter des Krankenhauses nun die sogenannten Fallpauschalen aushandeln. Während erstere „gesprächsbereit“ seien, hätten die Geschäftsführer Müller und Le Claire von ihm einen Brief bekommen, in dem er sie auffordert, diese Verhandlungen aufzunehmen. Glawe ließ keinen Zweifel daran, dass er persönlich für den Erfolg dieses Vorgehens stehe. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sei zwar derzeit krank, aber trage das Konzept mit, sagte er auf OZ-Anfrage. Glawe veranschlagte dafür Kosten in Höhe von jährlich etwa einer Million Euro. Das Ministerium werde diese Lösung drei Jahre lang wissenschaftlich begleiten, die Kassen sollen bereit stehen, bei eventuellen Defiziten den Fehlausgleich zunächst zu übernehmen.

Dass der Minister überdies zugesagt habe, prüfen zu lassen, ob es schon bald wieder Azubis am Krankenhaus Wolgast geben könne, erfreute die BI-Mitglieder zusätzlich. Ihre Schlussfolgerung: „Wir werden unsere Aktivitäten auf der Straße zurückfahren“, kündigte Anke Kieser an. Am nächsten Montag werde es noch einmal eine bereits geplante Mahnwache geben. Aber vor allem, „um den Teilnehmern das Verhandlungsergebnis mit dem Ministerium vorzustellen“, sagte die ehemalige Kinderärztin und Aktivistin der Initiative, Dr. Brigitte Knappik.

Auf die Frage, ob der erreichte Kompromiss von den Mitgliedern der BI und der Bevölkerung von Wolgast und von der Insel Usedom so auch akzeptiert werde, verwies Susanne Schneider auf eine große öffentliche Informationsveranstaltung. Sie ist für nächsten Donnerstag, den 23. Februar ab 18 Uhr in der Wolgaster Petrikirche anberaumt und als „Forum“ überschrieben. Dort wollen die BI-Vorständler und Minister Harry Glawe Auskunft geben und auf Fragen der Bürger antworten.

Steffen Adler

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