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Usedom Erinnerung an tollkühne Flucht aus der Hölle
Vorpommern Usedom Erinnerung an tollkühne Flucht aus der Hölle
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00:00 27.03.2017
Nach der Gefangennahme angelegte Personalkarte Dewjatajews. Sie begleitete ihn auch ins KZ Sachsenhausen und ins Lager Karlshagen I. Quelle: Fotos: Privat
Kasan/Peenemünde

In der Metropole der zur Russischen Föderation gehörenden Republik Tatarstan, in Kasan, laufen die Vorbereitungen auf ein Jubiläum, das 2017 im Veranstaltungskalender der Millionenstadt an der Wolga ganz weit oben steht: Am 8. Juli 1917 wurde einer ihrer wohl berühmtesten Einwohner, Michail Petrowitsch Dewjatajew, geboren. Sein Leben war eng mit Kasan verbunden, hat das 13. Kind einer Bauernfamilie doch dort 1938 eine Ausbildung zum Schiffsnavigator abgeschlossen. Von dort aus führte er Schiffe auf der Wolga, in dieser Stadt gab er seine Erfahrungen als Ausbilder an die Studenten des Schifffahrtstechnikums weiter. Das ist es aber nicht zuerst, was den 100. Geburtstag Dewjatajews zu einem herausragenden Ereignis werden lässt, zu dem auch die Uraufführung eines neuen Dokumentarfilms über ihn zählt.

Kasan ehrt Michail Dewjatajew, der 1945 in Peenemünde Geschichte schrieb

„Flucht aus der Hölle“ nannte Michail Petrowitsch später im Titel seines ersten Buches über jene Zeit das, was er am Ende des Zweiten Weltkrieges in Peenemünde erlebte. Im Großen Vaterländischen Krieg als Jagdflieger eingesetzt, wurde er am 13. Juli 1944 hinter den feindlichen Linien abgeschossen. Schwer verwundet geriet er in deutsche Gefangenschaft. Nach einem Martyrium im Konzentrationslager Sachsenhausen, wo viele seiner Kameraden den SS-Mördern zum Opfer fielen, wurde er in das zur Heeresversuchsanstalt Peenemünde gehörende Lager Karlshagen I gebracht, wo vorwiegend sowjetische Kriegsgefangene Zwangsarbeit im Rahmen des Programms zur Entwicklung der so genannten Vergeltungswaffen leisten mussten.

Nach den Bombenangriffen der Alliierten auf Peenemünde erfuhren Dewjatajew und seine Leidensgenossen, dass geplant war, sie in das Konzentrationslager Mittelbau-Dora bei Nordhausen oder zurück nach Sachsenhausen zu bringen. Beides, darüber waren sie sich im Klaren, bedeutete den so gut wie sicheren Tod. Bei der Arbeit an der Beseitigung vom Bombenschäden auf dem Peenemünder Flugplatz sann Dewjatajew nach einem Weg, dieser Gefahr zu entkommen.

Er und einige Mitglieder der von ihm geführten Gruppe beobachteten Piloten von als Wetterflugzeuge eingesetzten Bombern He 111 beim Start, übersetzten die Beschriftung von Instrumenten ins Russische – und so nahmen die Fluchtpläne zunehmend konkrete Gestalt an. Am 8. Februar 1945 war es so weit. Dewjatajew und neun seiner Mithäftlinge nutzten die Zeit, in der eine Heinkel unbewacht auf dem Flugfeld stand, und bemächtigten sich der Maschine. Nach anfänglichen Problemen – Dewjatajew hatte als Jagdflieger nie zuvor einen Bomber gesteuert – gelang es, abzuheben, die Frontlinie zu überqueren und später auf sowjetisch besetztem Gebiet zu landen.

Doch nun standen die Flüchtlinge vor einem anderen großen Problem: Die militärische Abwehr der Roten Armee, Smersch („Smert Sschpionam“ – Tod den Spionen), zweifelte ihre Darstellung des Geschehens an, war sogar der Ansicht, dass ein Entkommen aus der Gefangenschaft ohne ein deutsches Mittun unmöglich gewesen sei. So landeten die meisten der Kameraden Dewjatajews in Strafeinheiten, nur drei aus der Gruppe überlebten den Krieg.

Dewjatajew wurde erst 1957 offiziell vom Vorwurf der Kollaboration mit dem Feind freigesprochen, nachdem sich kein Geringerer als der Leiter des sowjetischen Raumfahrtprogramms, Sergej Pawlowitsch Koroljow, für ihn eingesetzt hatte. Er kannte den Wert der Informationen, die die Geflohenen aus Peenemünde mitbrachten. Im selben Jahr wurde Dewjatajew, der im Krieg zweimal mit dem Rotbannerorden geehrt worden war, der Titel „Held der Sowjetunion“ verliehen. Zudem erhielt er den Orden des Großen Vaterländischen Krieges Erster und Zweiter Klasse.

Michail Petrowitsch Dewjatajew ist 2002 in Kasan gestorben und wurde auf dem Ehrenfriedhof der Stadt beigesetzt. In Kasan und in Peenemünde erinnern Denkmäler an ihn und seine Kameraden.

Dietrich Butenschön

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