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Eva räumt ihr Stübchen am Bahnhof

Heringsdorf Eva räumt ihr Stübchen am Bahnhof

Heringsdorfer Stammkunden sind traurig: „Hier gab es die beste Bockwurst und das leckerste Softeis der Insel Usedom“

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Neu-Rentnerin Eva-Maria Schubert schloss jetzt ihren Imbiss.

Quelle: ag

Heringsdorf. Rolf Kaiser (77) ist ratlos. Wo soll er künftig seine Vormittage verbringen? Im „Heringsdorfer Bahnhofsstübchen“ betrachtet sich der Rentner selbst beinahe als ein Stück des Inventars. Hier traf er tagtäglich Bekannte und trank seinen Kaffee.

Auch bei mir überwiegt die Traurigkeit.“Eva Maria Schubert (65)

Vor allem konnte er mit Eva-Maria Schubert (65) schwatzen. Die Buchhalterin aus Zempin hatte den Imbiss 2002 übernommen, nachdem ihr dritter Arbeitgeber aus der Braubranche in Insolvenz gegangen war, und dem Bahnhofsstübchen ihre Prägung aufgedrückt.

Auch Olaf Kühne (56) überlegt, wo er wohl demnächst so leckere Bockwurst und belegte Brötchen essen kann: „Die haben hier immer echt gut geschmeckt“, lobt der Nepperminer. Auch andere werden ihre Eva vermissen. Gestern öffnete sie ihr Bahnhofsstübchen zum letzten Mal. Die Zempinerin geht in den Ruhestand.

„Wenn ich es recht bedenke, überwiegt auch bei mir das Gefühl der Traurigkeit. Trotzdem – ich muss jetzt Schluss machen“, sagt sie mit Wehmut. Zu Hause würden ihr Mann, Haus und Garten und eine Ferienwohnung auf Betreuung warten. „Da habe ich genug zu tun.“

Außerdem will sie endlich mal länger als ein paar abgezählte Urlaubswochen verreisen. Am liebsten in die Wärme.

Das Bahnhofsstübchen wird sie dennoch vermissen. Hier für die Kunden da zu sein, die Usedomer Dorfbewohner während ihrer Busfahrt ins Kaiserbad zu bewirten, die Reisenden der Fernbusse mit Proviant auszustatten und Jugendliche mit Cheeseburger und Hotdogs zu verwöhnen – das alles hat ihr richtig Spaß gemacht. „Das meiste auf meiner Speisekarte habe ich mit Kunden verkostet und schließlich die leckerste Variante angeboten.“

Die Kontakte werden auch ihr fehlen. „Erst heute morgen kam eine Pflegerin vorbei, um zum allerletzten Mal nochmal mein Rührei zu essen“, sagt Eva- Maria Schubert gerührt. Mitunter sei das Bahnhofsstübchen eine echte Handwerkerbörse gewesen. Wer diesen oder jeden Spezialisten suchte, habe in etwa gewusst, wann er ihn hier bei einer Snackpause treffen kann.

Dafür gibt es jetzt eine Zwangspause. Wie es weitergeht, steht noch nicht 100prozentig fest. Die Heringsdorfer Strandkorbvermieter Karsten und Natascha Iden haben das Bahnhofsstübchen schon im Frühjahr 2016 erworben und wollen es verpachten. „Die Übergabe im Sommer hätte nicht geklappt. Da gab es noch zu viel anderes zu tun“, sagt die Zempiner NeuRentnerin.

Angelika Gutsche

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