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Usedom Experten suchen nach Spuren des Zweiten Weltkrieges
Vorpommern Usedom Experten suchen nach Spuren des Zweiten Weltkrieges
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00:04 08.11.2017
Innerhalb einer Woche wurden diese Granaten entlang der B 110 zwischen Usedom und Mellenthin gefunden.
Mellenthin/Usedom

73100 Quadratmeter Waldboden, Wiesen und Gräben müssen Ralf Meißner und sein Dutzend Mitarbeiter Meter für Meter absuchen. Zur Hilfe stehen den Munitionssuchern nur ein Spaten und ein Metallsuchgerät. Seit Anfang November sind die Experten dabei, nach den letzten Spuren des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) entlang der Bundesstraße 110 zwischen Mellenthin und der Stadt Usedom zu suchen. Den Überlieferungen zufolge wurden dort nach dem Krieg die restlichen Bomben und Granaten in den Wäldern gesprengt. Teile davon lagern heute noch in der Erde. Deshalb suchen die Männer die sieben Kilometer lange Strecke ab, knapp zwei sind schon geschafft. Wenn alles glatt geht, sind die Arbeiten Ende des Monats abgeschlossen.

An der B 110 soll bis Herbst 2018 ein neuer Radweg entstehen. Dort liegt allerdings noch Munition unter der Erde.

„Hier muss jeder Meter abgesucht werden. Wir dürfen nichts auslassen. Manchmal kommt mehrrere Meter nichts, dann wieder etwas mehr“, erklärt der leitende Feuerwerker Ralf Meißner aus Berlin.

Bis in eine Tiefe von fünf Metern können die Geräte nach Metall suchen. „Sie spüren metallische Gegenstände auf. Alles, was außerhalb des Erdmagnetfeldes außergewöhnlich erscheint, wird durch ein lautes Piepen am Gerät angezeigt. Das sind zum Beispiel weggeworfene Dosen, im Wald entsorgte Fahrräder, Reste von einem Wildzaun, Draht oder eben auch Granaten. Und genau nach diesen suchen wir, bevor die Bauarbeiter auf sie stoßen“, erklärt er.

In der ersten Arbeitswoche wurden die Männer mehrmals entlang der Bundesstraße fündig. „Es handelt sich um Munitionsreste, aber auch um komplette Granaten, welche bis zu 40 Kilogramm schwer sind“, erklärt Meißner. Eine Handvoll liegen nun an einem sicheren Ort auf dem Gelände des Munitionsbergungsdienstes in Mellenthin. Wird eine Granate gefunden, wird sie dorthin gebracht. Sollte ein Transport nicht mehr möglich sein, muss sie vor Ort gesprengt oder entschärft werden. „Die Granaten lagen mehr als 70 Jahre im Boden. Sie sind sehr rostig, aber ihre Sprengkraft haben sie immer noch“, erklärt Lars Schulz, Leiter der Anlage. Auf seinem Hof werden die explosiven Teile entschärft, zerlegt oder wenn es nicht anders geht, gesprengt. „Im Umkreis von 1500 Metern können durch die Splitter der Granaten immer noch Menschen verletzt und sogar getötet werden“, betont er. Reste von Granaten werden in ein zentrales Lager nach Munster geschickt. „Dort werden diese zerkleinert und verbrannt“, erklärt er.

Die bisher entdeckten Reste stammen allesamt aus den Händen der Deutschen. „Das ist anhand verschiedener Merkmale, wie zum Beispiel des Unterboden, erkennbar“, so Schulz. Dass nicht nur deutsche Granaten gefunden wurden, bewies der Fund einer russischen Fliegerbombe in Zirchow. Bei Erdarbeiten wurde sie entdeckt und vor Ort gesprengt.

Während sich in der Mellenthiner Heide die Experten Gedanken um die Beseitigung der Granaten machen, wird entlang der B 110 eifrig gesucht. Sondenführer Michael Wolf tastet sich allmählich vor, neben der Einmündung in den Lieper Winkel schlägt sein Gerät Alarm. Seinem Kollegen mit dem Spaten gibt er die Anweisung, dass er dort vorsichtig buddeln soll. Wenn ihm etwas fremd oder eigenartig vorkommt, holt er sich Rat und Verstärkung von den Kollegen. In diesem Fall handelt es sich allerdings nur um einen einfachen Draht. „Mit den Geräten können wir Metallstücke aufspüren, die so groß

wie ein Fingernagel sind“, verdeutlicht Lars Schulz. Ende November sind die Arbeiten beendet. Dann warten die nächsten Felder, die abgesucht werden müssen.

So sieht der Plan aus

Bis Ende November dieses Jahres sollen die Arbeiten der Munitionssucher abgeschlossen sein. Bis Ende Februar 2018 dürfen die Bäume an der Strecke gerodet werden.

Die Fertigstellung des rund zwei Millionen Euro teuren Radweges zwischen der Stadt Usedom und Mellenthin ist für den Herbst 2018 angedacht.

Während der Munitionsbergung herrscht an der Strecke eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h.

Hannes Ewert

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