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Familie mit drei Töchtern ermordet

Heringsdorf Familie mit drei Töchtern ermordet

Gedenkveranstaltung für die deportierten Heringsdorfer Bürger vor 78 Jahren

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Auch im Jahr 2017 fand ein Gedenken an den Stolpersteinen in Heringsdorf statt.

Quelle: Foto: Dietmar Pühler

Heringsdorf. Um die Erinnerung aufrecht zu halten an die jüdischen Bürger, die vor 78 Jahren aus Heringsdorf von den Nazis und deren Helfern deportiert wurden, findet am kommenden Dienstag, den 13. Februar, eine Gedenkveranstaltung statt. Treffpunkt ist um 18 Uhr an den Stolpersteinen in der Friedensstraße.

Aus dem Regierungsbezirk Stettin wurden 1120 jüdische Bürger, darunter neun aus Heringsdorf und 21 aus Swinemünde, per Güterwagen nach Lublin ins damalige Generalgouvernement im besetzten Polen deportiert. Hierbei handelte es sich um die erste Judendeportation aus dem deutschen Reichsgebiet.

Die Brüder Saulmann hatten in der damaligen Wilhelmstrasse 15, heute Friedensstraße 17, ein Kaufhaus mit Tuch-Manufactur- und Modewaren bis 1933. Nach Verabschiedung des Ermächtigunggesetzes am 24.

März 1933, welches Adolf Hitler ermöglichte, fortan Gesetze ohne Zustimmung des Parlamentes zu beschließen, rief der Propagandaminister Joseph Goebbels am 1. April zu einem nationalen Boykott jüdischer Geschäfte auf. An diesem Tag wurden jüdische Geschäfte und ihre Besitzer in ganz Deutschland angegriffen, die Schaufenster mit gelben Davidsternen und der Parole „Juden sind unser Unglück“

beschmiert, so auch in Heringsdorf. Einwohner und Gäste wurden durch Drohungen verängstigt, jüdische Geschäfte zu betreten.

Die Buchhandlung und Leihbibliothek Pörutz befand sich auch in der Wilhelmstrasse Nr.17, heute Friedenstrasse. Viele Druckerzeugnisse, wie Bade -und Reiseführer für Touristen, Prospekte und Vordrucke, weisen auf die Buchdruckerei der Eltern Louis und Anna Pörutz hin. Die Tochter, Frau Margarete Pörutz, vermiete 1938 noch Zimmer an jüdische Gäste und unterstützte Charlotte Alweiß ab 1935 mit einem kleinen Laden auf ihrem Grundstück. Der Vater von Charlotte, Moritz Alweiß, war jüdischer Herkunft und musste den Feinkostladen, heute Neubau Sparkasse, im Jahre 1933 schließen.

Für die Familie Saulmann mit ihren drei Kindern und die Geschwister Margarete und Sigmund Pörutz endete der Weitertransport per Schlitten und Fußmarsch bei Minus 25 Grad Celsius in der Ortschaft Piaski, 25 Kilometer entfernt von Lublin. Andere Familien verteilte man auf die Landstädtchen Belzyce und Glusk. Elise Saulmann, 72 Jahre alt, verstarb in Folge der unmenschlichen Strapazen bereits in Lublin.

Die Aufenthaltsorte waren von der NS-Führung zunächst als „Jüdisches Reservat“ bestimmt. Eine Abrieglung des Durchgangslagers zu einem geschlossenen Ghetto erfolgte im Herbst 1941 und entwickelte sich zum Modell für den gesamten Distrikt Lublin. Mit der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 endete dieser Plan dann mit der „Endlösung der Judenfrage“. Das Ziel war nicht mehr die Vertreibung, sondern die systematische Ermordung europäischer Juden.

Das Schicksal der Familie Saulmann mit ihren drei Kindern – bei der Verhaftung war Ilse zwölf Jahre, Hilde zehn und Eva vier Jahre alt – verliert sich im Ghetto Piaski. Aus dem Abwicklungsbericht über die „Verwaltung des Vermögens Jüdischer Evakuierung“ ist zu entnehmen, dass die Treuhandverwaltung am 18.Oktober 1941 aufgehoben wurde. Nur wenige Sterbedaten sind in der Liste der 1940 deportierten Juden aus dem Regierungsbezirk Stettin vermerkt: Frau Margarete Pörutz am 16. August 1940 und Herr Sigmund Pörutz am 1.November 1941 in Piaski.

        Heinrich Karstaedt

OZ

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