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Usedom „Fisch hat eine Lobby, Fischer nicht!“
Vorpommern Usedom „Fisch hat eine Lobby, Fischer nicht!“
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00:00 08.10.2018
Dirk Baumann bereitet sich auf seinem Stellnetz-Kutter „Seewolf“ auf den Fischfang vor. Quelle: Fotos: Henrik Nitzsche
Freest

„EU-Fischereipolitik erteilt Berufsverbot!“ und „Rettet die Fischerei in MV!“ – zwei Schilder als Protest in Richtung Brüssel. Was dort rot auf weiß an der Wand der kleinen Fischerhütte steht, spiegelt die Gemütslage von Dirk Baumann aus Freest wider. „Hier bist du verraten und verkauft“, sagt der Berufsfischer, der heute im Hafen mit vielen Gästen ins Gespräch kommt und über eine Branche plaudert, die vom Aussterben bedroht ist.

Tourismusverband Vorpommern und Fischereigenossenschaft veranstalten Fischmarkt in Freest / Reges Interesse an einer Branche, die vom Aussterben bedroht ist

Elf Projektpartner

Das Projekt „Fish markets" wird über das Interreg South Baltic Programm 2014-2020 gefördert. Lead Partner ist die Uni Greifswald. Der Tourismusverband Vorpommern ist einer von elf europäischen Projektpartnern.

Sinkende Fangquoten, Stillliegezeiten, Gütesiegel – das macht den Fischern zu schaffen. Wie viel sie fangen dürfen, legt die EU-Kommission fest. Seit der Wende ist die Quote an das Schiff und nicht mehr an den Fischer gebunden. Baumann hat noch zwei Kutter – „sonst würde es gar nicht mehr gehen“, sagt der 52-Jährige. Seit dem Jahr 2000 ist er Mitglied in der Fischereigenossenschaft „Peenemündung Freest“.

Die Genossenschaft hat mit dem Tourismusverband Vorpommern am Samstag den Fischmarkt in Freest organisiert. „Das ist der zweite Markt im Rahmen des Projektes ,Fish markets’ in Vorpommern“, sagt Fanny Holzhüter, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes. Die Idee: Authentische Fischerorte und attraktive Fischereihäfen zeigen, für Regionalität, Tradition und Genuss werben. „Dem Fischer muss wieder mehr Beachtung und Wertschätzung geschenkt werden. Das muss bei der Politik ankommen“, sagt Fanny Holzhüter. Dirk Baumann hat den Glaube daran allerdings verloren. „Wir sind zu wenige. Der Fisch hat eine Lobby, der Fischer nicht“, sagt er. Kurz nach der Wende soll es in Mecklenburg-Vorpommern rund 1800 Berufsfischer gegeben haben. „Heute sind wir im Land noch 238“, sagt Baumann, der auf die Frage nach Nachwuchs in der Branche antwortet: „Meinem Sohn würde ich im Leben nicht empfehlen, Fischer zu werden.“

„Im nächsten Jahr geht es ans Eingemachte“

26 Fischereibetriebe sind es gegenwärtig noch in der Genossenschaft. Sie alle erwarten in gut einer Woche die neuen Fangquoten der EU. „Sollte es beim Hering zu einer Null-Quote kommen, wäre das das Aus der Fischerei in M-V“, zeichnet Michael Schütt, Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft, ein düsteres Bild. Mitte des Jahres hatte der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) bekanntgegeben, dass er für die gänzliche Einstellung des Heringsfangs 2019 in der westlichen Ostsee plädiert. 2017 wurde die Heringsquote um 39 Prozent gekürzt. „Im nächsten Jahr könnten es 63 Prozent sein, so der Vorschlag der EU. Wenn man bedenkt, dass der Hering 75 Prozent des Gesamtfangs und über 50 Prozent der Erlöse ausmacht, kann man sich vorstellen, wie uns das trifft“, so Schütt.

Am Samstag lief das Geschäft. Fischkutter wurden für die Gäste zu Ausflugsdampfern. Lange Schlangen bildeten sich vor den Räucheröfen und Verkaufsständen. „Willst Du es frischer, komm’ zum Fischer“

heißt es auf vielen Werbeschildern an den Fischerhütten. Eine davon gehört Martin Lange. Der 43-jährige Freester ist seit 21 Jahren Berufsfischer. Er ist allein auf seinem Kutter. „Einen Mitarbeiter könnte ich nicht bezahlen.“ Er glaubt, dass sich im kommenden Jahr „die Spreu vom Weizen trennt. Da geht es ans Eingemachte. Einige Überlebende wird es noch geben“, so der Freester, der kurz nach dem Mittag seinen gesamten Räucherfisch verkauft hatte.

Vor ihm und seinen Kollegen steht jetzt die Dorschsaison. Um 4 Uhr morgens ist dann wieder Schichtbeginn. „Am Montag wird fast die gesamte Flotte von hier in Richtung Arkona, Hiddensee oder Darß

auslaufen“, sagt er.

Wie lange noch?

Henrik Nitzsche

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