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Usedom Fluch und Segen künstlicher Intelligenz
Vorpommern Usedom Fluch und Segen künstlicher Intelligenz
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00:01 16.10.2017
Bestellt und im großen Karton geliefert – die Traumfrau. Quelle: Foto: M. Krüger
Anklam

Wer eine Idee sucht, ein kleines gemütliches Theater noch kleiner und gemütlicher zu präsentieren, ist bei den Kreativen der Vorpommerschen Landesbühne genau an der richtigen Adresse. Als das Publikum in gezielt überschaubarer Größe bei der Premiere am Donnerstagabend zu dem Schauspiel „Traumfrau 2.0“ plötzlich auf der Bühne des Theaters Anklam platziert wurde, stellte sich unversehens das Lampenfieber bei den Besuchern ein.

Die spannungsvolle Erwartung wurde im Laufe der Aufführung mit einem heftigen Cocktail Zukunftsmusik verschärft, welcher letztendlich ein ebenso be- wie entgeistertes Publikum in die Herbstnacht entließ. Mit „Traumfrau 2.0“ gelang Jana Sonnenburg (Autorin, Regie und Ausstattung) eine Punktlandung in Sachen Hinterfragung. In Frage gestellt wurde hierbei nicht nur die Partnerbeziehung mit klassischer Mann-/Frau-, oder auch gleichgeschlechtlicher Besetzung sondern letztendlich alles. Ja wirklich alles!

Während Michael „Mick“ Markfeld (Richard Koppermann) und die künstliche Intelligenz Amanda (Tracy Neumann) zunächst noch niedlich liebenswürdig die Frage nach der Anpassung und Entsprechung bis zur nervigen Gleichgültigkeit in Partnerschaften stellten, zeigte sich sein Freund und Startup-Partner Christian „Chris“ (Sebastian Hildebrand) mit seinen wechselnden Freundinnen Sarah, Nelli und Vanessa (Katharina Mahnke) weitaus unkonventioneller im Umgang miteinander und der Akzeptanz oder gar Nutzung künstlicher Intelligenz. Die allzeit aktuelle Frage nach Sinn und Struktur menschlichen Zusammenlebens glitt angesichts des technischen Fortschritts und seines Einzugs in das tägliche Leben zusehends ins Abseits. Der schwellenlose Übergang von Unsinn, Sinn und Wahnsinn mündete in der philosophischen Grundfrage: Wo bleibt der Mensch? Im Kampf der technisierten Welt schlug glücklicher Weise die Videoschaltung zu Micks Mutter Monika Markfeld (Birgit Lenz) eine kleine Brücke zur vertrauten Gegenwart. Der herrliche mütterliche Sorgenmonolog beim „gemeinsamen Essen“ gegenüber dem offenbar allwissenden digitalen Assistenten Zero (Stimme Torsten Schemmel) – Gründe zum Lachen und Erschauern gab es reichlich.

Ob künstliche Intelligenz Fluch oder Segen ist und ob liebenswürdig menschliche Verfehlung einst technischer Perfektion und Berechenbarkeit weichen muss, bleibt offen, oder doch nicht?

Beate Rother

OZ

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