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Usedom Fortschrittlichster Technikpark im Wolgaster Gussstahlwerk
Vorpommern Usedom Fortschrittlichster Technikpark im Wolgaster Gussstahlwerk
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00:00 26.03.2014
Die Mitarbeiter in Wolgast wagten sich an ebenso anspruchsvolle wie imposante Spezialanfertigungen aus Gussstahl, wie diese Aufnahme aus den 1930-er Jahren eindrucksvoll belegt. Quelle: Fotos: Robert Hess, Museum Wolgast, Privatarchiv von Siegfried Scheiba (Enkel von Wilhelm Schönrock)

Als der Fabrikant Helmuth Münter 1888 auf dem Wolgaster Schlossplatz eine Eisengießerei gründete, leitete er ein Stück Wolgaster Industriegeschichte ein. Das Werk bestand bis 1945, hatte wechselnde Eigentümer, durchlebte Höhen und Tiefen und bot zeitweise bis zu 300 Arbeitern eine recht lukrative Beschäftigung. Zu ihnen zählte auch Wilhelm Schönrock, der von 1937 bis 1945 als Vorarbeiter in dem modern eingerichteten Betrieb tätig war. Schönrock war gelernter Schmied und stammte aus dem Dorf Kossowo in Westpreußen (Kreis Schwetz). Auf Umwegen gelangte er 1923 nach Hohendorf und in die alte Herzogstadt Wolgast, die ihm nach entbehrungsreicher Zeit mit Kriegseinsatz und Vertreibung zur neuen Heimat werden sollte. Dazu jedoch an späterer Stelle mehr.

Helmuth Münters Zeit in Wolgast währte nur zwei Jahre. Bereits 1890 verkaufte der Anklamer, der zusammen mit seinem Bruder Ludwig 1869 mit dem Aufbau einer Eisengießerei den ersten Industriebetrieb in Anklam etabliert hatte, die Wolgaster Niederlassung an den Industriellen Arthur Koppel aus Berlin. Mit Koppel zog in Wolgast ein Technikpark ein, der in Pommern seinesgleichen suchte. Schon 1889 ließ der neue Eigentümer einen Stahlofen installieren, so dass hier nunmehr nicht nur schmiedbarer Eisenguss, sondern auch Guss- und Temperstahl hergestellt werden konnten.

Koppel (1851-1908) hatte sich auf die Fertigung transportabler und fester Eisenbahnen für Landwirtschafts-, Industrie- und Bauzwecke spezialisiert. Vielerorts in Pommern ließen die Betreiber landwirtschaftlicher Güter in jener Zeit Feldbahnen u. a. für den Transport von Rüben anlegen und bescherten Koppel so einen lebhaften Absatzmarkt. Ab 1891 verließen auch Maschinen- und Schiffsbrückensegmente sowie Stahlformgussteile für Waggons und Lokomotiven den Wolgaster Produktionsstandort, der damals 80 Arbeiter zählte. Auch Räder und Radsätze für Klein- und Industriebahnen, Pferde-, Dampfstraßen- und elektrische Bahnen entstanden in dem Betrieb, der sich auf der nördlichen Schlossinsel zunehmend ausbreitete. Der benötigte Stahl, der sich durch hohe Zähigkeit und Widerstandskraft auszeichnete, wurde bei einer Schmelzhitze von 2000 Grad Celsius in einem Siemens- Martin-Generator-Stahlofen hergestellt, dem einzigen seiner Art in ganz Pommern.

Im Laufe der Jahre baute Koppel ein internationales Industrieimperium auf, zu dem schließlich acht Fabriken in Europa sowie Niederlassungen in Philadelphia, Chicago, Mexico City, Buenos Aires, Java, China und Südafrika zählten. Kontore und Lager befanden sich u. a. in Hamburg, Harburg, Frankfurt am Main, Nürnberg, Straßburg, Rom, Budapest, Stockholm und St. Petersburg.

Ab 1899 firmierte der Wolgaster Betrieb als „Panzer Actien-Gesellschaft Berlin und Wolgast in Pommern, Abth. Gussstahlwerk Wolgast (vorm. Arthur Koppel)“. Die Belegschaft steigerte sich bis zum Jahr 1902 auf 150, 230 (1911) und 250 (1922). Die Firma, die bis 1925 bestand, verfertigte Stahlguss in Stückgewichten zwischen 0,5 und 7000 Kilogramm und bearbeitete die Teile in speziellen Werkstätten fix und fertig. 1924 verfügte das Werk über drei moderne Öfen, die bis zu 5000 Kilogramm Inhalt aufnehmen konnten und von denen zwei ständig in Betrieb waren. Moderne Transportanlagen erlaubten es, auch schwere Stücke zum Abguss zu bringen.

Die Wolgaster Stahlgießer stellten sich auf die sich ständig fortentwickelnde Schiff- und Maschinenbauindustrie und die wachsenden Ansprüche an die zu verwendenden Materialien ein. Da die Fabrik über keinen komfortablen Anschluss an Straße oder Schiene verfügte, konzentrierte man sich hier auf die Fertigung von Spezial- statt Massenware. Die Verladung der Produkte erfolgte direkt auf dem Wasserwege. Zum Kundenkreis gehörten seinerzeit die größten stahlverarbeitenden Werke in Deutschland sowie eine Reihe von Abnehmern im Ausland. Das Werk lieferte nun auch Schiffsmaschinen- und Baggerteile sowie Herzstücke für Klein- und Straßenbahnen. Allein im Jahr 1924 wurden 1,2 Millionen Kilogramm Material verarbeitet. Die Belegschaft wuchs auf 300 Personen an. In Wolgaster Adressbüchern aus jener Zeit finden sich zahlreiche Schmiede, Schmelzer und Former.

1926 ging aus der Actiengesellschaft das „Gußstahlwerk Wolgast“ hervor, an dem sich auch die Stadt Wolgast beteiligte. Bis 1931 wurde weiter produziert, allerdings schrumpfte die Anzahl der Mitarbeiter auf 150 zusammen. Dann wurde das Werk Opfer der Weltwirtschaftskrise und schließlich stillgelegt.

Erst im Jahr 1933 konnten die Öfen wieder angeheizt werden, als im Zuge des Baus der Wolgaster Peenestrombrücke spezielle Stahlgussteile benötigt wurden. Vertreter des Wolgaster Magistrats und des Kreises Greifswald konnten die am Bau der Peenequerung beteiligten Unternehmen dafür gewinnen, das für die neu gegründete „Gußstahlwerk Wolgast Betriebsgesellschaft m.b.H.“ benötigte Gesellschaftskapital aufzubringen. Nun wurden mit zunächst wieder 60 Mitarbeitern die Stahlguss- Belagplatten, Lager, Antriebsteile sowie Rollsektoren und -bahnen für die Brücke gefertigt. Dieser Auftrag stellte die Initialzündung für einen erneuten Aufschwung im Unternehmen dar. (wird fortgesetzt)



Tom Schröter

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