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Usedom Freester plaudern in „uns Muddersprak“
Vorpommern Usedom Freester plaudern in „uns Muddersprak“
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00:00 23.06.2017

Manchen Gast, den an diesem Abend sein Weg zum „Café Häppchen“ am Freester Hafen geführt hat, mag das, was er dort vernommen hat, seltsam angemutet haben: Die Geschichten und Gedichte, die dort zu hören waren, wurden in einer Sprache vorgetragen, die den zufälligen Zuhörer immer wieder vor Rätsel stellte. Für die allermeisten der Gäste im Biergarten allerdings war es das heimische Plattdeutsch, das sie von Kindheit an kennen und das ihnen in vielen Fällen, zumindest was die Älteren betrifft, immer noch als Umgangssprache dient.

Doch Rudolf Lindemann, Jörg Thurow, Wilhelm Rabe, Udo Woggesin und Torsten Kanehl, die den Abend mit ihren Beiträgen gestalteten, wissen auch darum, dass das Platt, das Goethe einst als „so herrlich besoffen“ klingend beschrieben hat, bedroht ist, gerade von der jüngeren Generation immer weniger gesprochen wird. Und weil für sie ihr Heimatort, das Fischerdorf Freest, ohne das pommersche Platt einfach undenkbar ist, haben sie sich zum inzwischen sechsten Mal, fünf davon im Biergarten am Hafen, dem Thema verschrieben: „Uns Muddersprak, dat Platt, is för uns uk hüt noch wat“.

Es war auch diesmal wieder ein unterhaltsamer Streifzug durch Geschichte und Gegenwart der Region um Freest, wobei Bezüge zu Fritz Reuters „Ut de Franzosentid“ nicht fehlten, gewürzt mit Episoden um Köster Klickermann aus der Feder des Altmeisters des Plattdeutschen, Rudolf Tarnow. Dabei tauchte auch so mancher Name aus der Vergangenheit auf, zu dem nicht wenige in der Runde verständnisinnig „nickköppten“ – besonders die Älteren wussten offensichtlich noch eine ganze Menge damit und mit den mit den Personen verbundenen Geschichten anzufangen.

Alles in allem nahm das Publikum das Programm mit fröhlichem Lachen und viel Beifall auf, wobei in die allgemeine Begeisterung auch die Frauen und Männer des Freester Singkreises unter Leitung von Barbara Senkbeil einbezogen waren. Seit Rudolf Lindemann vor vielen Jahren seine Abschlussarbeit zum Lehrer-Staatsexamen über das Plattdeutsche speziell in der Region an der Peenemündung geschrieben hat, hat ihn dieses Thema nicht mehr losgelassen. So war es nur folgerichtig, dass er vor etwa sechs Jahren, als ihn die Leiterin der inzwischen zum Museum „ausgewachsenen“ Freester Heimatstube um Hilfe bat, sofort zusagte. Sie wollte in die damals geplante und inzwischen in die Tat umgesetzte jährliche Vortragswoche einen Plattdeutsch-Abend einbauen, und Lindemann & Co. erwiesen sich schnell als die Top-Besetzung dafür. Von Anfang an dabei sind neben Lindemann auch Jörg Thurow und Wilhelm Rabe; nach wechselnden Besetzungen kamen Torsten Kanehl und Udo Woggesin hinzu.

Dietrich Butenschön

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