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Frust bei Eltern: Bus zur Schule kostet über 400 Euro im Jahr

Greifswald Frust bei Eltern: Bus zur Schule kostet über 400 Euro im Jahr

Seit diesem Schuljahr müssen viele Familien die Kosten für die Schülerbeförderung selbst tragen / Betroffen sind alle Fünftklässler, die nicht die örtlich zuständige Schule besuchen

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Greifswald. Unerfreuliche Post vom Kreis für die Eltern von 229 Fünftklässlern: Sie sollen für den Bus bezahlen, der ihr Kind Tag für Tag zur Schule bringt: Hunderte Euro pro Jahr!

Betroffen sind Mädchen und Jungen, die eine andere staatliche Bildungseinrichtung besuchen als jene, die der Landkreis für ihren Wohnort festgelegt hat. Die kleine Tochter von Lars Peczan in Weitenhagen am Südrand von Greifswald ist so ein Fall. Das Mädchen, das bis vor kurzem noch in die Grundschule in Dersekow ging, wechselte mit Klasse fünf an die Regionalschule in Gützkow und nicht an die für ihr Dorf zuständige in Neuenkirchen. „Für uns war entscheidend, dass der Bus von Weitenhagen zur Schule nach Gützkow nicht einmal 30 Minuten unterwegs ist, während der nach Neuenkirchen gut eine Stunde braucht, weil er über x-Orte fährt“, erklärt Peczan. Nun soll er dafür jeden Monat 41,60 Euro bezahlen. Um soviel teurer sei der Bus nach Gützkow als der zur zuständigen Schule nach Neuenkirchen, rechnete ihm die Kreisverwaltung per Bescheid vor. Die setzt nun lediglich durch, was der Kreistag bereits 2015 beschlossen hatte: die anteilige Bezahlung der Fahrten zu einer örtlich nicht zuständigen Schule durch die Eltern der betreffenden Kinder. Die diesjährigen Fünftklässler sind die Ersten, auf die die neue Bestimmung angewandt wird. Für Schüler höherer Klassenstufen gilt sie nicht. Sie seien von der Neuregelung ausgenommen, betont Anke Radloff, Sprecherin der Kreisverwaltung.

Vorpommern-Greifswald ist nicht der erste und einzige Landkreis, der die Kosten für die Beförderung von Kindern zu nicht für ihren Wohnort zuständigen Schulen teilweise auf die Eltern abwälzt. Im Nachbarkreis Vorpommern-Rügen wird das schon länger praktiziert. Hier wie da verweist man auf das Schulgesetz des Landes. Demzufolge müssen Landkreise die Schülerbeförderungskosten nur noch in dem Ausmaß übernehmen, wie sie für die örtlich zuständige Schule anfallen.

Dass der in Geldnöten steckende Landkreis Vorpommern-Greifswald sich erst jetzt darauf besinnt, mag verwundern. Ebenso, dass er ältere Schüler, die eine nicht für ihren Wohnort zuständige Einrichtung besuchen, von der Kostenbeteiligung ausgenommen hat. Fakt ist: Von nun an werden Eltern, die ihr Kind mit Klasse fünf in eine nicht für ihren Wohnort vorgesehene Schule geben, für den Bustransport zur Kasse gebeten, sofern jener teurer ist als der zur örtlich zuständigen Schule.

Nicht nur Familie Peczan in Weitenhagen wurde von der Fahrtkosten-Neuregelung überrascht. „Ich soll im Jahr 450 Euro zahlen für ein elfjähriges Mädchen, das einfach nur zur Schule gehen möchte“, empört sich die Ückeritzerin Anja Kuhn. Der Kreis hat die komplette Übernahme der Beförderungskosten für ihre Tochter abgelehnt, weil jene nicht die für sie zuständige staatliche Schule 600 Meter weiter, sondern eine freie Schule im 13 Kilometer entfernten Zinnowitz besucht. Anja Kuhn sieht sich für ihre vom Schulgesetz zugestandene freie Schulwahl bestraft. Das könne man sich auch sparen, wenn Eltern, die ihr Recht auf freie Schulwahl in Anspruch nehmen, im Gegenzug zusätzliche Kosten aufgebrummt bekämen. Anja Kuhn hat beim Kreis fristgerecht Einspruch eingelegt.

Die Kreisverwaltung erklärte, frühzeitig über die neue Regelung informiert zu haben. „Sie wurde am 1. August 2015 öffentlich bekannt gegeben. Die Schulleitungen wurden darüber informiert und im März/April noch einmal daran erinnert. Sie sollten die Eltern informieren“, sagt Pressesprecherin Anke Radlof.

Sven Jeske und Henrik Nitzsche

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