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Usedom Für eine digitale und mobile Verwaltung
Vorpommern Usedom Für eine digitale und mobile Verwaltung
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02:32 12.05.2018
„Ich bin ein großer Freund der digitalen Verwaltung“, sagt Andreas Suttor aus Eggesin. Er ist einer der sieben Kandidaten zur Landratswahl. Der 51-Jährige ist parteilos und möchte die Verwaltung des Landkreises endlich modern und effizient gestalten. Quelle: Foto: Cornelia Meerkatz
Vorpommern-Greifswald

„Ich habe die Fähigkeiten und Kompetenzen, ein guter Landrat zu sein und die Verwaltung ins digitale Zeitalter zu führen. Mit meiner Kandidatur mache ich den Bürgern ein Angebot: Sie müssen entscheiden, ob sie es annehmen“, sagt Andreas Suttor. Die OZ traf sich mit dem 51-jährigen parteilosen Kandidaten zum Interview.

Herr Suttor, von Ihnen hört man im Wahlkampf wenig. Es gibt weder Wahlplakate, Flyer noch einen Internetauftritt. Vielen Wählern sind Sie völlig unbekannt. Glauben Sie dennoch, dass Sie eine Chance haben, Landrat zu werden?

Selbstverständlich rechne ich mir Chancen aus, sonst hätte ich als Kandidat nicht anzutreten brauchen. Als ich im Januar meine Kandidatur beschlossen habe, stand für mich fest: Ich habe das Potenzial dazu. In persönlichen Gesprächen mit mir und auf Foren kann sich jeder davon überzeugen. Dazu brauche ich weder Plakate noch irgendwelche Kommentare und Fotos bei Facebook. Und Sie glauben doch nicht, dass die Mehrzahl der Bürger irgendwelche Flyer intensiv liest.

Woher rührt aber Ihre Überzeugung, der geeignete Mann für den Job als Landrat zu sein?

Welche Aufgaben hat der Landrat? Er ist zuallererst der Chef einer großen Verwaltung. Im Fall von Vorpommern-Greifswald für meine Begriffe einer zu großen. Meine Kontrahenten versprechen viel, können aber einen großen Teil gar nicht halten, weil es einfach nicht in die Kompetenz eines Landrates fällt: das betrifft das Absenken der Kreisumlage ebenso wie den Vorschlag nach Wirtschaftspraktika von Verwaltungsmitarbeitern. Ich bin von Beruf Managementberater. Außerdem muss der Landrat eine Integrationsfigur sein und Bürger, Mitarbeiter und den Kreistag auf dem Weg in die Zukunft mitnehmen. Ich glaube, dass ich das schaffen kann.

Sie sprachen davon, dass die Mitarbeiterzahl in der Verwaltung des Landkreises viel zu hoch sei. Wie sieht für Sie denn eine moderne Verwaltung aus?

Das kann ich in drei Worten zusammenfassen: digital, dezentral und mobil. Es werden weder drei Standorte noch 1100 Mitarbeiter gebraucht.

Lassen sich Ihre Verwaltungsvorstellungen konkretisieren?

Als Zentrale stelle ich mir ein einstöckiges Gebäude vor als eine Art Zentralarchiv, dort läuft alles zusammen, dort gibt es auch temporär zu nutzende Büros und Konferenzräume. Dieses Gebäude könnte ich mir in Gützkow in der Liegenschaft der Feuerwehrtechnischen Zentrale vorstellen, wo genug Platz für einen Anbau ist. Die Mitarbeiter arbeiten fast alle mobil, sie kommen zum Bürger oder zumindest in dessen Gemeinde, schauen sich für Bescheide die Gegebenheiten vor Ort an. Dazu hält die Kreisverwaltung 300 Carsharing-Fahrzeuge bereit, die auch gern von anderen Firmen oder Bürgern mitgenutzt werden können. Ansonsten ist Home Office angesagt, die Verwaltungsfachleute klappen also zu Hause den Laptop auf und bearbeiten dort Anträge und erteilen Bescheide. Eine solche Effizienz wird übrigens auch vom Bund gefördert werden, gerade was das Carsharing und die Digitalisierung anbelangt.

Aber es gibt doch zu den unterschiedlichen Anträgen und Bescheiden oft genug Abstimmungsbedarf zwischen mehreren Ämtern. Wie sieht es damit aus?

Damit eine solche digitale Verwaltung funktioniert, muss auch eine andere Führungskultur in die Verwaltung Einzug halten. Die Amtsleiter müssen bereit sein, Verantwortung zu delegieren. Bei mir würde gelten: ein Vorgang – ein Bescheid. Die Mitzeichnung der einzelnen Fachgebiete muss intern erfolgen. Doch wie sieht es heute, im Jahr 2018, noch aus? Jedes Fachamt macht seinen eigenen Bescheid. Für Bürger ist das unzumutbar. Zumal oftmals der Servicegedanke fehlt. Denn man bekommt zwar mitgeteilt, was nicht geht beziehungsweise ungesetzlich ist, aber nur sehr selten teilt die Kreisverwaltung mit, wie es anders und trotzdem schnell zu einem positiven Bescheid kommen kann. Das ist mir aber ein sehr wichtiges Anliegen, schließlich werden die Verwaltungsmitarbeiter von Steuergeldern bezahlt.

Durch die dezentrale und digitale Arbeit lässt sich auch Stück für Stück sozialverträglich durch Eintritt in den Ruhestand die Mitarbeiterzahl verringern.

Und Sie meinen, das stößt in der Verwaltung sofort auf große Begeisterung?

Vielleicht nicht sofort, aber bald. Ein Flächenlandkreis wie Vorpommern-Greifswald lässt sich nur dezentral verwalten. Ich würde deshalb als neuer Landrat in den ersten 100 Tagen im Amt mit jedem Mitarbeiter persönlich sprechen und mir Aufgaben, Ziele und Ideen fürs Bessermachen genau erklären lassen und im Gegenzug meine Vorstellungen kommunizieren. Gleiches gilt übrigens für die Mitglieder des Kreistages, mit denen ich ebenfalls das Gespräch suchen möchte.

Hört sich so ein bisschen nach „Kümmerer für alles“ an ...

Ein Landrat soll sich nicht kümmern, sondern mit großer fachlicher Kompetenz eine Integrationsfigur für alle Bereiche sein. In Vorpommern-Greifswald muss der Landrat fünf unterschiedlich strukturierte Gebiete integrieren – den Uecker-Randow-Bereich, das ehemalige Ostvorpommern, die Insel Usedom auf deutscher Seite, die Hansestadt Greifswald und die neu hinzugekommenen Ämter Peenetal-Loitz und Jarmen-Tutow. Ein dezentrales Konzept hilft da enorm. Immerhin reden wir hier von 140 Gemeinden und 13 Ämtern sowie sechs amtsfreien Städten.

Sie kritisieren, dass in der Verwaltung der Servicegedanke fehlt. Woran machen Sie das fest?

Am Mittelstand, der das Rückgrat des Landkreises ist. Bis da Bauanträge oder Förderbescheide bearbeitet sind, das dauert. Zudem verschwendet kaum jemand mal einen Gedanken daran, dass sich Effizienz auch durch das Verlagern öffentlicher Aufgaben in privatwirtschaftliche Hände erzielen lässt.

Woran denken Sie und was versprechen Sie sich davon?

Nehmen Sie das Beispiel des Breitbandausbaus. Da bietet sich doch eine Kooperation mit der Wirtschaft geradezu an. Auch ein Eigenbetrieb dazu wäre denkbar. Gleiches gilt für den Rufbus, der in Loitz unter Bürgermeister Michael Sack entwickelt wurde, oder das Carsharing, mit dem die Stadtwerke Greifswald schon Erfahrung haben. Man muss das Rad nicht immer selbst neu erfinden. Ich würde bei den Kreisentscheidungen auch viel mehr die Expertise der Uni Greifswald einbeziehen, beispielsweise bei der Elektromobilität und auch der Digitalisierung der Verwaltung. Der Kreis käme mit einer solchen Kooperation auch viel schneller wieder auf gesunde Füße.

Das Haushaltsdefizit ist in den vergangenen zwei Jahren doch schon enorm zurückgegangen. Hier gibt es doch schon große Anstrengungen ...

Hier wird schon als Erfolg gefeiert, dass der Innenminister von MV den Haushalt des Kreises genehmigt. Aber Ziel muss es doch sein, dass Vorpommern-Greifswald nicht immer Bittsteller ist, sondern mittel- und langfristig so viele Einnahmen hat, dass der Kreis selbstständig agieren kann – und zwar nicht nur bei der Sanierung von Straßen, was zweifellos wichtig ist.

Noch mal zurück zur Kreisumlage und der von SPD-Kandidatin Monique Wölk ins Spiel gebrachten Senkung ...

Kurzfristig wird die Kreisumlage nicht gesenkt werden können, da genügt schon ein Blick in die Konsolidierungsvereinbarung mit dem Land. Innenminister Caffier wird derzeit diesen Begehrlichkeiten einen Riegel vorschieben. Wenn der Kreis effizienter arbeitet, kann wieder darüber nachgedacht werden.

Sie fahren gern Rad, haben die Radwege im Kreis gelobt. Waren Sie auch mal mit dem Auto auf Usedom?

War ich. Auch ich kenne das Verkehrsproblem der Insel mit kilometerlangen Staus, die weder für Touristen noch für Einheimische tragbar sind. Mein Vorschlag für einen Anfang: Der zu Deutschland gehörende Teil der Insel muss autofrei werden. Dafür sollten Shuttlebusse für Einheimische und Touristen zur Verfügung stehen. Aber auch hier gilt: Zuerst müssen die Bürgermeister mit im Boot sein.

Deshalb sollte der Landrat nicht nur einmal im Jahr zur Zusammenkunft einladen, sondern regelmäßig vor Ort mit den Bürgermeistern und Gemeindevertretern sprechen – und dabei keine Gemeinde vergessen.

Wenn es zur Stichwahl kommt und Sie nicht dabei sind, würden Sie eine Empfehlung abgeben?

Ja, das tue ich, wenn es so kommt. Wen ich empfehle, sage ich meinen Wählern, wenn es soweit ist.

Als Personaltrainer viel auf Tour

Andreas Suttor (parteilos) wurde 1966 in Oberstdorf im Allgäu geboren. Ab 1985 bei der Bundeswehr, studierte er später an der Universität der Bundeswehr in Hamburg Politikwissenschaft und wollte nach Beendigung seines Studiums in den Osten. Zunächst war er als Soldat drei Jahre in der Uckermark stationiert. 1997 kam er zur Panzergrenadierbrigade nach Eggesin, wo er seitdem seinen Hauptwohnsitz hat. Im Jahr 2000 verließ er nach 15 Dienstjahren die Bundeswehr, machte sich selbstständig.

Der Oberstleutnant der Reserve ist Managementberater und Personaltrainer und beruflich viel unterwegs. Er gibt Seminare in Menschenführung, aber auch in Außen- und Sicherheitspolitik. Zwei bis drei Monate pro Jahr dient er als Reservedienstleistender bei der Bundeswehr in unterschiedlichen Funktionen. „So kann ich etwas zurückgeben, denn alles, was ich kann, verdanke ich der Bundeswehr“, so Suttor. Als Verwaltungsfachmann schult er auch öffentliche Verwaltungen und Behörden und zeigt auf, was „betrieblich, rechnerisch und politisch geht“.

Der 51-Jährige ist geschieden, hat zwei erwachsene Kinder. In Eggesin fühlt er sich angekommen. Er hat im Landkreis auch die „neue Dame seines Herzens gefunden“. Durch sie ist er vierfacher Großvater – eine Rolle, die er sehr genießt und ihm sichtlich Freude bereitet.

Kurz und bündig

Welches Buch lesen Sie gerade?

Der Dreißigjährige Krieg von Herfried Münkler.

Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?

Schwimmen, Fahrradfahren, kochen, Zeit mit der Familie verbringen.

Was ist Ihr liebster Ort in Vorpommern-Greifswald?

Wenn ich mich festlegen muss: Rieth.

Was essen Sie am liebsten?

Russischen Hackfleischtopf, wenn ich ihn selbst zubereite. Ansonsten schätze ich viele Gerichte.

Wohin möchten Sie gern reisen?

Nach Madagaskar.

OZ-Serie zur Landratswahl

Am 27. Mai wählen die Einwohner des Landkreises Vorpommern-Greifswald einen neuen Landrat. Die Amtsinhaberin Barbara Syrbe (Linke) tritt nicht mehr an. Die sieben Bewerber stellt die OZ in einer Serie vor: Ulrike Berger (Grüne), Michael Sack (CDU), Monique Wölk (SPD), Dirk Scheer (parteilos), Axel Gerold (AfD), Andreas Suttor und Kai-Uwe Ottenbreit (beide parteilos).

Die OZ lädt für den 16. Mai um 18 Uhr im sozio-kulturellen Zentrum St. Spiritus in Greifswald zu einem Forum mit den Landratskandidaten ein.

Interview: Cornelia Meerkatz

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