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Usedom Für kluge Förderpolitik und mehr Geld für die Kommunen
Vorpommern Usedom Für kluge Förderpolitik und mehr Geld für die Kommunen
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00:00 23.07.2016

Eigentlich hat Bernd Lange einen Beruf, der ihn ausfüllt. Als Leiter des Fachbereichs 3 Öffentliche Ordnung/Bürgerdienste und als Justitiar in der Anklamer Stadtverwaltung trägt er obendrein eine Menge Verantwortung. Der gebürtige Kieler ist jedoch jemand, der gern nach neuen Herausforderungen sucht. Politische Arbeit findet das treue FDP-Mitglied seit jeher spannend. Nun tritt Lange für die Freien Liberalen am 4. September im Wahlkreis 30 als Kandidat zur Landtagswahl an.

„Wir sind auf dem Weg in einen Nanny-Staat, in dem einem so gut wie alles vorgeschrieben wird“, bemängelt der 59-Jährige und fragt rhetorisch an: „Eigenverantwortung – nimmt das außer der FDP überhaupt noch jemand ernst?“ Wie im Bund, so meint Lange, sei auch die Landespolitik in MV inzwischen „deutlich links von der Mitte angesiedelt, ebenso wie die Opposition mit einer Ausnahme, die ich jedoch nicht so richtig zähle“. Für die Liberalen bedeute dies großen Gestaltungsspielraum.

Lange, der früher in Rendsburg eine Rechtsanwaltskanzlei hatte, wechselte nach der Wende interessehalber in den Nordosten Deutschlands. „Im Westen war schon alles eingelaufen, aber hier im Osten war die Juristerei damals richtig abenteuerlich“, erzählt er. In Anklam beriet er als Rechtsamtsleiter die Verwaltung in Rechtsdingen jeglicher Art, warnte vor Fallstricken, vertrat die Stadt in Prozessen vor Gericht. Als Michael Galander 2002 seinen Vorgänger Wolfgang Stifft als Bürgermeister ablöste, war Lange plötzlich auch für Wirtschafts- und Tourismusförderung zuständig.

Die Kommunen, so seine tägliche Erfahrung, litten unter der Politik der Schweriner SPD/CDU-Regierungskoalition. „Die finanzielle Ausstattung der Gemeinden durch das Land wird immer geringer, während Schwerin den Kommunen immer weitere Pflichtaufgaben überträgt. Es ist daher kein Wunder, dass kaum noch eine Kommune Geld für freiwillige Ausgaben hat“, sagt Lange, der in seiner Heimatgemeinde Neu Kosenow dem Finanzausschuss vorsitzt. „Wir sind nicht mal mehr in der Lage, ein Dorffest zu finanzieren.“

Eine Reform des Finanzausgleichs sei überfällig. Denn: „Wenn die Landesminister mit Fördermittel-Bescheiden – bevorzugt in Wahlkampfzeiten – durchs Land ziehen, die Kommunen aber ihre Eigenanteile nicht mehr dargestellt kriegen und die Mittel daher nicht bekommen, läuft etwas falsch in diesem Land“, so Lange. Dieses Verteilungssystem müsse im Interesse der Kommunen beendet werden.

Lange geißelt auch die vorrangige Förderung von Großunternehmen. „Dass sich in Vorpommern ein Stahl- und Walzwerk mit 2000 Arbeitsplätzen niederlässt, ist unrealistisch“, sagt er. „Aber dass wir mit einer klugen Förderpolitik 40 Betriebe mit je 50 Arbeitsstellen ins Land kriegen, ist schon eher wahrscheinlich.“

Biographisches

Bernd Lange, 59, ist in Kiel geboren. Seit 1994 wohnt er in Kagendorf südöstlich von Anklam. Er ist verheiratet, hat einen Sohn, eine Tochter und ein Enkelkind. Zunächst wohnhaft in Kiel, arbeitete er in Rendsburg als Rechtsanwalt. 1991 wechselte er beruflich nach Barth und anschließend nach Rostock. Zum 1. März 1993 trat er die Stelle des Rechtsamtsleiters in der Anklamer Stadtverwaltung an. Heute leitet er im Anklamer Rathaus den Fachbereich 3 Öffentliche Ordnung/Bürgerdienste und arbeitet zudem als Justitiar. Er ist langjährig in der FDP politisch tätig und leitete unter anderem zwölf Jahre lang den hiesigen FDP-Kreisverband.

Tom Schröter

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