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Usedom Gästeführer wollen keine Urlauber verlieren
Vorpommern Usedom Gästeführer wollen keine Urlauber verlieren
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10:06 03.05.2018
Reiseleiter Daniel Pupke (44) betreut dutzende Reisegruppen im Jahr. Der Usedomer zeigt ihnen die schönen Ecken der Insel. Quelle: Fotos: H. Ewert
Bansin

Dienstagmorgen, 8.45 Uhr: An der Einfahrt zum „Hotel zur Post“ in Bansin wartet Busfahrer Günter Sundmacher auf rund 20 Urlauber. Ein Großteil der Touristen aus dem Raum Hannover sind Rentner, die älteste Dame ist bereits 86 Jahre. Mit Reiseleiter Daniel Pupke verbringen sie den Tag auf Usedom. Nach und nach trudeln die Gäste am Bus ein. Die einen können aufgrund eines körperlichen Handicaps nur noch eingeschränkt laufen, andere sind auf Rollatoren angewiesen. Wieder andere nutzen den Gehstock. Die „Katalogfahrt“, wie sie die beiden Männer liebevoll nennen, startet am Hotel, führt durch die Kaiserbäder, über Swinemünde und kleine Gemeinden des Hinterlandes wieder zurück zum Ausgangspunkt. Zwischenziele sind unter anderem die Seebrücken in Ahlbeck und Heringsdorf. Pupke, der den Job seit etwa zehn Jahren macht, kennt hier fast jeden Stein. Zu den Häusern und Straßen kann er Geschichten erzählen.

Kaiserbäder: Reisebusse sollen ab 2019 aus Ortszentren verschwinden

Doch vielleicht nicht mehr lange: Laut einem Beschluss der Heringsdorfer Gemeindevertreter sollen die Reisebusse aus den Ortszentren der Kaiserbäder verschwinden. Voraussichtlich gilt die Regelung zur Saison 2019. Ein Busverkehr für Hotelan- und abreisen soll mit Ausnahmegenehmigung möglich bleiben. Begründet wurde der Schritt mit Verkehrsvermeidung.

Resultat: Die Gäste müssten am Bahnhof rausgelassen werden, damit sie die Seebrücken oder die Bäderarchitektur sehen können.

Daniel Pupke kann die Entscheidung nicht verstehen. „Dann bleiben viele Gäste eben weg. Sie wollen doch die Seebrücken und den Strand sehen. Deswegen kommen sie doch nach Usedom. Die Seebrücken sind in ganz Deutschland bekannt“, erklärt er. „Aber diese Gäste, die mit dem Bus kommen, sind aufgrund ihrer körperlichen Einschränkung oder des Alters nicht mehr in der Lage, weite Strecken zu Fuß

zurückzulegen. Und von denen werden die wenigsten den langen Weg vom Bahnhof bis zum Strand schaffen“, erzählt er.

24 Tonnen Maximalgewicht darf der Dreiachser von Günter Sundmacher wiegen. Mehrmals im Jahr kommt der Reisebusfahrer nach Usedom, um den Gästen die schönsten Ecken zu zeigen. Sein 13 Meter langes Gefährt bahnte sich gestern Morgen den Weg durch die teils engen Straßen der Kaiserbäder. Am Kulm gings stellenweise nur in Schrittgeschwindigkeit bergauf.

Auch Elke Pupke, die Mutter von Daniel, führt die Gäste regelmäßig über die Insel. „Es sind keine Billigreisen, die wir betreuen, das sind ältere Leute, die viel bezahlt haben für die Fahrt im Luxus- Reisebus und auch bereit sind, in den Seebädern Geld auszugeben. Dazu gehören auch die Gäste, die mit einem Flusskreuzfahrtschiff gekommen sind und den Ausflug in die Kaiserbäder gebucht haben“, schreibt sie in einem Brief an die OZ. „Abgesehen davon, dass dieser Gemeinderatsbeschluss tatsächlich eine Diskriminierung der Alten und Behinderten darstellt, ist er auch wirtschaftlich unvernünftig. Die alten Menschen sind nun einmal eine sehr große Bevölkerungsgruppe und vermutlich liegt der Altersdurchschnitt der Besucher in den Kaiserbädern auch ziemlich weit oben. Außerdem haben sie Kinder und Enkel, denen sie von ihrem Aufenthalt auf der Insel erzählen. Viele erkundigen sich zielgerichtet danach, wo ihre Familien am besten Urlaub machen können. Sie lassen sich von uns Orte, Hotels oder Ferienwohnungen empfehlen“, sagt sie.

Elke Pupke wisse, dass Sight-Seeing-Touren quer durch die Kaiserbäder nicht möglich sind. „Weder wir, noch die Busfahrer haben Interesse daran, in engen Straßen stecken zu bleiben, den Verkehr zu behindern oder über Bürgersteige zu fahren. Niemand von uns kommt auf die Idee, in die Ahlbecker Seestraße zu fahren, wie es uns teilweise unterstellt wurde. Natürlich fahren wir gern über den Kulm, um den Gästen den Ursprung des Seebades zu zeigen oder durch die Bansiner Bergstraße mir ihrer fantastischen Bäderarchitektur. Aber wenn man uns sagt, dass das nicht geht, aus verkehrstechnischen oder aus Gründen des Denkmalschutzes, werden wir das einsehen“, sagt sie.

Etliche Busreisen betreuen die Pupkes, das ganze Jahr. „In der Vergangenheit waren es tausende zufriedene Gäste“, sagt Daniel Pupke. Wenn diese nun weniger werden, hat nicht nur er weniger Arbeit, sondern auch viele andere Gästeführer, die davon leben.

 Hannes Ewert

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