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Gedenken an die Deportation der Juden vor 77 Jahren

Heringsdorf Gedenken an die Deportation der Juden vor 77 Jahren

Usedomer erinnern jährlich die ermordete Mitbürger

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Dieses Denkmal zur Erinnerung an die Kindertransporte wurde am Bahnhof Berlin-Friedrichstraße im Jahr 2008 eingeweiht.

Quelle: Fotos: Heinrich Karstaedt

Heringsdorf. Heute gedenken viele Usedomer an die Deportation jüdischer Bürger vor 77 Jahren. Am 13. Februar 1940 wurden aus dem Regierungsbezirk Stettin 1120 Juden, darunter 9 aus Heringsdorf und 21 aus Swinemünde, per Eisenbahnwagen nach Lublin ins damalige Generalgouvernement im besetzten Polen deportiert.

OZ-Bild

Usedomer erinnern jährlich die ermordete Mitbürger

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Der Transport im Waggon 4. Klasse bei Minus 25 Grad Celsius begann auf dem Güterbahnhof in Stettin und endete nach vier Tagen für die Familien Saulmann und Pörutz in der Ortschaft Piaski, 25 Kilometer entfernt von Lublin. Andere Familien verteilte man auf die Landstädtchen Belzyce und Glusk.

Die Aufenthaltsorte waren von der NS-Führung zunächst als Durchgangslager für die Sammlung deutscher und polnischer Juden zur Abschiebung in andere Staaten bzw. in die eroberten Gebiete der Sowjetunion angedacht.

Erst im Herbst 1941 und nach der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 begann die systematische Ermordung der jüdischen Bürger. Eine Abrieglung des Durchgangslagers Piaski zu einem geschlossenen Getto erfolgte im Herbst 1941 und wurde bis zum März 1942 zum Modell für den gesamten Distrikt Lublin.

In der Namensliste der 1940 aus dem Regierungsbezirk Stettin deportierten Juden sind nur wenige Sterbedaten vermerkt. Aus Heringsdorf verstarb die Oma der Familie Saulmann, Elise, 72 Jahre alt, bereits am 25. Februar 1940 in Lublin. Magarete Pörutz am 16. August 1940 und Siegmund Pörutz am 1. November 1941. Beide starben in Piaski.

Im Frühjahr 1942 kamen weitere Massentransporte mit jüdischen Bürgern aus dem Reichsgebiet nach Lublin. Für diese musste durch Umsiedlung der dort „Lebenden“ Platz geschaffen werden. Erich Mosbach, ein Überlebender, berichtet 1945, dass im März 1942 sogenannte Aussiedlungen begannen. „Es wurden Transporte zusammengestellt, von denen man nie wieder etwas gehört hat. Es war der Anfang vom Ende.

Den Höhepunkt erreichte die Methode im Oktober 1942. Nun wusste man auch, wo es hin ging – in die Gaskammer und dann in den Ofen.“

Das Schicksal der Familie Saulmann mit ihren drei Kindern, bei der Verhaftung, Ilse zwölf Jahre, Hilde zehn Jahre und Eva vier Jahre alt, verliert sich hier im Getto Piaski. Was mussten hier die Kinder alles erdulden, die in ständiger Angst lebten! Bereits schon in der Schule von den Mitschülern ausgegrenzt durch die nationalsozialitischen Parolen und auch im täglichen Leben waren sie ständig Repressalien ausgesetzt. Die Kurpromenade durfte man nicht mehr betreten und die Benutzung des Warmbades waren verboten, der Aufenthalt am Strand nur in einem abgesteckten Teil gestattet, auf dem ein Schild stand „Nur für Juden“.

In einigen Städten, u.a. in Berlin, ermöglichten Hilfsorganisationen im Dezember 1938 einen ersten Kindertransport vom Anhalter Bahnhof nach London mit 196 jüdischen Kindern. Bei diesen Aktionen, die bis August 1939 erfolgten, konnten etwa 10000 jüdische Kinder in Sicherheit gebracht werden. Für die 1,5 Millionen zurückgebliebenen Kindern folgte meist die Deportation in den Tod. Seit 2008 erinnert ein Denkmal am Bahnhof in Berlin Friedrichstraße/Ecke Georgenstraße an diese schrecklichen Ereignisse. Das Denkmal besteht aus zwei Kindergruppen, die jeweils in eine entgegengesetzte Richtung gehen. Fünf Kinder stehen für die, die nicht gerettet werden konnten, die man deportierte und ermordete.

Gedenken, heute 18 Uhr,

Friedensstraße 17

Heinrich Karstaedt

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