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Usedom Gericht schreitet bei fehlender Vorsorge ein
Vorpommern Usedom Gericht schreitet bei fehlender Vorsorge ein
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00:01 17.01.2015
Viel zu wenig Menschen sichern sich ab. Das Thema wird verdrängt.“Andreas Hennig, Richter
Wolgast

30 Jahre lang leben sie zusammen in einer Wohnung. Eine Heirat kam für beide nie in Frage. Über ihr Geld verfügen sie trotzdem auf einem gemeinsamen Konto. Doch dann beendete ein Schlaganfall das bisher ganz normale Leben des Paares. Der Mann liegt schwer geschädigt im Krankenhaus. Er kann nicht sprechen, keine Unterschriften leisten — ist nicht mehr zurechnungsfähig. Die Frau geht zur Bank und will Geld abheben. Doch das Konto ist gesperrt, weil es auf den Namen ihres Partners eröffnet wurde. Im Krankenhaus dürfen die Ärzte ihr nicht sagen, ob ihr Mann Fortschritte macht, oder wie es ihm geht. „Ein Fall, den ich so oder ähnlich, schon oft erlebt habe, weil kein Testament gemacht wurde oder bestimmte Vollmachten fehlen“, sagt der Direktor des Amtsgerichtes in Wolgast. Andreas Hennig weiß, dass die Rechtslage in Deutschland oft schwerwiegende Folgen haben kann, wenn man sich nicht richtig informiert und für den Notfall vorgesorgt hat. Im geschilderten Fall bestellt das Gericht dann einen Betreuer. Einen wildfremden Menschen, der sich um Behördengänge und finanzielle Angelegenheiten des Alten oder Kranken kümmert und der aus dem Vermögen des Geschädigten bezahlt wird.

Allein in Wolgast und im nördlichen Teil der Insel Usedom gibt es zurzeit 600 gerichtlich angeordnete Betreuer. „Eine hohe Zahl“, findet Hennig. Dabei würden zwei Formulare, die sich jeder als Vordruck beispielsweise aus dem Internet ausdrucken kann, ausreichen, um diesem Szenario nicht ausgeliefert zu sein.

Mit einer sogenannten Vorsorgevollmacht bestimmt man dann einen vertrauten Menschen aus der Familie oder dem Bekanntenkreis, der sich um alle Belange kümmern kann. Die Patientenverfügung regelt, dass auch der Partner mit dem man nicht verheiratet ist, unter anderem Auskünfte von Medizinern erhält.

„Mit Alter, Krankheit oder Unfällen mag sich aber niemand beschäftigen, wenn man noch jung und gesund ist — das ist vollkommen menschlich“, weiß der 57-Jährige Gerichts-Direktor. Er hofft, dass sich künftig mehr Menschen für den Fall der Fälle absichern.

Christian Osyguss leitet den Pflegedienst der Volkssolidarität in Wolgast, Anklam, Karlshagen und Greifswald. Der 39-Jährige hat sich selbst schon vor mehreren JahrenVorsorgevollmacht und Patientenverfügung erteilt. Der größte Teil seiner Kunden habe das nicht getan. „Ich habe schon viele Schicksale miterlebt, weiß, was alles passieren kann und dass es oft auch junge Menschen nach einem Verkehrsunfall betrifft. Ich kann nur jedem dazu raten, das Thema nicht zu verdrängen. Vor allem Menschen, die nicht verheiratet sind“, sagt der Bereichsleiter.

Auch Sylvia Brümmel, Pflegedienstleiterin in Koserows Senioren und Pflegeheim „Am Steinberg“ weist ihre Bewohner bereits beim Einzug auf die wichtigen Dokumente hin. „Viele gucken entsetzt wenn ich erzähle, was für Folgen die fehlenden Vollmachten haben können. Es ist ein heikles Thema“, sagt sie und spricht damit auch ihrer Kollegin Kerstin Lenz aus dem Herzen. Bei der Pflegedienstleiterin im Behindertenzentrum „Am kleinen Haff“ in Zirchow werden fast alle Bewohner von selbstständigen Betreuern und nicht von den Angehörigen umsorgt.

„Selbstständige Betreuer verdienen ihren Lebensunterhalt, indem sie nicht zurechnungsfähigen Menschen unter anderem Behördengänge und die Regelungen juristischer Dinge abnehmen“, erläutert Gerichts-Direktor Andreas Hennig. Viele seien auch in gemeinnützigen Vereinen, wie beispielsweise dem Humanitas Betreuungsverein in Wolgast, integriert. „Eine wichtige Aufgabe, denn nicht jeder erkrankte Mensch hat auch Angehörige.“

Vordrucke im Internet
Vorsorgevollmacht: Kann ein Volljähriger aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten nicht besorgen, so bestellt das Vormundschaftsgericht auf seinen Antrag oder von Amts wegen für ihn einen Betreuer.

Patientenverfügung: Sie regelt unter anderem ob man nach einem Unfall künstlich ernährt oder beatmet werden möchte und wer im Notfall über den Genesungsprozess informiert werden darf.

Vordrucke für beide Formulare
findet man beispielsweise kostenlos im Internet. Sie können von einem Notar beglaubigt werden.



Carolin Riemer

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