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Usedom Gesellenstück nach 51 Jahren entdeckt
Vorpommern Usedom Gesellenstück nach 51 Jahren entdeckt
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00:03 11.05.2018
Wiedervereinigung nach 51 Jahren: Horst Kühl schaut sich sein Gesellenstück von damals an. Heute steht es in Ulrichshorst. Quelle: Fotos: Henrik Nitzsche

Horst Kühl streicht vorsichtig über das Holz. Er dreht sich um, lächelt und sagt: „Jetzt habe ich Gänsehaut. Alles ist wieder da. Ich sehe mich wieder vor der Prüfungskommission.“

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Selliner fertigte 1967 einen Schrank zum Abschluss seiner Tischlerausbildung / Jetzt fand er ihn wieder

Dieser Moment, wenn 51 Jahre deines Lebens gerade im Schnelldurchlauf durch den Kopf schwirren. Denn so lange hat der 69-jährige Selliner das Möbelstück nicht mehr gesehen. 1967, zum Abschluss seiner Tischlerausbildung in Bansin, hat Horst Kühl diesen Schrank gebaut. „Das war mein Gesellenstück“, sagt er.

2,30 Meter breit, 80 Zentimeter hoch, 50 Zentimeter tief, Kiefernholz, Schubfächer mit Schwalben und Zinken, zwei Glasschiebescheiben und mehrere Einlegeböden – gut einen Monat hat Horst Kühl damals an dem Schrank gebaut und ihn der Prüfungskommission präsentiert. „Dazu gehörten sieben Tischlermeister. Ich bekam die Note 3. Entscheidend war, dass ich bestanden hatte“, so der Selliner, der per Zufall den Schrank wiederentdeckt hat. Und zwar bei Familie Brandenburg in Ulrichshorst.

Rückblick: Sein damaliger Tischlermeister Willi Brandenburg wartete 1967 lange auf einen Auftrag für das Gesellenstück seines Lehrlings Horst Kühl. Dann kam Frau Labahn aus Bansin. „Sie brauchte einen Schrank, der unter die Fensterbank passt.“ Horst Kühl machte sich an die Arbeit. Das Möbelstück wurde ausgeliefert, der heutige Rentner kam zur Armee. „Die Tischlerei war für mich durch.“

Vor ein paar Tagen traf er nun eine alte Schulkameradin beim Einkauf – Sabine Labahn aus Bansin. „Ich hatte gehört, dass ihre Mutter verstorben ist und fragte so nebenbei, wo denn der Schrank von damals abgeblieben ist. Sie sagte, dass er bei Verwandten in Ulrichshorst ist.“ Und tatsächlich steht dort das Kühlsche Gesellenstück im Esszimmer. „Ich habe den Schrank vor Jahren von meiner Tante geschenkt bekommen“, sagt Renate Brandenburg und spricht von einem „schönen Stück“. Sie bewahrt in dem Schrank vor allem Geschirr auf und freut sich, nun dem Mann gegenüberzustehen, der das Möbelstück gebaut hat.

Dabei wollte Horst Kühl damals diesen Beruf gar nicht lernen. Doch Mutters Wunsch war ihm Befehl: „Mein Jung’, du lernst jetzt Tischler“, habe sie damals zu ihm gesagt. Und er lernte, bei Willi Brandenburg und dem Altgesellen Manfred Knüppel. „Beiden habe ich sehr viel zu verdanken“, sagt der Insulaner, der 1974 auf die Insel zurückkehrte. Einige Zeit lebte er mit seiner Frau in Freyburg (Sachsen-Anhalt).

Zur Tischlerei kam er nie wieder zurück. Nach seiner Armeezeit schulte er zum Zimmermann um. Viele Jahre war er Betriebshandwerker beim Wasserrettungsdienst und Hausmeister im „Langenberg“. Bis 2006 war er beim Wolgaster Bauunternehmen August Reiners beschäftigt, bis die Bandscheiben streikten.

Heute genießt Horst Kühl das Rentnerdasein und ist per Zufall doch wieder – wenn auch nur kurz – zur Tischlerei zurückgekehrt.

Henrik Nitzsche

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