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Usedom Gewinn ist kein Teufelswerk
Vorpommern Usedom Gewinn ist kein Teufelswerk
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21:38 10.10.2018
Hotelier Michael Raffelt von der Hanse Kogge in Koserow. Quelle: Hannes Ewert
Koserow

Der Mangel an Fachkräften in der Hotellerie und Gastronomie hatte auf der OZ-Facebookseite für eine rege Diskussion gesorgt. Grundtenor: Die Unternehmen müssen besser bezahlen und mehr Freizeit gewähren. Michael Raffelt, Hotelier aus Koserow, sagt, ausschließlich nur die Unternehmer für alle Probleme verantwortlich zu machen, sei einseitig betrachtet. Die OZ sprach mit dem langjährigen Hotelier.

OZ: Warum sind Sie so enttäuscht über die auf Facebook getätigten Berichte, dass die Hoteliers schlecht bezahlen und auch die Arbeitsbedingungen zu wünschen übrig lassen?

Michael Raffelt: Ich bin enttäuscht, weil hier alle Hoteliers über einen Kamm geschoren werden von Leuten, die womöglich noch nie in einem Gastrononomiebetrieb oder einem Hotel gearbeitet haben. Sie behaupten, Unternehmer arbeiten selbst nicht mit, sondern „schnüffeln den Arbeitnehmern hinterher und meckern“. Es fehle die Anerkennung für geleistete Arbeit, dafür würden sich die Unternehmer die Taschen vollstecken. Wenn ich so was höre, ärgere ich mich.

OZ: Stimmen die Behauptungen nicht?

Michael Raffelt: Ich habe ab 1991 aus einer Verpflegungsstelle des FDGB-Feriendienstes in 25 Jahren das Hotel Hanse Kogge in Koserow aufgebaut. Vor drei Jahren haben meine beiden Kinder das Unternehmen übernommen. Nicht alle Unternehmer auf Usedom haben dieses Glück. Nicht jeder Nachfolger ist bereit, Millionen Euro an Schulden, Verantwortung für Mitarbeiter und ständige Belastungen zu übernehmen. Erfolg ist nicht garantiert. Risiko ist nicht jedermanns Sache. Aber ohne Unternehmer gibt es keine Arbeitsplätze.

OZ: Nun liegt es doch an den Unternehmern, dass sie so viel Gewinn erzielen, dass sie die Kosten für ihr Unternehmen decken können ...

Michael Raffelt: Das ist nur die halbe Wahrheit. Wer nur seine laufenden Kosten decken kann, investiert nicht. Er wird vom Markt verdrängt. Der Staat zeigt uns gerade sehr anschaulich wie das abläuft. Viele Gemeinden und Landkreise haben gerade noch Geld für die laufenden Kosten. Straßen , Radwege, Schulen, Sportstätten, Sozialwohnungen, Infrastruktur verfallen. Schlechte Bildung, Pflege und ausufernder Bürokratismus tun ein Übriges. Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region verschlechtert sich immer schneller. Im Gegensatz zu unseren Politikern kann ein Unternehmer aber nach Ablauf einer Wahlperiode nicht verschwinden. Er muss für die Folgen seiner verfehlten Unternehmenspolitik persönlich gerade stehen. Gewinn ist also kein Teufelswerk.

OZ: Warum braucht ein Unternehmen hohe Gewinne? Wie haben Sie die Entnahme für die Familie geregelt?

Michael Raffelt: Gewinne sind nötig, damit das Unternehmen auch in Zukunft existieren kann. In unserem Unternehmen ist die persönliche Entnahme der Familienmitglieder klar geregelt. Hier steckt sich keiner etwas einfach in die Tasche. Alle Mitglieder unserer Familie arbeiten da mit, wo es notwendig ist. Ich habe in den zurückliegenden Tagen bei der Frühstückszubereitung für die Urlauber mitgeholfen.

OZ: Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter, damit sie nicht kündigen?

Michael Raffelt: Wir stehen in ständiger Kommunikation mit unseren Mitarbeitern. Es gibt eine eigene Mitarbeiter-App. Jeder bekommt ein Tablet. Wir legen die Betriebsergebnisse regelmäßig in Mitarbeiterbriefen offen, informieren über geplante Investitionen und mögliche Kostensenkung. Für gute Arbeit bedanken wir uns ganzjährig. Es gibt eine Saisoneröffnungsparty, wir zeichnen langjährige Mitarbeiter aus und unternehmen einmal im Jahr eine mehrtägige Betriebsfahrt. Wir bieten preisgünstige Unterkünfte und Wohnungen für Mitarbeiter an. Leider betrachtet das Finanzamt diese geringeren Mieten für die Mitarbeiter als geldwerten Vorteil. Dafür müssen wir zusätzliche Steuern zahlen.

OZ: Gibt es in der Hanse Kogge eine durchgängige Beschäftigung oder nur Saisonarbeit?

Michael Raffelt: Durch den Fachkräftemangel beschäftigen wir über 90 Prozent unserer Mitarbeiter ganzjährig, auch wenn im Zeitraum November bis März die Einnahmen die Kosten nicht decken. Dies muss in der Saison wieder ausgeglichen werden. Die Löhne erhöhen wir in dem uns möglichen Rahmen. Wenn wir richtig große Erhöhungen vornehmen wollten, müssten wir auch die Zimmerpreise anheben. Das will auch niemand. In unserem Betrieb gibt es 26 Tage Urlaub und im täglichen Geschäft kaum Überstunden. Die freien Tage werden entsprechend der gesetzlichen Vorgaben gesichert und Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kinder können in den Schulferien Urlaub nehmen.

OZ: Was raten Sie Mitarbeitern aus der Gastronomie, die mit ihren Arbeitsbedingungen nicht zufrieden sind?

Michael Raffelt: Arbeitnehmer haben die Möglichkeit, schlechte Arbeitgeber zu verlassen. Ich rufe dazu auf: Vergleichen Sie die Löhne und die Arbeitsbedingungen und bewerben Sie sich bei den verantwortungsvollen Unternehmen. Nur so werden wir die schwarzen Schafe unserer Branche zum Umdenken zwingen. So wird die Wertschätzung der Arbeit unserer Mitarbeiter verbessert.

Meerkatz Cornelia

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