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Gräfin Stolberg schenkte Gemeinde Kirchengrundstück

Tag des offenen Denkmals am Sonntag — Kirchen und Gutsanlagen gehören dazu Gräfin Stolberg schenkte Gemeinde Kirchengrundstück

Ahlbecker Gotteshaus ist seit wenigen Wochen gut gefüllt mit Zeitdokumenten. Zur öffentlichen Führung am Sonntag wird darüber berichtet.

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Reinhard Höge (r.) packt die Zeitdokumente in den Kirchturm.

Ahlbeck. Dokumente aus der Zeit des Kirchenbaus und der jetzigen Kirchturmsanierung wurden kurz vor Abschluss der Arbeiten am Ahlbecker Kirchturm unterhalb des Kreuzes für die Nachwelt deponiert. Diese schlummern nun in drei Kupferkapseln und in einer Bleikassette in der Bekrönung des Kirchturms.

Maßgeblich beteiligt bei der Auswahl der Dokumente war der Heringsdorfer Ortshistoriker Heinrich Karstaedt. Er hat aus seinem Fundus etliche Kopien beigesteuert, die viel über das Werden des Bauprojektes Ahlbecker Kirche erzählen. So etwa ein handgeschriebenes Schriftstück von 1846, das notariell beglaubigt ist und die Schenkung des Kirchengrundstücks von der Gräfin Stolberg an die Gemeinde Ahlbeck belegt — und das lange vor dem Bau des Gotteshauses. Als nächstes ist das Protokoll der Gründungsversammlung des Kirchbau-Comitees von 1865 hinterlegt sowie ein Flugblatt des Kirchbau-Comitees von 1877 mit dem Titel „Bitte, bitte, lest in Liebe“. Daraus geht hervor, dass zu diesem Zeitpunkt erst 1400 Thaler bei der Swinemünder Sparkasse auf dem Konto lagen.

Interessant ist auch eine Sammelliste, mit der Mitglieder des Kirchbau-Comitees 1880 in Heringsdorf Klinken putzen waren. Hier sind nacheinander die Namen Delbrück und Oppenheim eingetragen, offensichtlich mit deren eigenhändigen Unterschrift, sowie die jeweils 3 Goldmark, die sie für den Kirchenbau übrig hatten. Eine Goldmark hatte damals eine Kaufkraft von umgerechnet knapp 10 Euro;

also ein recht bescheidenes Sümmchen, das die reichen Heringsdorfer für das arme Ahlbeck übrig hatten. So dauerte es dann noch 14 Jahre bis zur Grundsteinlegung für das Kirchengebäude. Das Programm für das Ereignis am 22. Juli 1894 enthält ein interessantes Detail, nämlich die „Füllung und Schließung der Urkundenkapsel“. Ein entsprechender Hinweis fehlt demgegenüber im Programm zur Einweihung der Kirche am 29. August 1895. So ist zu vermuten, dass man womöglich wegen der relativ aktuellen Dokumente im Fundament auf eine weitere Kapsel im Kirchturm verzichtete.

Für den Historiker Heinrich Karstaedt ist das allerdings kein Problem, denn die wichtigsten Dokumente aus dem 19. Jahrhundert sind als Kopie in die Bleikassette gewandert. „Jetzt haben wir das nachgeholt, was 1895 nicht erfolgte“, sagt er mit Blick auf seine zweiseitige Aufstellung an Schriftstücken, Fotografien, persönlichen Worten von Pfarrer a.D. Hans-Helmut Ohm und des Kirchenältesten Manfred Albrecht sowie ein Zeitungsbericht von Werner John über das Leben und Wirken des Lehrers und Kantors Johann Christian Koch. „Ich habe die historischen Dokumente herausgesucht, die aus meiner Sicht da rein sollten“, sagt der Heringsdorfer über seine Auswahl.

Neben den schriftlichen Unterlagen kamen unter anderem ein Satz Euromünzen von 2013, eine Medaille zum 500. Geburtstag des Reformators Johannes Bugenhagen aus Meißner Porzellan (1985) und weitere Gedenkplaketten, die Edda Unger aus Ahlbeck zur Verfügung gestellt hat, dazu. Natürlich durfte die obligatorische Tageszeitung mit der OZ-Ausgabe vom 27./28. Juli 2013 ebenso wenig fehlen wie Dokumente zur Turmsanierung in diesem Sommer.

Die Schenkung
1846 schenkte Gräfin Stolberg der Gemeinde Ahlbeck das Kirchengrundstück. Das belegen handschriftliche Dokumente.

3 Goldmark (eine Goldmark hatte damals einen Wert von umgerechnet drei Euro) — und damit ein sehr bescheidenes Sümmchen — spendeten 1880 die reichen Heringsdorfer Bürger Delbrück und Oppenheim für den Bau der Kirche im benachbarten Ahlbeck.

 

Dietmar Pühler

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