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Usedom Gransow will Stadtrat Ablehnung des Güllelagers empfehlen
Vorpommern Usedom Gransow will Stadtrat Ablehnung des Güllelagers empfehlen
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00:01 04.10.2016
Aus den Händen von Simone Schäfer und Hans Mahler nahm Bürgermeister Fred Gransow (l.) die Listen entgegen. Fotos (3): Tom Schröter

Der Protest gegen das geplante Rindergüllelager im Lassaner Winkel bleibt nicht ohne Wirkung. Auch Lassans Bürgermeister Fred Gransow (CDU) nimmt inzwischen öffentlich eine kritische Haltung zu dem in der Bevölkerung heiß diskutierten Vorhaben ein. „Wir haben die Möglichkeit, das abzulehnen. Und diese Unterschriften bestärken uns dabei und das werde ich am Dienstag auch den Stadtvertretern empfehlen“, sagte Gransow am Freitagabend während einer Einwohnerversammlung in Lassan.

Einwohnerversammlung in Lassan zum Vorhaben der Peeneland Agrar GmbH lieferte viele interessanten Diskussionsbeiträge

An dem Abend, zu dem sich gut 100 Einwohner und Gäste sowie mehrere Journalisten in der Mehrzweckhalle einfanden, übergaben Simone Schäfer und Hans Mahler von der Bürgerinitiative „Kein Gülle-Großlager im Lassaner Winkel“ dem Bürgermeister die Listen, auf denen sich 1700 Lassaner und Gäste in den zurückliegenden Wochen mit ihrer Unterschrift gegen die Pläne der Peeneland Agrar GmbH gewandt haben. Wie berichtet, will das Unternehmen an der Kreuzung Papendorf/Pulow/Klein Jasedow ein 6447 Kubikmeter fassendes Güllelager bauen, um im Milchzentrum in Zarnitz (1220 Tierplätze) anfallende Gülle zeitweise zu deponieren.

Dass im Podium vor den versammelten Bürgern kein Vertreter des Unternehmens aus Hohendorf, des Planungsbüros und der Baugenehmigungsbehörde saß, um zu den Fragen der Interessierten Stellung zu nehmen, bedauerte nicht nur Hauptamtsleiter Jürgen Schönwandt vom Amt Am Peenestrom. Er wies die Zuhörer jedoch mehrfach auf den Paragrafen 35 des Baugesetzbuches hin, in dem es um das „Bauen im Außenbereich“ und um das Einvernehmen der Gemeinde geht. Dieses könne versagt werden, wenn öffentliche Belange beeinträchtigt sind.

Laut Matthias Andiel, früherer Bürgermeister der Gemeinde Pulow, sei genau dies gegeben. „Schon Anfang der 1990-er Jahre hatten wir als Gemeinde begonnen, die Weichen für Gewerbeansiedlungen und Tourismus zu stellen“, sagte er. Inzwischen bezögen bis zu 20 Prozent der im Lassaner Winkel lebenden Menschen Einkünfte aus der Tourismuswirtschaft – wesentlich weniger profitierten heutzutage von der Landwirtschaft.

Um eine belastbare Handlungsgrundlage zu haben, plädierte Dr. Till Richter aus Buggenhagen dafür, in den relevanten Kategorien Umwelt/Geruch, Verkehr/Straßenzustand, Tourismus und Wirtschaft die negativen und positiven Nebeneffekte eines Güllelagers gegeneinander abzuwägen: „Was wir brauchen, ist eine stringente Analyse. Man muss das durchrechnen und gucken, ob die negativen Effekte die positiven Effekte überwiegen“, riet er. Nur so sei einzuschätzen, in welchem Verhältnis die Maßnahmen zwecks Gewinnmaximierung eines Unternehmens zu jenen Kosten stehen, die dadurch auf die Allgemeinheit zukämen.

Stefan Weigler, leitender Verwaltungsangestellter des Amtes Am Peenestrom, empfahl den Lassanern, mit dem Vorhabenträger zu verhandeln. Im Falle der geplanten Erweiterung der Schweinemastanlage an der Netzebander Straße in Wolgast hätten die dortigen Stadtvertreter ihr Einvernehmen von bestimmten Bedingungen abhängig gemacht. Wie berichtet, ist hier u. a. der Einbau wirksamer Filteranlagen zur Geruchsminimierung nun Bestandteil des Vorhabens. „Damit haben wir das Vorhaben zwar nicht verhindert, aber verträglicher gemacht“, so Weigler. Wie berichtet, reden Peeneland, Bürgerinitiative und Stadtvertreter bereits miteinander.

Tom Schröter

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