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Usedom Greifswalderin vom eigenen Sohn aus dem Haus gedrängt
Vorpommern Usedom Greifswalderin vom eigenen Sohn aus dem Haus gedrängt
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00:00 10.09.2016

56 Jahre lang hat Irmgard W. (alle Namen von der Redaktion geändert) in ihrem Haus Greifswald gelebt, bis zu ihrem Tod wollte sie darin wohnen bleiben. Doch nun, genau heute, zieht sie aus – aus Angst vor Schikanen und Drohanrufen. „Es geht nicht mehr anders“, sagt die 77-Jährige.

Ihr eigener Sohn soll schuld sein. Seit gut 20 Jahren dränge er sie auszuziehen, erzählt Irmgard W. Im November 1991 hatte sie ihm ihr Haus samt Grundstück übertragen, sagt sie, als vorgezogenes Erbe – mit der Klausel, selbst lebenslanges Wohnrecht darin zu haben (Vertrag liegt der OZ vor). Die Strom-, Wasser-, Siel- und Müllgebühren, Heizkosten und Schönheitsreparaturen aber müsse er tragen, steht im Vertrag.

Eine Vereinbarung, die dem Sohn nicht gepasst haben könnte. Dieses Jahr hätten dann die Schikanen begonnen, erzählen Irmgard W. und ihr Nachbar Gunther S., der oft zum Helfen kommt: Im Haus von Irmgard W. sei ab Mitte Januar immer wieder kein warmes Wasser gelaufen, zwei Wochen lang soll im August auch das kalte abgestellt gewesen sein. „Und ich bin pflegebedürftig“, sagt Irmgard W.. Seit kurzem sitze sie sogar im Rollstuhl.

Die Frau zog vor Gericht. Am 6. Juni erließ das Amtsgericht Greifswald eine einstweilige Verfügung (liegt der OZ vor): Die Enkelin Clara W. müsse das Warmwasser wieder andrehen, heißt es darin.

Clara W. hat das umkämpfte Grundstück 2011 von ihrem Vater übernommen, erzählt Irmgard W. Die Enkelin wohne im Haus direkt neben ihr und habe Zugang zum Heizungsraum, durch den die Leitungen für Kalt- und Warmwasser zu Irmgard W.s Haus laufen.

Ein Gerichtsvollzieher habe dafür gesorgt, dass der Beschluss umgesetzt wurde. Doch zwei Stunden später sei die Warmwasserversorgung wieder unterbrochen gewesen. Das Amtsgericht erklärte am 11.

August, „dass die Besitzstörung absichtlich und mit dem Willen der Verfügungsbeklagten (Clara W., Anmerkung der Red.) erfolgt.“ Sie habe die Versorgung wiederherzustellen. Am 15. August wiederholte sich das Ganze: Diesmal ging es ums Kaltwasser. Doch war es die Enkelin?

Der Greifswalder Rechtsanwalt Sven Diedering, der Clara W. vertritt, ging in Widerspruch: Seine Mandantin habe mit der Sache nichts zu tun, erklärte er sinngemäß. Denn das Haus, in dem Irmgard W.

wohnt, werde von einer Firma verwaltet, nicht von Clara W. Clara W.s Vater Reinhard W. allerdings ist der Direktor besagter Firma. Und eben diese schickte Nachbar Gunther S. am 19. August ein Schreiben, in dem es heißt: S. habe Hausverbot auf dem Grundstück. „Verrückt“, sagt der. „Meine Frau und ich kaufen für Frau W. ein und helfen ihr. Dafür sollen wir bestraft werden?“

Mitarbeiter des Pflegedienstes, die Irmgard W. versorgen, bestätigen, dass die Frau offenbar unter dem Streit mit ihrem Sohn leide und dass immer wieder das Warmwasser fehlte. „Das war eine schwierige Situation“, sagt eine der Pflegerinnen (Name der OZ bekannt). „Wir mussten Wasser mit dem Kocher erhitzen, um Frau W. mit warmem Wasser waschen zu können.“ Diese Woche nun sei die Lage eskaliert: Der Pflegedienst bekam Hausverbot, ausgestellt von der verwaltenden Firma. „Ich bin am Donnerstag trotzdem zu Frau W. gegangen, um sie zu versorgen“, erzählt die Pflegerin. Als sie wieder aus dem Haus trat, habe Reinhard W. ihr erklärt, sie solle sofort verschwinden. „Ich habe gesagt, dass nur Frau W. den Pflegevertrag mit uns kündigen kann und dass ich am Mittag wiederkäme.“

Da sei W. ausgerastet. „Er hat mit der Schippe Sand nach mir geworfen.“

Seit August soll Reinhard W. zudem seine Mutter mit nächtlichen Anrufen schikaniert, sie beschimpft und bedroht haben. „Ich kenne ja seine Stimme“, sagt die 77-Jährige. Diese Woche Mittwoch nun sei ihre Telefonleitung tot gewesen. Mehrmals hätten Gunther S. und Irmgard W. in den vergangenen Monaten die Polizei zur Hilfe gerufen. „Die Beamten konnten aber nichts ausrichten“, sagt Irmgard W.

Clara W. und ihr Vater wollten sich gegenüber der OZ nicht zu den Vorwürfen der Mutter, Nachbarn und des Pflegedienstes äußern. Dass Irmgard W. nun auszieht, findet ihr Nachbar Gunther S. bitter.

„Das zeigt, wie machtlos Polizei und Gericht sind“, sagt er. Nun gewinne das Unrecht. Gleichzeitig sind er und die Pflegekräfte überzeugt: „Der Umzug ist jetzt das Beste.“

Sybille Marx

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