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Usedom Großes Fressen auf der Insel Koos
Vorpommern Usedom Großes Fressen auf der Insel Koos
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02:20 13.06.2017
Ronald Abraham überwacht das Geschehen auf dem Koos.
Karrendorf

In der Natur hat das große Fressen begonnen. Viele Jungvögel sind längst geschlüpft, nicht wenige schon flügge. Und die haben nur eines: Hunger! Doch auch dem Nachwuchs der kleinen und großen Räuber knurrt tagtäglich der Magen. Das ist der Stoff, aus dem sich die kleinen Katastrophen entwickeln, wie sie sich jetzt tagtäglich in Wald und Flur ereignen.

Der Koos

Zwei Kilometer lang, ein Kilometer breit – das ist die zu Greifswald zählende Insel Koos, zweitgrößtes Eiland im Greifswalder Bodden. Seit 1990 steht Koos unter Naturschutz und ist sowohl Europäisches Vogelschutzgebiet als auch FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) nach EU-Recht. Für die Öffentlichkeit ist die Insel gesperrt

Ronald Abraham kennt den Kreislauf des Werdens und Vergehens oder den vom Fressen und gefressen werden. Der 49-Jährige wohnt seit 1999 auf der Insel Koos, die Bestandteil des Naturschutzgebietes (NSG) „Insel Koos, Kooser See und Wampener Riff“ ist. Das NSG gilt als eines der bedeutendsten Küstenvogelschutzgebiete am Greifswalder Bodden.

Abraham ist beruflich im Bereich des Naturschutzes tätig und betreut ehrenamtlich im Auftrag des Landkreises das NSG vor seiner Haustür. So oft es geht, ist er jetzt draußen und schaut nach dem Rechten. Wenn es sein muss, auch mit der Waffe. Die schultert er dann, wenn er in Gefahr gerät, was im NSG als wertvoll gilt. Doch die letzte kleine Katastrophe auf dem Koos konnte auch Abraham nicht verhindern. „Sie war für mich nicht vorhersehbar“, sagt der Insulaner und berichtet über einen Vorfall in der Säbelschnäbler-Kolonie. „Wir haben hier die letzte östliche Brutkolonie von Säbelschnäblern“, erzählt er, „und deshalb eine besondere Verantwortung.“ 2016 wurden immerhin 14 Brutpaare auf dem Koos gezählt. In diesem Frühjahr brüteten bereits vier Paare auf der Insel. Nähern sich Möwen, Krähen oder Raubvögel den Brutgelegen, steigen die Vögel mit den eigentümlich geschwungenen Schnäbeln sofort auf und vertreiben die Angreifer. „Dies taten sie auch bei einem äsenden Kranich, der den Nestern zu nahe kam. Doch der Kranich, der nicht als Feind der Säbelschnäbler bekannt ist, reagierte unvorhersehbar“, berichtet Abraham. Er hatte mit einem Fernglas von einem Hochsitz aus beobachtet, wie der Kranich – unbeeindruckt von den Angriffen der Säbelschnäbler – auf die Gelege zuschritt, um dann die Eier mit Schnabelhieben zu zertrümmern. „Ich war so perplex“, erinnert sich Abraham, „dass ich nicht imstande war, einzugreifen.“ Ein derartig aggressives Verhalten von Kranichen sei auch in der Literatur bislang unbekannt.

Die letzte Brutvogelbestandskontrolle brachte sowohl Erfreuliches als auch Unangenehmes: Zwei Säbelschnäblerpaare brüten bereits wieder, auch konnten die ersten neun Jungen eines Brandganspaares beobachtet werden. Zudem halten sich fast 50 Brandgänse neben Löffelenten, Krick- und Knäckenten- sowie einigen Höckerschwänen auf der Insel auf. Darüber hinaus brüten neun Kiebitzpaare, von denen einige Jungvögel bereits in den Wiesen umher flitzten. Ferner geht Ronald Abraham davon aus, dass vier Rotschenkel- und ein Sturmmöwenpaar brüten, auch ein Austernfischer- und ein Sandregenpfeiferpärchen sieht er oft.

Allerdings entdeckte der Naturschützer auch frische Fuchsspuren. Füchse oder Prädatoren wie Mink oder Marderhund kann Abraham auf der Insel jetzt überhaupt nicht gebrauchen. Das Raubzeug könnte den gesamten Bruterfolg dieses Jahres zunichtemachen. Eine installierte Wildkamera soll Klarheit schaffen, um dann Entscheidungen fällen zu können.

Als besonders unangenehm empfindet Abraham das Verhalten einiger Angler. „Sie lassen sich mit ihren Booten oft tief in die Kooser Bucht, die Bestandteil des NSG ist, treiben und stören so empfindlich.“ Die rückläufige Tendenz bei Bruterfolgen, so glaubt Abraham, sei auch darauf zurückzuführen.

Stefan Brümmer

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