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Gützkower Wohnungen nicht gefragt

Gützkow Gützkower Wohnungen nicht gefragt

Noch vor ein paar Jahren gab es in der Kleinstadt kaum Leerstand / Heute ist es anders

Gützkow. Die Grünflächen sind gepflegt, die Bäume frisch gestutzt, ein Spielplatz lädt Kinder zum Toben ein. Und wer will, findet vorm Haus auch problemlos einen Parkplatz. Trotzdem finden preiswerte Wohnungen keine Interessenten. Was in Greifswald als unglaublich erscheint, ist in Gützkow Realität: In nahezu allen Plattenbauten gibt es Leerstand.

„Von unseren 138 Gützkower Wohnungen stehen neun dauerhaft leer“, bedauert Rainer Fehlhaber, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsbaugenossenschaft Greifswald (WGG). Mittlerweile sind es sogar zehn im Karree. Das entspricht einer Leerstandsquote von 7,2 Prozent. „In Greifswald haben wir gerade mal ein Prozent“, sagt Fehlhaber. Dabei sei das Unternehmen permanent mit allen wichtigen Akteuren im Gespräch, versichert Pressesprecherin Juliane Boutalha. Ob Sportverein, Carnevalclub, Stadtvertretung...

„Auch Anzeigen und die Kooperation mit einem Makler haben bislang nichts gebracht“, so Boutalha, „dabei sind unsere Wohnungen wirklich tiptop.“ Offenbar will einfach niemand in die Kleinstadt ziehen.

Das sieht Bürgermeisterin Jutta Dinse anders: „Natürlich haben wir Wegzüge, aber ebenso auch Zuzüge. Das hält sich seit Jahren in etwa die Waage.“ Etwa 3200 Einwohner zähle das Städtchen nahe der Peene — mit den eingemeindeten Dörfern ringsherum. In Gützkow selbst leben laut Internet 2326 Bürger, das sind nur 50 weniger als vor zehn Jahren. Allerdings gab es in der Vergangenheit auch kleine Einbrüche, als die Einwohnerzahl auf 2229 sank (2012).

Jutta Dinse sieht als Ursache des Leerstands in den Plattenbauten vor allem die noch vorhandenen Nachtspeicheröfen. „Die Leute scheuen die Stromkosten“, meint sie und sieht eine Modernisierung als Lösung an.

Helga Studier aus der Fritz-Reuter-Straße indes kann gut mit den Nachtspeicheröfen leben. „Mein Mann und ich wohnen hier schon seit 1989. Wir zahlen 375 Euro Kaltmiete für 64 Quadratmeter, dazu die Nebenkosten, das geht in Ordnung“, sagt die 61-Jährige, die in einer kommunalen Wohnung lebt.

Rund 300 städtische Wohnungen verwaltet das Unternehmen Bläße in Gützkow, von denen mittlerweile 16 unbewohnt sind. „Das entspricht etwa einem Leerstand von fünf Prozent“, sagt Geschäftsführer Bernd Bläße. Noch vor sieben Jahren sah das ganz anders aus. Damals stand das Quartier — Mitte der 1990er Jahre komplett saniert — noch hoch im Kurs, gab es laut Bläße keinen Leerstand. Heute werben Plakate in den Fenstern potentielle Mieter.

„Gützkow verliert an Einwohnern, obwohl die Mieten sehr moderat sind und auch die Infrastruktur stimmt. Kindergarten, Schulen, Ärzte, Supermärkte ... eigentlich gibt es hier fast alles“, sagt Bläße.

„Außer Arbeit. Und das ist, denke ich, das Hauptproblem.“

Gebe es dennoch Interesse an einer Wohnung werde im Einzelfall über eine Modernisierung entschieden. „In der Vergangenheit haben wir bei Mieterwechsel auf diese Weise bereits Bäder und Elektrik erneuert“, sagt Bläße. Die Nachtspeicheröfen im Quartier seien in Gesprächen immer wieder mal ein Thema gewesen, doch eine Entscheidung über mögliche Investitionen stünde noch aus. Auch hinsichtlich einer Erneuerung der Fassaden, die in der Fritz-Reuter-Straße wenig einladend wirken, gebe es keine konkreten Vorhaben.

Auch Helmut Gast lebt mit seiner Frau in der Reuterstraße, allerdings in einem Genossenschaftshaus, das sich äußerlich ohne Makel präsentiert. Und auch im Innern sei alles gut, versichert der 74-Jährige, der seit 1980 in dem Gebäude lebt. „Letztes Jahr wurde auf unseren Wunsch hin das Bad saniert. Wir bekamen eine Dusche, weil es in der Badewanne für uns doch schon beschwerlich wurde“, sagt der Gützkower. Für seine zwei Zimmer müsse er 253 Euro Kaltmiete zahlen, dazu die Nebenkosten. „Das finde ich in Ordnung.“

Von Petra Hase

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