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Usedom Haussegen in Trassenheide hängt schief
Vorpommern Usedom Haussegen in Trassenheide hängt schief
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00:00 13.05.2016

Nur noch Dienst nach Vorschrift: „Wir werden auch weiter den Brandschutz in der Gemeinde absichern, aus den Veranstaltungen ziehen wir uns aber zurück.“ Das sagte ein frustrierter Mirko Bleyl, stellvertretender Trassenheider Wehrführer, in der Gemeindevertretersitzung am Mittwochabend. Das Aufkündigen der Freundschaft mit der Kommune begründete er mit einer jüngsten Stellenbesetzung in der Kurverwaltung. „Bei sieben Stellen war es nicht möglich, den einzigen Bewerber aus den Reihen der Feuerwehr zu berücksichtigen. Das kann nicht sein. Wir machen soviel für die Gemeinde und die Kurverwaltung. Da kommt nichts zurück. Die Stimmung in der Truppe ist schlecht“, sagte Bleyl. Denn mit jedem Feuerwehrmann, der im Ort Arbeit findet, steigt die Sicherheit, als Wehr auch am Tag einsatzbereit zu sein. Acht Feuerwehrleute haben laut Bleyl einen Job in der Gemeinde. „Die Hälfte davon ist allein bei einem Hausmeisterservice beschäftigt“, so der Hauptlöschmeister.

„Wir haben zwei Feuerwehrleute bei uns, die im Einsatzfall auch freigestellt werden“, sagte Kurdirektorin Teresa Dieske und wollte sich diesen Schuh nicht anziehen. Dass der Bewerber aus der Feuerwehr in ihrem Haus nicht zum Zuge kam, begründete sie so: „Bei den ausgeschriebenen Stellen handelt es sich um Saisonarbeitsverträge. Die Bewerber haben den Job schon in den Vorjahren gemacht.

Da muss niemand mehr eingearbeitet werden.“ Die Kurdirektorin bedauerte den angekündigten Rückzug der Wehr. „Wir haben einen guten Draht zueinander und unterstützen uns gegenseitig“, sieht sie das Verhältnis von Nehmen und Geben ausgeglichen. Stattdessen appellierte Teresa Dieske an alle privatwirtschaftlichen Unternehmen im Ort, bei der Neubesetzung von Stellen auf Mitglieder der Feuerwehr – wenn sie denn ins Anforderungsprofil passen – zurückzugreifen.

Spontan bot Gemeindevertreter Frank Römer, Chef des Hotels „Seeklause“ an, dass sich der Arbeitssuchende aus der Feuerwehr bei ihm melden könne. Zu spät: „Er hat nun in Zinnowitz Arbeit gefunden, bekommt dort aber im Einsatzfall kein frei. Schade, er ist ein ausgebildeter Feuerwehrmann und Maschinist“, sagte Bleyl. Sein Bruder René ist übrigens Wehrführer des Ostseebades und im Trassenheider Bauhof beschäftigt.

Davon gibt es einige Beispiele im Inselnorden, wie Amtswehrführer Daniel Stübe betont. Im Karlshagener Bauhof würden zwei Kameraden beschäftigt sein, in Zinnowitz ebenso. „In Mölschow ist es einer“, so Stübe, der durchaus eine positive Entwicklung im Inselnorden feststellt. „Als ich bei der Feuerwehr anfing, war keiner im Bauhof“, so der Zinnowitzer.

Beispiele, wie es funktioniert, nennt auch Ulf Borchardt, Amtswehrführer des Südamtes. „In der Stadt Usedom sind drei Beschäftigte des Bauhofes bei der Feuerwehr. In Rankwitz wurde eine Stelle als Gemeindearbeiter frei – die hat ein Mitglied der Wehr bekommen“, sagt Borchardt. Allerdings schränkt er ein: „Der Status Feuerwehrmann reicht natürlich nicht, um jeden Job zu bekommen. Man muss schon die nötige Qualifikation mitbringen.“

Ähnlich sieht das Marko Stange, Vorsitzender des Feuerwehr-Kreisverbandes Vorpommern-Greifswald. „Im öffentlichen Dienst gelten nunmal Einstellungskriterien. Klar ist das nicht schön, wenn dann ein Feuerwehrmann hinten runter fällt. Ich sehe aber in den Gemeinden des Kreises durchaus ein Bemühen, Feuerwehrleute bevorzugt einzustellen.“

Mirko Bleyl gehe es bei seiner Kritik nicht um den jüngsten Einzelfall. „Seit Jahren mahnen wir das an, dass bei freien Stellen in der Gemeinde geschaut wird, dass Leute von der Wehr eine Chance bekommen.“ Er ist übrigens beim Friedrich-Loeffler-Institut auf dem Riems beschäftigt und am Tag für die Wehr nicht verfügbar.

Henrik Nitzsche

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