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Heringsdorf Heringsdorfer retten einsames Robbenbaby

Feuerwehr bringt Jungtier zurück ins Wasser / Population im Ostseeraum steigt

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Das Robbenbaby hatte an den Buhnen am Heringsdorfer Strand zu kämpfen. Laut Experten dürfte es überlebt haben. FOTOS (2): CLAUDIA PAUTZ

Heringsdorf. Ungewöhnlicher Einsatz in Heringsdorf: Am Sonntagnachmittag sorgte ein junges Robbenbaby am Strand nahe des Sackkanals für Aufsehen. Die Robbenmutter hatte ihr Baby am Strand abgelegt und traute sich dann nicht mehr zurück an Land – zu viele Spaziergänger hatten das Muttertier verschreckt. Polizei, Feuerwehr und der Kommunale Ordnungsdienst der Gemeinde rückten aus. Die junge Robbe wurde gerettet und wieder ins Wasser gebracht.

 

OZ-Bild

Ein Feuerwehrmann bringt das gestrandete Tier wieder ins Wasser.

Es ist kurz nach 14 Uhr: Zwei Polizeibeamte und ein Mitarbeiter des Ordnungsdienstes gehen auf die Spaziergänger zu, mit dem Hinweis, den Abschnitt zu meiden. Die Polizei warnt bereits in den sozialen Medien mit dem Hinweis „Gestrandetes Robbenbaby wartet auf Robbenmutter“. Ort: Strandaufgang 2 Y. „Der Schichtführer hatte mich informiert. Daraufhin haben wir die Nachricht abgesetzt, damit Spaziergänger Abstand halten“, meint Polizeisprecherin Sabrina Kulz.

Kurze Zeit später kommt ein Fahrzeug der Ahlbecker Feuerwehr aus Richtung Heringsdorf. Die Männer haben Wathosen dabei. Sie bringen das Tier zurück in die Ostsee. Dies geschieht nach Rücksprache mit einem Mitarbeiter des Ozeaneums in Stralsund. Das Robbenbaby lässt die Aktion über sich ergehen, obwohl es sehr schwach zu sein scheint. Statt zu schwimmen, lässt es sich von den Wellen zurück in Richtung Land treiben, wobei der Kopf immer wieder unter Wasser verschwindet. Viele Schaulustige beobachten das Treiben. An den Buhnen geht es für die junge Robbe nicht weiter. Das Tier schaut immer wieder hinauf, streckt den Kopf ein Stück aus dem Wasser und verschwindet wieder unter einer Welle. Irgendwann taucht es nicht mehr auf. Es soll sich einer Gruppe mit fünf oder sechs weiteren Tieren angeschlossen haben. Die Retter ziehen ab.

„Man hätte das Tier am Strand liegen lassen sollen. Wo das Wasser ist, weiß es selbst“, meint eine Seehund-Jäger-Helferin von der Insel Sylt.

„Polizei und Feuerwehr haben gut gehandelt und den Bereich abgesperrt. Ob es richtig oder falsch ist, die Robbe ins Wasser zu bringen, kann ich sehr schwer beurteilen. In der Regel sollten Robben aber am Strand bleiben, möglichst ungestört“, sagt Michael Dähne, Kurator für Meeressäuger am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund.

Dähne überrascht es kaum, dass Kegelrobben vor Usedom gesichtet wurden. Die Ostseeküste von M-V scheint für die Tiere immer beliebter zu werden. Nach dem Fund eines toten Robbenbabys Anfang März am Kap Arkona wurde am Sonntag neben der Robbe in Heringsdorf auch ein Tier am Strand von Ahrenshoop (Fischland-Darß-Zingst) entdeckt, das den Weg zurück ins Wasser fand.

Laut Dähne gab es im gesamten Ostseeraum um das Jahr 1900 etwa 100 000 Kegelrobben. Durch die Bejagung der Tiere waren es 1940 nur noch 20 000. „In den 80er Jahren kam die Bedrohung durch Schadstoffe hinzu, sodass sich der Bestand weiter verringerte. Im Ostseeraum waren es nur noch 2500 Tiere. Nun erobern sich die Robben ihren Lebensraum zurück.“ Der Kurator geht davon aus, dass es gegenwärtig an der Ostseeküste wieder um die 30 000 Kegelrobben gibt.

Claudia Pautz und Henrik Nitzsche

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