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02:25 29.03.2014
Ein kleines Museum im Uhrengeschäft: Dirk Schlosser (49) zeigt eine alte Standuhr. Quelle: Henrik Nitzsche

Der tickt ja nicht richtig, sagen Mitmenschen salopp, wenn sie ihrem Gegenüber eine leichte Verrücktheit bescheinigen. Dirk Schlosser tickt richtig. Kein Wunder, der Mann ist Uhrmachermeister. Und Zeit spielt in seinem Leben eine große Rolle.

Nicht nur in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag, wenn im ganzen Land wieder die Uhren eine Stunde vorgestellt werden. Sommerzeit — für Schlosser bedeutet das am Montag mehr Arbeit in seinem Geschäft, das er seit 20 Jahren in der Ahlbecker Seestraße betreibt. „Eine gute Stunde brauche ich schon, um die Quarzuhren vorzustellen. Einige Kunden werden in den nächsten Tagen sicherlich auch kommen.“ Bei den Funkuhren muss der 49-Jährige nicht Hand anlegen. „Nachts um 2 Uhr bekommen sie einen Impuls und schon ist die Sommerzeit eingestellt“, sagt der Uhrmachermeister.

Nicht betroffen vom nächtlichen Vorschnellen der Zeiger sind allerdings die Uhren im Schaufenster. „Die stehen immer auf Zehn vor Zehn oder Zehn vor Zwei“, sagt Schlosser. Er begründet das mit dem Erkennen des Firmenlogos, das sich bei Uhren immer unter der Zwölf befindet.

Doch das Schaufenster mit den vielen Modellen ist nur ein Teil seines Geschäfts. Denn Schlossers Leidenschaft ist die Zeitgeschichte. Und der widmet er sich in seiner kleinen Ausstellung. Standuhren, Wanduhren, Armbanduhren und Taschenuhren — „in den vergangenen 15 Jahren habe ich einiges zusammengetragen“, sagt der leidenschaftliche Sammler. Uhren der bekannten DDR-Marken Ruhla und Glashütte stehen in den Vitrinen, aber auch Modelle aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Diese Uhren sind übrigens alle unverkäuflich. Besonders liebt der Ahlbecker die Standuhr aus dem Jahre 1920. Alle halbe Stunde gibt es den Gong. „Meine Kunden lieben das.“ Und Schlosser nimmt sich die Zeit, um ihnen noch das eine oder andere Detail zum Modell zu erklären. Zeit ist für ihn kostbar. Das sagt er nicht nur, weil er damit tagtäglich in seinem Geschäft konfrontiert wird. Zeit steht bei Schlosser auch für Pünktlichkeit. „Ich bin ein pünktlicher Mensch, weil ich eine gut gehende Uhr habe.“ Mit den „Fünf-Minuten-Zuspätkommer“ habe er aber kein Problem. „Ich weiß doch, dass vor allem junge Leute kaum noch eine Uhr haben. Ihnen reicht doch ihr Handy.“

Apropos junge Leute: Dirk Schlosser geht davon aus, dass der Beruf des Uhrmachermeisters bald ausstirbt. „Uns fehlt es am Nachwuchs. Es gibt kaum noch Auszubildende in diesem Handwerk. Da rennt die Zeit gegen uns.“

Ich bin ein pünktlicher Mensch, weil ich eine gut gehende Uhr habe.“Dirk Schlosser, Uhrmachermeister



Henrik Nitzsche

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