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Usedom „Hier sind unsere Kinder nichts Besonderes“
Vorpommern Usedom „Hier sind unsere Kinder nichts Besonderes“
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00:00 13.10.2018
Wolgast

Die Kindertagesstätte „Friedrich Fröbel“ in Wolgast setzt seit Jahren auf ihr integratives Konzept. Und das mit Erfolg. Derzeit besuchen zwei Kinder mit Down-Syndrom die Einrichtung. Für alle Beteiligten ist das ganz normaler Alltag. „Genau so muss es sein“, sagt Leiterin Birgit Sylvester, deren Einrichtung unter der Trägerschaft des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Vorpommern-Greifswald steht.

Johanna-Dorothea Wystup und ihr Vater Dominik sowie Katharina Wondzinski mit Sohn Ben. Quelle: Foto: Asb

Kontakt und Infos

Das Down-Syndrom ist eine bei Menschen vorkommende angeborene Kombination verschiedener geistiger Behinderungen und körperlicher Fehlbildungen. Der Begriff des Down- Syndroms geht auf den britischen Arzt und Apotheker John Langdon- Down zurück.

Infos und Anmeldung zum Wochenende für Familien und Alleinerziehende mit Down-Syndrom-Kindern: www.st-otto-zinnowitz.de

An einem grauen Herbsttag prasselt der Regen gegen die Scheiben der ASB-Kindertagesstätte. Der Wind peitscht immer wieder neue Regenschwaden gegen das Glas. Einfach ungemütlich. Dennoch: Vom schlechten Wetter lassen sich die Kinder nicht anstecken. Im Gegenteil. Ausgelassen und gut gelaunt spielen sie mit Holzbauklötzen, mit dem Puppenhaus oder zeichnen am Gruppentisch.

Eines der Kinder ist Johanna-Dorothea Wystup – das fünfjährige Mädchen setzt gerade einen Bauklotz ein, als ihr Vater in der Tür zum Gruppenraum auftaucht, sich hinhockt und mit breit ausgestreckten Armen den Namen seiner Tochter ruft. Sofort wirbelt Johanna-Dorothea herum, springt auf und rennt mit einem Lächeln ihrem Vater entgegen. Pure Freude – und ganz normal. Fast: Johanna-Dorothea ist ein Kind mit Down-Syndrom – auch als Trisomie 21 bekannt. „Hier in der Kita ist sie deswegen aber nichts Besonderes“, sagt ihr Vater Dominik Wystup. „Und genau das gefällt mir sehr gut.“

Bei diesen Worten nickt Katharina Wondzinski, ihr einjähriger Sohn Ben besucht ebenfalls die Kita „Friedrich Fröbel“ – auch er ist vom Down-Syndrom betroffen. „Auf meiner Internet-Recherche nach einem Krippenplatz bin ich sofort auf die Fröbel-Kita gestoßen. Vom ersten Moment an hatte ich ein sehr gutes Gefühl“, berichtet die 33-Jährige. „Wenn wir morgens zur Kita fahren und Ben das Haus der Kita sieht, reißt er sofort die Hände hoch – ich weiß, dass er sich hier sehr wohl fühlt“, erzählt sie.

Für Kita-Leiterin Birgit Sylvester sind solche Sätze das größte Kompliment und Motivation zugleich, den integrativen Ansatz zu leben – und das jeden Tag. „Bis zum vergangenen Jahr habe ich selbst in einer integrativen Gruppe gearbeitet. Ich kenne die Herausforderungen und zugleich den großen Vorteil dieses Konzepts. Die Kinder lernen ganz schnell Verantwortung füreinander zu übernehmen. Die Kinder ohne Handicap merken, dass die Kinder mit Handicap mehr Hilfe brauchen – das ist für alle ganz normal.“

Beim Blick in den Gruppenraum wird deutlich, was Birgit Sylvester meint: Die Kinder mit „Normal-Syndrom“ und die Kinder mit Handicap spielen miteinander, es gibt keine Berührungsängste. „In all den Jahren habe ich noch nie etwas Negatives von Seiten der Eltern gehört oder erfahren“, sagt Kita-Leiterin Birgit Sylvester, die seit 1998 in der Einrichtung arbeitet.

In dieser Zeit haben Birgit Sylvester und ihre Kolleginnen sehr viele Erfahrungen gesammelt – diese helfen, die Integration zum Erfolg zu führen. Dominik Wystup erinnert sich noch genau an die ersten Kita-Tage seiner Tochter.

„Wir hatten für Johanna-Dorothea eine sehr lange Eingewöhnungszeit verabredet – ganze zwei Monate“, sagt der Mann mit den stets strahlenden Augen und dem gewinnenden Lächeln im Gesicht. „Bereits nach zwei Tagen war ich quasi Luft – und Johanna-Dorothea voll in der Gruppe drin. Das Kita-Team gab Johanna-Dorothea Sicherheit. Genau das, was sie braucht.“

In diesem Moment schluckt Kita-Leiterin Birgit Sylvester – die Gänsehaut auf ihren Unterarmen ist deutlich zu erkennen. „Das berührt mich sehr“, meint sie sichtlich bewegt. Ganz klar: Birgit Sylvester und ihr Team leben und lieben ihre Arbeit – genau das schätzen die Eltern und vor allem die Kinder der Friedrich-Fröbel-Kita.

Für das kommende Jahr hat Dominik Wystup eine Premiere geplant: Vom 17. bis 19. Mai 2019 organisiert er auf der Insel Usedom im „Haus der Begegnung und Familienferien St. Otto“ ein Wochenende für Familien und Alleinerziehende mit Down-Syndrom-Kindern. „Wir wollen die Möglichkeit zum Austausch schaffen.“ Mit dabei: Das Team der ASB-Kita „Friedrich Fröbel“ in Wolgast, das für ein paar Stunden die Betreuung der Kinder übernimmt. „Wir waren von der Idee sofort begeistert – für uns ist das die beste Fortbildung“, erklärt Birgit Sylvester.

Plötzlich taucht Johanna-Dorothea neben ihrem Vater auf und kuschelt sich an ihn. Der 49-Jährige streichelt seiner Tochter über den Kopf und herzt sie. Ben hat es sich unterdessen auf den Armen seiner Mutter gemütlich gemacht – auch die beiden schäkern miteinander. „Schlechte Laune kennen wir bei unseren Kindern nicht“, meinen beide unisono. Erst recht nicht, wenn die beiden Kleinen ein ganz normaler Teil der Kindergarten- Gruppe sind.

Karsten Lehmann

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