Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Hier spielt der Chef noch selbst
Vorpommern Usedom Hier spielt der Chef noch selbst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 26.08.2016

Oft kommt es ganz anders, als man denkt. Das dachten sich auch die Zuschauer, die am Mittwochabend in der Vineta-Vorstellung „Die Stadt der Diebe“ saßen. Kurz vor Vorstellungsbeginn ertönte die Durchsage, dass der Schauspieler Erwin Bröderbauer krankheitsbedingt nicht den Fidelus, den „König der Diebe“ spielen kann. Ein langes „ohhhhh“, hallte durch die Reihen. Als die Regie verkündete, dass für ihn Wolfgang Bordel, der Theaterintendant persönlich, die Rolle übernimmt, schallte ein erleichtertes „ahhhhh“ durch den Zuschauerraum.

In der 20-Jährigen Geschichte der Vineta-Festspiele war es das erste Mal, dass Wolfgang Bordel auf der Bühne stand. Zuvor war er derjenige, der im Hintergrund das Sagen hatte. „Zu 95 Prozent waren die Texte richtig“, sagt Theatersprecherin Martina Krüger mit einem Augenzwinkern.

Erst am Vormittag stellte sich heraus, dass Bordel auf die Bühne muss. „Es ist nunmal die Hauptrolle. Mir nimmt das Publikum kleinere Texthänger nicht so übel, als hätten wir jemand anderes auf die Rolle gesetzt“, sagt der 65-Jährige.

Hilfe bekam der Intendant dennoch von Erwin Bröderbauer. „Ich gebe ihm über Funk Kommandos, wie er sich auf der Bühne verhalten soll. Wo er zum Beispiel langgehen muss“, erklärt Bröderbauer vor der Vorstellung. Und dies gestaltete sich als ziemlich lustige Angelegenheit. „Er sagte mir über Funk, dass ich zum Beispiel in die Bühnenmitte gehen soll. Immer wieder kamen Anweisungen. Dabei musste ich mich ja auch auf die Handlung konzentrieren. Das war alles gar nicht so einfach“, sagte Bordel.

Besonders das Leben hinter der Bühne erlebte der Intendant von einer völlig neuen Seite. „Dieses Wuhling bekommt man als Zuschauer gar nicht mit. Und ich war mittendrin. Die Eleven als auch die Laien- und Profidarsteller haben mich gut in ihrer Mitte aufgenommen und bestens versorgt“, sagt er.

Die Darsteller hatten an dem Abend ihren Spaß mit dem ungewöhnlichen Gastauftritt. „Man muss nur unwahrscheinlich aufpassen, was er sagt. Der Chef hat den Text zwar selbst geschrieben, aber oftmals wählt er doch ein paar andere Worte“, sagt Anna Jamborsky, die die Zeitläuferin „Omniya“ spielt. Und das merkte auch Wolfgang Bordel. „Besonders bei der Schachszene musste ich aufpassen. Mein Gegenspieler Reiko Rölz bekam die Worte noch nie in der Reihenfolge gesagt und musste sich richtig konzentrieren. Ich bin allen dankbar, dass es so gut funktionierte“, erzählt er.

Neben den Dialogen sahen die Zuschauer einen tanzenden, beweglichen Theaterchef, der in den Reihen seiner Eleven nicht immer mit der Geschwindigkeit mithalten konnte, aber durch seine charmannte Art die Herzen der Zuschauer eroberte. „Eigentlich waren meine Bewegungen immer richtig, die der Theatereleven aber zu schnell“, sagte er und lacht. Am Ende des Abends gebürte ihm ein langanhaltender Applaus mit vielen „Wolfgang, Wolfgang“-Rufen.

„Mir ist sprichwörtlich ein Stein vom Herzen gefallen, als das Programm vorbei war. Das wäre sonst eine Katastrophe gewesen, wenn die Hauptrolle nicht auftreten kann.“

Auch gestern Abend stand Wolfgang Bordel als „Fidelus“ auf der Vineta-Bühne und begeistete die Zuschauer. Ob er am Sonnabend auch spielt, hängt vom Gesundheitszustand Erwin Bröderbauers ab.

Hannes Ewert

Der Thüringer Folkbarde Andreas Schirneck, einst Weggefährte von Ostrock- Ikone Klaus Renft, ist heute um 19.30 Uhr auf dem Kanuhof in Spandowerhagen live zu erleben.

26.08.2016

Am kommenden Wochenende naht der Höhepunkt der Lieper Festwochen, mit denen sich der Förderverein Dorfkirchen am Lieper Winkel an den Feierlichkeiten zum 800. Geburtstag der Lieper Kirche beteiligt.

26.08.2016

Seit 45 Jahren arbeitet Christiane Schünemann mit Herzblut in einem Beruf, den sie eigentlich nicht lernen wollte

26.08.2016
Anzeige