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Usedom Höll: „Wir müssen wieder lauter werden“
Vorpommern Usedom Höll: „Wir müssen wieder lauter werden“
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00:00 20.03.2017
Seit Jahren muss sich Minister Till Backhaus (l./SPD) der Initiative gegen Deichrückbau um Rainer Höll (4.v.r.) erklären. Quelle: Foto: Stefan Brümmer

Nicht nur die vom jüngsten Sturmhochwasser an der Ostseeküste angerichteten Schäden haben die Initiative gegen Deichrückbau im Usedomer Inselnorden aus der selbst auferlegten Defensive geweckt. Auch die Erfahrungen bei Wiedervernässungen in der Region, etwa beim Polder Kamp bei Anklam oder an der B 110 zwischen der Zecheriner Brücke und Pinnow, beunruhigen die Vereinsmitglieder, die sich am Freitag in der Schulaula in Karlshagen trafen.

Initiative gegen Deichrückbau in Usedoms Inselnorden macht mobil

Die Initiative (107 Mitglieder) erneuerte ihre Forderung an die Landesregierung, die Rückbauoption am Peenestromdeich aus den Hochwasserschutzplänen für den Inselnorden zu streichen. Wie berichtet, stehen Amtsverwaltung und Bürgermeister des Inselnordens hinter der Forderung. „Der Peenestromdeich muss unbedingt bleiben“, sagte der an diesem Abend in seinem Amt bestätigte Vorsitzende der Initiative Dr.Rainer Höll.

Hintergrund: Die Rückbauoption gehörte zum Kompensationsprogramm Cämmerer See, das offiziell 2014 wegen fehlender Nachfrage beendet wurde. Die 2015 vorgestellten Hochwasserschutz-Planungen enthalten allerdings für den Fall neuen Bedarfs an Kompensationsmaßnahmen eine Wiederbelebungsoption. Höll bezeichnete das als „grob fahrlässig“ und „Schwachsinn“, weil damit eine Schwächung des Hochwasserschutzes und unberechenbare Gefahr für den Inselnorden verbunden sei: „Der Deich muss unbedingt bleiben.“

Andere pflichteten ihm bei und zogen Vergleiche zu deutschen Inseln, auf denen vernünftigerweise jeder Euro in den Deichbau und somit in den Schutz vor Hochwasser investiert würde. Günther Roggow sagte: „In unserer Landesregierung sitzen anscheinend Schildbürger. Was bei uns hält, soll kaputt gemacht werden und was kaputt ist, wie unsere Schöpfwerke, kann nicht repariert werden.“

In zwei Landtagsabgeordneten hat die Initiative Unterstützerinnen. Beate Schlupp (CDU/1.Vizepräsidentin des Landtages und Leiterin des Arbeitskreises Landwirtschaft und Umwelt der Fraktion) und Mignon Schwenke (Linke/2. Vizepräsidentin des Landtages und Sprecherin der Fraktion für Umwelt, Energie und Verkehr) schilderten ihre Bemühungen, den Usedomern helfen zu wollen.

„Ich bin nicht damit einverstanden, wie hier gegen den Bürgerwillen agiert wird“, sagte Beate Schlupp in Karlshagen. Sie versprach zu versuchen, dass die Regierung von den Plänen ablässt. „Auch wenn zurzeit wohl keine Absicht besteht, den Deich anzufassen, kann ich der Initiative nur raten, weiterzumachen“, sagte ihre Kollegin Mignon Schwenke, die das Thema am kommenden Donnerstag erneut bei Minister Till Backhaus (SPD) ansprechen will.

Allerdings war es für die Insulaner ernüchternd, zu erfahren, wie wenig Einfluss die Abgeordneten haben. Deren Schilderungen von Kontakten zu zuständigen Ministeriumsmitarbeitern ließen sie im Lichte unliebsamer Bittstellerinnen erscheinen. Der eingeladene Parlamentarische Staatssekretär für Vorpommern, Patrick Dahlemann (SPD), hatte sich am Freitag aus Krankheitsgründen entschuldigen lassen müssen.

Um ans Ziel zu kommen, schließt die Initiative in Betracht, das Angebot von Ralph Weber (AfD) anzunehmen, sich für das Anliegen stark zu machen. Weber hatte gegenüber Höll Bedauern geäußert, am Freitag nicht eingeladen worden zu sein. Als einzige Lösung für den Hochwasserschutz im Inselnorden sieht die Initiative den Erhalt des Peenestromdeiches und den Bau des ursprünglich zwischen Peenemünde und Ostsee geplanten Deiches sowie deren ständige Höhenanpassungen an aktuelle Wasserverhältnisse an. Das sei neben Belangen des Trinkwasserschutzes und Altlastengefahren auch mit dem Denkmalschutzgesetz und der internationalen Bedeutung Peenemündes vereinbar, so Höll.

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