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Usedom Hohenseer stemmen sich gegen den Verlust ihres Wohnhauses
Vorpommern Usedom Hohenseer stemmen sich gegen den Verlust ihres Wohnhauses
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00:00 15.11.2016
Marina Mehnert vor ihrem Haus in Hohensee. Vergeblich hat das Ehepaar in einer finanziellen Notlage beim Jobcenter Vorpommern-Greifswald Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts beantragt. FOTO: Tom Schröter

Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist heute allgegenwärtig. Auch Marina Mehnert aus Hohensee kann ein Lied davon singen. Alles begann damit, dass ihr Ehemann im Zuge der Insolvenz der P+S-Werften seinen Arbeitsplatz auf der Wolgaster Peene- Werft verlor. „Und das nach 37 Jahren!“, betont Marina Mehnert. Um den Lebensunterhalt zu bestreiten, sattelte Hans-Jürgen Mehnert um. Seit etwa zwei Jahren ist der heute 57-Jährige, mit einer Unterbrechung, nun als Fernfahrer beschäftigt und nur noch an den Wochenenden zu Hause.

„Ich möchte unbedingt, dass wir unser Haus behalten können.Marina Mehnert

Bald schon folgte der nächste Einschnitt: „Wegen eines Unfalls verlor mein Mann Anfang 2015 durch Kündigung seine Arbeit. Vom Arbeitsamt bekam er drei Monate lang kein Geld, da er den Unfall verschuldet und nicht gleich gemeldet hatte“, berichtet die 56-jährige Ehefrau. Für das Paar brach eine entbehrungsreiche Zeit an. Dass die pflegebedürftige Schwiegermutter, die zur jener Zeit mit im Haus in Hohensee wohnte, finanziell aushalf, erwies sich als glücklicher Umstand, sollte aber kein Dauerzustand werden.

In ihrer Not wandten sich die Mehnerts im März 2015 an das Jobcenter Vorpommern-Greifswald. Dieses lehnte ihren Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts jedoch trotz der misslichen Situation ab. Die Eheleute seien nicht hilfebedürftig. Der Grund: Das verwertbare Vermögen, über das die Mehnerts verfügen, übersteige deren Vermögensfreibeträge. Konkret geht es um das oberhalb des Hohenseer Sees gelegene Wohnhaus, das sich die Familie über viele Jahre hinweg ausbaute, soweit die Mittel dies zuließen. „Ein Behördenmitarbeiter hat uns empfohlen, doch unser Haus zu verkaufen und in eine kleine Neubauwohnung umzuziehen. Dann wären wir aller Sorgen ledig“, schildert Marina Mehnert. Zum Beispiel die Frage, was dann aus ihren Hühnern, ihrer Katze und ihrem Riesenschnauzer werden soll, der ihr die tristen Tage verkürzt, konnte ihr jedoch niemand beantworten.

Längst hat Hans-Jürgen Mehnert (57) bei einer anderen Spedition angeheuert und steuert nun einen anderen Truck durch die Lande. Die Schwiegermutter lebt seit Dezember 2015 in einem Pflegeheim in Berlin. Marina Mehnert machte sich daran, den früheren Wohnraum der Verwandten zur Ferienwohnung umzugestalten. Leider konnte das Domizil nur einmal in dieser Saison vermietet werden, so dass die Angst um den Erhalt des Hauses bisher nicht gebannt ist. Um finanziell in sicheres Fahrwasser zu kommen und zum Familienbudget beizutragen, durchforstet die zweifache Mutter nun regelmäßig die Stellenanzeigen. „Gern würde ich im Raum Wolgast tage- und stundenweise als Haushaltshilfe arbeiten“, sagt sie. „Ich habe zwar keinen Führerschein, aber von Hohensee aus bestehen gute Busverbindungen.“ Über ein passendes Stellenangebot würde sich Marina Mehnert freuen.

INFO: Kontakt ☎ 03836/600003

Tom Schröter

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