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Holzpfähle erinnern an KZ-Baracken

Peenemünde Holzpfähle erinnern an KZ-Baracken

Spuren des ehemaligen Arbeitslagers Karlshagen: Jugendliche aus aller Welt machen Wachturm und Fundamente wieder sichtbar.

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Die Archäologiestudentin Andrea Porcar wunderte sich über die kuriose Schuhgröße dieses Stiefels.

Peenemünde. Tageslicht fällt wieder auf Ruinen des ehemaligen Konzentrationslagers Karlshagen I. 15 Jugendliche aus verschiedenen Ländern haben einen Wachturm und Baracken-Fundamente des Arbeitslagers südöstlich des Peenemünder Flugplatzes wieder sichtbar gemacht. „Sie haben in den vergangenen drei Wochen jede Menge Wildwuchs entfernt, Gras und Sträucher standen meterhoch“, sagt Ute Augustat vom Historisch-Technischen Museum Peenemünde (HTM).

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Gefunden wurden verrostete Dosen, Draht und Scherben von Rohrleitungen.

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Kleine Überraschungsfunde blieben dabei nicht aus: Verrostete Dosen, Stacheldraht, Scherben von Rohrleitungen und einer Toilettenschüssel sowie Kacheln. „Es ist ziemlich spannend“, sagt Archäologiestudentin Andrea Parcor (19) aus Spanien und zeigt auf eine größere Betonöffnung im Boden. „Ich schätze, hier ist einmal ein Abfluss gewesen.“ Ihr großes Interesse weckte auch ein alter Stiefel. Sie wunderte sich über die Schuhgrößenangabe: Die Nummern 67 und 27 stehen auf der Sohle. „Das ist ziemlich kurios. Ich wüsste nicht, zu welcher Nationalität das gehören soll.“

Der Spanierin ist besonders wichtig, Geschichte zu erzählen. Deshalb hat sie bei dem Arbeitseinsatz, dem Sommercamp des HTM, mitgemacht und wünscht sich das auch später für ihren Beruf. „Es ist sehr wichtig, dass historische Stätten und Museen neutral reflektieren. In Spanien ist das nicht selbstverständlich“, sagt Andrea Parcor.

Museumsmitarbeiterin Ute Augustat freut sich vor allem über hölzerne Relikte. „Jetzt sind wieder deutlich die Pfähle zu erkennen, auf denen die Baracken einst standen“, sagt sie. Zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges waren die Baracken um einen Appellplatz angeordnet. In regelmäßigen Abständen gab es Wachtürme. Die Fundamente sind Zeugnisse dieser Anordnung. „Der Einsatz der Jugendlichen ist pure Handarbeit. Das ist ein viel zu sensibler Bereich, um große Maschinen zu verwenden“, sagt sie. „Natürlich wissen die Teilnehmer, wo sie hier arbeiten. Aber das Ausmaß eines solchen Lagers kriegen sie erst vor Ort wirklich mit.“ Nach und nach kämen immer mehr Fragen. Wie viele Menschen hier inhaftiert waren. Wer, und was sie tun mussten. „Das ist ein bedeutsamer Ort, den Besucher jetzt wieder besser wahrnehmen können“, erzählt Myungwon Kim (24) aus Südkorea nach getaner Arbeit.

Dieses 18. Internationalen Sommercamp wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein Norddeutsche Jugend im internationalen Gemeinschaftsdienst (NIG) in Rostock durchgeführt. Dort werden Projekte eingereicht, Jugendliche aus aller Welt können sich freiwillig dafür anmelden. „Sie wollen vor allem reisen und zusammen etwas schaffen“, sagt die Gruppenleitern Simone Braun (23). Diesmal nahmen 15 Jugendliche aus Spanien, Korea, Japan, der Türkei, Frankreich, Georgien der Ukraine und Deutschland teil. Durch ihre Hilfe setzen sie ein deutliches Zeichen für Toleranz und Miteinander. Das HTM organisiert die Camps seit 1999 auf dem Gelände.

Ehemaliges Arbeitslager
Das Konzentrationslager Karlshagen I gab es von Mai 1943 bis April 1945 und war an der Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde West angegliedert. Es war ein Arbeitslager.

Es bestand aus mehreren Baracken und wurde ständig erweitert.

Etwa 1400 männliche Häftlinge unterschiedlicher Nationalitäten (bekannt sind Ukrainer, Russen, Holländer, Franzosen und Deutsche) waren dort untergebracht. Sie kamen zuvor aus verschiedenen Konzentrationslagern. Eingesetzt wurden sie auf dem Flugplatz für Erdarbeiten, zum Beispiel zur Verlängerung der Start- und Landebahn oder zum Auffüllen vom Bombenkratern.

Zusätzlich sollten sie Hilfsarbeiten erledigen, wie Flugzeuge betanken. Bei der Erprobung der Flügelbombe Fi 103 mussten sie schwere Schussbolzen aus dem Sumpf bergen.

Die heutige „Denkmallandschaft Peenemünde“ ist ein begehbarer Rundweg von etwa 22 Kilometern. Unter Aussparung sensibler Bereiche, die munitionsbelastet sind, führt der Weg zu den Ruinen der militärischen Vergangenheit, die von der Natur zurückerobert werden.

 

Irene Burow

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