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Humorige Erinnerungen

Usedom Humorige Erinnerungen

Neues Buch des Usedomers Max Spiecker

Usedom. Ein Säufer, aber treu und in der Arbeit trotz hohen Alkoholpegels ganz genau. Das hört sich nach einem Pommern an.

Und tatsächlich ist der alte Radloff, ein Kutscher, auf einem Gut im Land am Meer beschäftigt. Er ist der Namensgeber eines vom Ehepaar Rösel herausgegebenen Buches. Sie haben nach „Ollermann vertellt“ das zweite des gebürtigen Usedomers Max Spiecker (1854 bis 1937) neu herausgegebenen. Günter Rösel hat den plattdeutschen Originaltext ins Hochdeutsche übertragen.

Es sind unterhaltsame Anekdoten, die der unverkennbar konservativ gesinnte Spiecker erzählt. Spiecker schrieb das Buch nach seiner Pensionierung im Jahre 1932. Mit der Weimarer Republik hatte er wenig im Sinn.

Der alte Radloff seiner launigen Geschichte hat als Saufbold noch eine Menge erlebt, benahm sich ziemlich gewöhnungsbedürftig auf der Hochzeit des Gutsherren und wurde am Ende zur Abstinenz bekehrt.

Ein anderer der Helden Spieckers, ein Onkel Pinsch, lebte in Piepstock (Usedom) und gehörte zu den angeblich zahllosen Originalen der Insel-Kleinstadt. Er war Apotheker und betrieb sein Geschäft mit viel Humor. Onkel Pinsch verkasperte gern seine Kunden. Ein Beispiel aus dem Spieckers Buch: „So klagte ihm einst ein Bauer aus dem Lassaner Winkel, seine Kühe wollten nicht fressen und keine Milch geben, die müssten rein verhext sein. ,Hm', sagt Pinsch und sieht ihn ein bisschen wehleidig und ein wenig spöttisch an’ , dagegen hilft bloß ein Flustribus, und der kostet einen Taler.' Der Landmann ist einverstanden, Pinsch geht in sein Kontor, greift sich einen Brummer und sperrt ihn in eine Streicholzschachtel und sagt: ,Nicht eher aufmachen, als abends im Kuhstall, wenn der Mond untergeht.'“

Der Bauer ist indes zu neugierig und öffnete vorher die Schachtel. Der Brummer entkommt unerkannt und Pinsch gibt dem Bauern am Ende sein Geld zurück, als der einen neuen „Flustribus“ erwerben will.

Auch in andere Orte Pommerns wie Anklam, Wolgast oder Greifswald führen die Spieckerschen Geschichten. Der Alkoholkonsum war in Pommern in der Weimarer Republik nicht nur auf dem Lande hoch. Und vom Reisen wird mehrfach abgeraten. Schon eine „Fernreise“ von Greifswald nach Pasewalk kann den Pommern belehren, nie wieder in den Zug zu steigen. Auch Onkel Pinsch reiste einmal zu einer Hochzeit nach Stettin. Dann blieb er in Piepstock und starb schließlich im Ruhestand in Misdroy, wo er sich zurück nach seinem Usedom sehnte. Info: Max Spiecker: Der alte Radloff. Humoresken und Anekdoten aus Pommern in Hoch- und Plattdeutsch herausgegeben von Regina-Maria und Günter Rösel,

ISBN 978-3-7412-8818-0, 11,99 Euro

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