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„Ich arbeite 240 Stunden im Monat“

Zinnowitz „Ich arbeite 240 Stunden im Monat“

Der Zinnowitzer Bürgermeister Peter Usemann reagiert auf die Kritik von Intendant Wolfgang Bordel

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Gehört auch zu den Aufgaben eines ehrenamtlichen Bürgermeisters: Peter Usemann (Mitte) eröffnete am Freitag das Oktoberfest in Zinnowitz am Pier 14.

Quelle: Foto: Hannes Ewert

Zinnowitz. Zu wenig Zeit und Interesse für die Kultur in Zinnowitz: Diese Vorwürfe will Peter Usemann (UWG) nicht unbeantwortet im Raum stehen lassen. Nachdem in der vergangenen Woche ein OZ-Interview mit dem Theaterintendanten Dr. Wolfgang Bordel erschien, äußert sich der Zinnowitzer Bürgermeister nun dazu.

„Ich habe es satt, dass ich ständig mit hauptamtlichen Bürgermeistern verglichen werde. Alle in dem Artikel aufgeführten Bürgermeister – sei es Barth, Anklam oder Heringsdorf – verdienen mit dem Job ihr Geld“, sagt er. Usemann übt die Arbeit seit 2014 im Ehrenamt aus. „Ich arbeite bei der Werksfeuerwehr in Lubmin 240 Stunden im Monat – das sind zehn Dienste. Hinzu kommen viele abendliche Termine wie die Gemeindevertretung, der Amtsausschuss, der Eigenbetriebsausschuss, Sitzungen des Zweckverbandes, der Gasversorgung und wöchentlich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Wenn es gut läuft, habe ich im Monat eine Handvoll Abende, die ich nach meinen Vorstellungen gestalten kann“, betont er. Hinzu kommen Termine, die Usemann gerne oder mal öfter wahrnehmen möchte. „Es gibt zahlreiche Vereine, die sich auch mal über den Besuch des Bürgermeisters freuen würden. Zum Beispiel wollte ich schon lange mal ins Bahnhofsmuseum und mir dort die Ausstellung ansehen“, sagt er.

Dass die Gemeinde Zinnowitz nicht genug für die Kulturlandschaft in dem Ostseebad macht, möchte er nicht so stehen lassen und holt einen 14 Jahre alten Gemeindevertreterbeschluss aus der Tasche.

Darin heißt es, dass der Ort pro Jahr rund 84 000 Euro in das Theater steckt, hinzu kommt der Erlass der Pachtgebühren in Höhe von rund 30 000 Euro. „Das ist schon sehr viel Unterstützung für so einen kleinen Ort wie Zinnowitz“, meint Usemann. Dieser Beschluss stammt allerdings aus der Zeit um Bürgermeister Dr. Krug, der bekanntlich sehr viel Herz für das Theater bewies.

Intendant Wolfgang Bordel betonte im OZ-Gespräch, dass die Summe seit 14 Jahren stagniert. „Die laufenden Kosten – wie zum Beispiel Strom, Wasser, Energie – steigen aber jährlich an. Hinzu kam der in der Zwischenzeit eingeführte Mindestlohn. Wenn man die Inflation dagegen rechnet, ist die Summe von damals heute gar nicht mehr so viel Wert. Von der Summe geht kein einziger Cent auf die Bühne zu den Schauspielern. Das Geld ist dazu da, um die laufenden Kosten des Theaters zu decken“, rechnet Bordel vor.

Dass ihm die Vorpommersche Landesbühne auch am Herzen liegt, zeigte Peter Usemann allerdings erst vor kurzem bei einem Besuch mit Nordamt-Leiterin Kerstin Teske in Schwerin. Dort loteten beide die Möglichkeit aus, Fördermittel für den Ort zu bekommen. „Unser Ziel ist, dass die alten Bänke ersetzt werden und dass die Schauspieler auf der Bühne eine richtige Überdachung bekommen. Die gesamte Anlage soll in einem neuen Glanz erscheinen. Dazu gehört auch der Zaun, der mittlerweile sehr alt geworden ist“, betont Usemann. Rund eine Million Euro sind für diese Investitionen nötig.

Auch bei der Neugestaltung des Ortseingangs sind kreative Ideen gefragt. „Wir wollen die Schönheit des Ortes auch am Eingang präsentieren, damit die Besucher einen Grund haben, bei uns abzubiegen. Es muss einen Wow-Effekt geben. Der jetzige Zustand ist alles andere als erfreulich“, so Usemann. Es steht nach Aussagen des Bürgermeisters nichts im Wege, auch dort das Theater und die Vineta-Festspiele zu bewerben. „Wir wollen mit Bildschirmen arbeiten, die zum Beispiel Winterbilder im Sommer zeigen. Damit locken wir auch Urlauber in den kälteren Monaten zu uns“, sagt er. Am Freitagabend wartete schon der nächste Termin auf Peter Usemann und Kurdirektorin Christine Beyer: Die Eröffnung des Oktoberfestes im Zinnowitzer „Pier14“, bevor es danach zur Ausbildung bei der Feuerwehr ging. Ein straffer Zeitplan.

Hannes Ewert

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