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Usedom „Ich arbeite gern mit anderen Menschen“
Vorpommern Usedom „Ich arbeite gern mit anderen Menschen“
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00:01 02.12.2017
Die Auftritte von Marianne Wegner in der Theatergruppe „Sinnflut“, hier als Leierkastenmann, sind legendär. Quelle: Foto: Privat
Die Verleihung

Eine Frau im Gemeindekirchenrat, noch dazu eine einfache Fischerstochter – das war noch 1976 auch in Lassan längst nicht alltäglich. Daher spürte Marianne Wegner Respekt vor der Aufgabe, weshalb sie Willi Ketel, der sie damals wegen der Übernahme des Ehrenamts ansprach, auch um Bedenkzeit bat. Schließlich jedoch willigte die gelernte Fleischfachverkäuferin ein und sollte für ihre Lassaner Kirchengemeinde zum Segen werden. Im Verlauf von vier Jahrzehnten setzte sie sich in vielfältiger Weise für die Gemeinde ein. Dafür wird ihr Propst Gerd Panknin am Sonntag das Ansgarkreuz verleihen, die höchste Auszeichnung für Ehrenamtliche der Nordkirche (Siehe Info-Kasten).

Marianne Wegner aus Lassan erhält für ihre ehrenamtliche Arbeit die höchste Ehrung der Nordkirche

Stichwort: Ansgarkreuz

soll grundsätzlich an Gemeindeglieder erfolgen, die durch großen persönlichen und ehrenamtlichen Einsatz in der kirchlichen Arbeit, vorbildliche Förderung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland und deren Dienste und Werke sowie durch beispielhaftes Eintreten für den christlichen Glauben in der Öffentlichkeit hervorgetreten sind.

(Quelle: Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland)

Marianne Wegner, Jahrgang 1940, durchlebte eine unruhige Kindheit. Geboren wurde sie in Walddievenow im ehemaligen Kreis Cammin, heute Dziwnówek in Polen. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges musste ihre Familie westwärts flüchten, wo es sie auf Umwegen schließlich 1947 nach Lassan verschlug, wo ein Verwandter wohnte. In Lassan wuchs Marianne, ebenso wie ihre beiden jüngeren Brüder, auf. „Meine Eltern waren auch gläubig, so dass wir regelmäßig zum Gottesdienst gingen“, erzählt sie. 1954 wurde Marianne Wegner von Pastor Albrecht von Lühmann in St. Johannis konfirmiert.

„Mit insgesamt 32 Konfirmanden waren wir ein starker Jahrgang, und wir ließen uns auch nicht zur Jugendweihe überreden, als man uns 100 Mark Belohnung anbot“, schildert die heute 77-Jährige.

Gern fuhr Marianne Wegner, die ledig blieb, mit Vater Franz zum Fischen auf Achterwasser und Peenestrom. „Ich hatte keine Angst, musste bei Seegang nie die Fische füttern und wenn unser Boot zu sehr schaukelte, betete ich zu Gott.“ Sie selbst lernte Fleischfachverkäuferin bei Fleischermeister Kurt Weitenhagen, der an der Schütt in Lassan ansässig war und dort auch ein kleines Geschäft hatte.

Nach dem Lehrabschluss 1960 arbeitete die Lassanerin, die für ihre Schlagfertigkeit genauso bekannt ist wie für ihre Herzlichkeit, 14 Jahre in einer Fleischerei in Eichwalde bei Berlin. Die Wochenenden verbrachte sie zu Hause, ärgerte sich aber, dass sie nicht mehr regelmäßig am kirchlichen Leben teilhaben konnte.

Mit dem Besuch Willi Ketels sollte sich dies entscheidend ändern. Mit ihrer bodenständigen und humorvollen Art bereicherte sie fortan ungezählte Sitzungen des Lassaner Gemeindekirchenrates und begleitete kritisch dessen Beschlüsse. Zeitweise fungierte sie als stellvertretende Vorsitzende, wurde 1978 und 1987 für jeweils vier Jahre in die Kreissynode entsandt und war zudem zwölf Jahre lang in der Landessynode aktiv.

„Ich arbeite gern mit anderen Menschen“, sagt die Peenestädterin, die auch regelmäßig die Straßensammlungen durchführte. „Wenn ich mit meiner roten Handtasche kam, machten manche Leute schnell die Tür zu, weil sie wussten, dass ich kassiere“, erzählt sie lachend und berichtet von listigen Strategien, mit denen sie schließlich doch zum Ziel kam. Marianne Wegner sang im Kirchenchor und wusste, wie man andere für das Mitsingen in dem Ensemble begeistern konnte. Im Laufe der Jahre erlebte sie viele Pastorenwechsel. Pastor Philipp Graffam entdeckte ihr schauspielerisches Talent, weshalb sie auch zu den sieben Gründungsmitgliedern der Lassaner Theatergruppe „Sinnflut“ zählte. Ihre Auftritte zum Beispiel als Nachtwächter, Leierkastenmann und Toilettenfrau sind legendär und ernteten tosende Beifallsstürme.

Bis heute dient sie ihrer Kirchengemeinde, indem sie unter anderem in Trauerfeiern mitwirkt. Sie öffnet die Kirchentür, überreicht Liederhefte, weist Plätze an. „Frau Wegner ist damit das erste vertraute Gesicht, das den Trauerfamilien an der Kirchentür begegnet und ihnen den Trost des Glaubens zuspricht“, konstatiert Reinhard Kuhl, der bis zum Amtsantritt von Anne Plagens als Vakanzpastor in Lassan wirkte. Auch seine Nachfolgerin lobt den Einsatz und das Naturell von Marianne Wegner: „Sie ist eine liebenswerte Person, direkt und klar, die das Herz auf dem rechten Fleck hat.“ Pastor Kuhl fasst zusammen: „Frau Wegner steht in Lassan für eine weltoffene, einladende, heimatverbundene und tröstende Kirche.“

Tom Schröter

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