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Usedom „Ideologie ist mir völlig egal“
Vorpommern Usedom „Ideologie ist mir völlig egal“
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00:00 23.03.2013

OZ: Sie haben einen schwierigen Job. Macht er Ihnen noch Spaß?

Syrbe: Ja.

OZ: Stehen Sie zu 100 Prozent hinter dem aktuellen Haushaltsentwurf mit 13 Millionen Euro neuer Einsparungen?

Syrbe: Es ist klar, dass die Einsparungen weh tun werden. Wenn man Geld, das man nicht hat, sparen muss, muss man es irgend jemandem wegnehmen. Ich denke, das wird noch eine ziemlich schwierige Diskussion. Vor allem die Einsparungen im Jugendbereich tun weh. Da wäre es mir lieber, wir könnten mehr Geld ausgeben oder die Einsparungen aus dem Bereich Hilfen zur Erziehung in die freie Jugendhilfe stecken. Aber wir können nicht.

OZ: Es gab erste Kritik von der SPD, dass die Einsparversuche nicht ausreichen, die 3 Millionen Euro vom Bund ja keine eigene Leistung wären...

Syrbe: Wir stellen nach bestem Wissen und Gewissen unseren Haushalt auf. Wenn radikales Sparen ohne schädliche Nebeneffekte so einfach wäre, dann hätten wir das längst gemacht. Das Problem ist, dass wir Bundes- und Landesaufgaben erfüllen müssen. Und zwar mit dem Geld, das wir bekommen. Dafür haben wir zwei Quellen, die Schlüsselzuweisungen und die Kreisumlage. Damit müssen wir die gesetzlichen Aufgaben erfüllen. Der Kreis ist unterfinanziert.

OZ: In der Privatwirtschaft würde es Einschnitte geben, wenn ein Unternehmen in eine derart prekäre Situation rutscht wie der Landkreis, zum Beispiel durch Lohnverzicht ...

Syrbe: Unser Ansatz als Behörde ist ein grundsätzlich anderer. Wir sind dazu da, die Gesetze umzusetzen, dafür bekommen wir Geld. Wenn wir zu wenig Geld bekommen, dann haben wir ein Problem.

Aber da können wir nicht am Personal sparen, weil ja jemand die gesetzlichen Aufgaben erfüllen muss.

OZ: Gerne wird auf Vorpommern-Rügen verwiesen. Der Nachbarkreis kommt mit weniger Personal je Einwohner aus. Ist da nicht doch Einsparpotenzial?

Syrbe: Wir bewegen uns mit unserem Personal im Vergleich zu anderen Kreisen im Mittelfeld. Das ist aber nicht so leicht zu vergleichen, weil jeder Kreis anders strukturiert ist. In einem gehört die Straßenmeisterei mit Personal zum Kreis, andere haben die Aufgabe abgegeben, damit kein Personal für den Bereich. Das Gleiche gilt für die Abfallwirtschaft.

OZ: Kostenfaktor Verwaltungsstandorte ...

Syrbe: Eine Arbeitsgruppe analysiert derzeit die Kosten für die Standorte. Bis zum Sommer sollen Ergebnisse vorliegen, welche Variante wie teuer wäre. Es ist ziemlich schwierig, bei 1100 Mitarbeitern alle Daten zu sammeln. Vor der Kreisgebietsreform hatten wir das bereits grob geschätzt und die Kosten errechnen lassen. Dafür, dass alle drei Verwaltungsstandorte erhalten bleiben, dass in Anklam, Greifswald oder Pasewalk zentralisiert wird. Wir hatten damals ermittelt, dass es die billigste Variante ist, alles so zu lassen, wie es ist. Die Zweitgünstigste war, alles in Anklam zusammenzuziehen, dann kam Greifswald. Pasewalk war die teuerste Variante. Man muss bedenken, dass ja nicht nur die Fahrtkosten für Mitarbeiter entstehen. Wenn ein Kollege von Greifswald nach Penkun fährt, um sich anzugucken, welche Bäume da an der Straße gefällt werden müssen, ist er den ganzen Tag unterwegs und kann keine anderen Arbeiten erledigen, höchstens das eine oder andere Telefonat führen. Wir haben uns deswegen dafür entschieden, dass die Amtsleiter fahren.

OZ: Bei den Verwaltungsstandorten zu sparen, gehört zum Kernkonzept der Kreisgebietsreform. Gibt es Gespräche mit anderen Landräten über deren Erfahrungen?

Syrbe: Ja. Die Erfahrungen sind ganz unterschiedlich. Die Schwierigkeit bei uns ist, dass wir kein Kreis im eigentlichen preußischen Sinne sind. In der Mitte ist das Zentrum, nämlich die Kreisstadt, und alle Straßen führen nach Rom und dann gibt es Ringstraßen drumherum. So ist Anklam mal konzipiert worden. Vorpommern-Greifswald hat die Form einer Banane. Das ist eine besondere Herausforderung. Deswegen muss man jedes Mal genau gucken und rechnen. Jeder Amtsleiter sagt: 'Ich könnte effektiver arbeiten, wenn ich alle Mitarbeiter hier vor Ort hätte'. Dann muss ich immer wieder sagen: 'Das glaube ich euch gerne, aber es ist nunmal nicht so.'

OZ: Man hatte manchmal das Gefühl, dass Kreistag und Verwaltung aneinander vorbeireden. Hat sich das mittlerweile eingeschliffen?

Syrbe: Das waren politische Interessen, die da nach der Wahl bedient werden mussten. Für mich aus dem ehemaligen Ostvorpommern ist das sehr ungewohnt, weil wir dort in den letzten drei Jahren ein Klima hatten, das von Zusammenarbeit und Zuhören geprägt war. Arthur König (OB Greifswald) hat mir schon gesagt, dass das mit den Greifswaldern schlecht geht. Ich will das Problem aber nicht auf die Greifswalder schieben. Jeder muss in diesem riesigen Kreis die Interessen seiner Wählerschaft bedenken. Da sind auch die Bürgermeister aus Uecker-Randow, die starke Persönlichkeiten sind, das geht über alle Fraktionen. Die Abgeordneten finden sich mit ihren Interessen und Problemen nicht so im Kreis wieder, wie sie sich das wünschen. Im Kreistag entscheiden andere mit. Zum Beispiel beim ÖPNV, bei Jugendklubs oder im Sport kommen dann andere Ergebnisse heraus. Das muss man lernen zu akzeptieren. Wir sind oft nur der Prellbock dazwischen. Mir sagen alle Kollegen, dass das ziemlich schwierig ist, egal wo die ehemals kreisfreien Städte mit im Kreistag sitzen. Wenn ich mir was wünschen darf, weil ja Ostern ist, dann wünsche ich mir, dass man nicht von vorneherein davon ausgeht, dass jemand etwas Böses will oder etwas verheimlichen. Es wäre schön, wenn alle ein bisschen mehr Verständnis füreinander aufbringen würden.

OZ: Als Landrätin sind Sie derzeit oft in einer Funktion, in der Sie Dinge durchsetzen, die den Zielen Ihrer Partei widersprechen. Zum Beispiel müssen Sie als Verwaltungschefin den Posten für einen Sparberater schaffen, den die Fraktion der Linken komplett ablehnt...

Syrbe: Also ich bin auch nicht für den Sparberater. Wir haben um Beratung gebeten, aber nicht um einen Beauftragten. Wir können das alleine.

OZ: Ist es nicht schwierig, als Verwaltungschefin etwas durchzusetzen, von dem Sie selbst nicht überzeugt sind?

Syrbe: Der Sparberater kommt, und ich werde mit ihm zusammenarbeiten. So ist das Leben. Ich muss ja auch Gesetze durchsetzen, mit denen ich nicht einverstanden bin. Hartz IV zum Beispiel, da sage ich mir, wenn wir schon Hartz IV machen müssen, dann so gut es geht. Bei der Kreisgebietsreform ist das jetzt so ähnlich. Ich finde sie nicht in Ordnung, trotzdem muss ich sie umsetzen. Und trotzdem habe ich mich auch zur Landratswahl gestellt. Wenn es schon so kommt, dann will ich meine Überzeugungen wenigstens einbringen. Dazu gehört auch, dass es meiner Meinung nach besser ist, wenn es drei Verwaltungsstandorte gibt, wir den Leuten Ansprechpartner nicht wegnehmen.

OZ: Macht man da auch ein stückweit eine Wandlung durch von einer politischen Ideologie hin zu pragmatischem Handeln?

Syrbe: Ideologie ist mir völlig egal. Ich lebe nach einem Grundmuster. Ich mache, das was ich mache, für die Menschen. Es gibt den schönen Spruch 'Spare in der Zeit, dann hast du immer Not'.

Ich habe eine Verantwortung für die Menschen, die jetzt leben, denn die haben mich gewählt. Und für deren Kinder. Wir können nicht heute alles Geld verprassen, weil die Zukunft uns egal ist. Wir können aber auf der anderen Seite auch nicht heute nur darben, damit das in der Zukunft vielleicht nicht passiert. Die Zukunft wird ihre Probleme haben und ihre Lösungen finden müssen.

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