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Immer mehr Kinder sind zuckerkrank

Greifswald Immer mehr Kinder sind zuckerkrank

In Greifswald stellten Ärzte erstmals einen Aktionstag für Betroffene und ihre Angehörigen auf die Beine

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Am Stand von Sabine Schmidt machte die achtjährige Inga (links) den Zuckertest. Begleitet wurde sie von Freundin Lieselotte.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Eine bunte Schar Zuhörer strömte am Samstagvormittag in den Hörsaal Nord der Unimedizin Greifswald: Kinder, Jugendliche, Eltern, Großeltern und andere Interessierte. Der erste Diabetestag, organisiert von Diabetesspezialisten der Unimedizin Greifswald und des Klinikums Karlsburg, fand großen Zuspruch.

Anke Schliereke war mit ihrer Tochter Josie (13) und den Großeltern aus Grimmen angereist. „Als wir vor 12 Jahren für Josie die Diagnose Diabetes erhielten, war das ein Schock“, erinnerte sich Anke Schliereke. Inzwischen habe die gesamte Familie gelernt, mit der chronischen Erkrankung umzugehen. Zur Veranstaltung waren sie gekommen, um sich über die neueste Diabetes-Technik zu informieren und mit anderen Betroffenen in Erfahrungsaustausch zu treten.

Rund 25000 Kinder leiden in Deutschland unter Typ-1-Diabetes. Die Zahl der Menschen mit dieser Autoimmunerkrankung, bei der der Körper das Hormon Insulin nicht mehr produziert, steigt ständig an, ohne dass die Wissenschaft dafür eine Erklärung hätte, sagte Dr. Carmen Schröder von der Unimedizin Greifswald. Kinder und Jugendliche, die von Typ-1-Diabetes betroffen sind, müssen ihrem Körper ein Leben lang Insulin zuführen. Schröder betonte, dass ein gut eingestellter normnaher Blutzucker bei Kindern und Jugendlichen sehr wichtig ist, um ihnen für die Zukunft eine hohe Lebensqualität zu ermöglichen. In ihrem Vortrag erläuterte sie, welche Auswirkungen Stress und Bewegung auf den Blutzucker besitzen. Vor dem Hörsaal waren zahlreiche Informationsstände aufgebaut, die Wissenswertes über Ernährung und Therapietechnik vermittelten. Für Kinder gab es lehrreiche und zugleich unterhaltende Mitmachaktionen. „Packe in die Brotdose, was Dir bei einer Unterzuckerung hilft“, forderte Diätassistentin Anne Kmetec vom Klinikum Karlsburg den Jonas Steinhöfel (9) aus der Nähe von Grimmen auf. Schnell hatte der Junge, der seit vier Jahren eine Diabetespumpe trägt, Traubenzucker, Schokoriegel und ein süßes Getränk in der Dose zum Mitnehmen verstaut. Mutter Adriane Steinhöfel ist sehr zufrieden, wie er die Erkrankung meistert. Sie würde sich allerdings wünschen, wenn in Kindereinrichtungen, Schulen und Sportvereinen mehr Verständnis für Diabeteskinder aufgebracht und mehr Verantwortung übernommen würde. Kinder mit Diabetes sollten ganz normal am Leben teilnehmen können, sagte sie. Derzeit seien Eltern oft auf sich allein gestellt oder müssten Pflegedienste beschäftigen.

Auf dem Vorplatz des Klinikgebäudes lud am Samstag ein Parkour die Kinder zum Sporttreiben ein. Josef (10) und seine Schwester Luise (7) liefen zunächst ein paar Runden um bunte Kegel und bewiesen im Anschluss ihre Geschicklichkeit mit Bällen. „Josef hat erst seit zwei Monaten Diabetes“, erzählten die Eltern Cathleen und Michael Scharf aus Greifswald. Sie seien von der Erkrankung vollkommen überrascht worden. Plötzlich habe ihr Sohn ständig riesigen Durst verspürt und nachts mehrfach die Toilette aufsuchen müssen.

Von Anette Pröber

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