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Immer mehr Menschen im Kreis brauchen Hilfe

Greifswald Immer mehr Menschen im Kreis brauchen Hilfe

Erster Sozialbericht deckt Entwicklungen auf und regt zum Handeln an

Greifswald. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist die Zahl jener Menschen, die Hilfe zum Lebensunterhalt bekommen, weiter gestiegen. Empfingen 2012 noch 1551 Personen diese Unterstützung, waren es 2015 bereits 1792. Das entspricht einer Steigerung von 15,5 Prozent und damit annähernd dem Landesdurchschnitt.

Diese Zahlen gehen aus dem ersten umfassenden Sozialbericht des Landkreises hervor, den die Stabstelle Integrierte Sozialplanung erarbeitete. Er gibt einen Überblick über die soziale Lage im Kreis und zeigt wesentliche Entwicklungen in den vergangenen drei bis fünf Jahren auf. „Damit können wir aktuelle und potentielle Problemlagen erkennen und haben ein Planungsinstrument in der Hand, um Handlungsfelder abzuleiten und auf den speziellen Bedarf zu reagieren“, sagt Kreissozialdezernent Dirk Scheer (parteilos). Das 276-seitige Dokument ermögliche zugleich einen Vergleich mit anderen Kommunen. „Das zeigt uns, wo genau wir stehen und in welchen Bereichen wir aktiv werden müssen“, sagt der Vizelandrat.

Die Entwicklung im gesamten Bereich der Sozialhilfe sei dafür ein gutes Beispiel. In diesem Sektor habe nicht nur die Zahl der Hilfeempfänger zugenommen. Auch die Anzahl der sogenannten Bedarfsgemeinschaften stieg in den Jahren immer weiter an. Eine spürbare Folge waren erhöhte Ausgaben des Landkreises für Kosten der Unterkunft. Im Durchschnitt erhielt eine Personengemeinschaft in Vorpommern-Greifswald im Jahr 2015 700 Euro Zuschuss, davon knapp 300 Euro für Unterkunft und Heizung. Diese Ausgaben summieren sich und fallen nicht zuletzt anderen Ausgabebereichen wie Bildung oder Sportförderung auf die Füße. Um gegenzusteuern, haben Verwaltungsmitarbeiter schon vor längerer Zeit nach Wegen zur Lösung des Problems gesucht. Dazu zählt beispielsweise die Einführung der Erst- und Auswegberatung für Hartz IV-Empfänger. Sie führte zu einem Rückgang der Bedarfsgemeinschaften und in der Folge zur Reduzierung der ausgezahlten Hilfen. Ganz konkret: Ende 2016 sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Kreis auf 15360 mit 27460 Personen. Fünf Jahre zuvor waren es noch 20006 Bedarfsgemeinschaften mit 35225 Betroffenen. Das entspricht einem Rückgang um etwa 22 Prozent. Zum Vergleich: Im Kreis Vorpommern-Rügen sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften innerhalb von fünf Jahren lediglich um 15 Prozent.

Sozialdezernent Dirk Scheer baut darauf, dass der vorliegende Sozialbericht nicht nur den Verwaltungsmitarbeitern als Arbeitsinstrument dient, sondern auch die Kommunalpolitiker ihre Schlüsse aus den Zahlen ziehen. Ein Beispiel sei das Thema Schulsozialarbeiter. „Wenn wir verhindern wollen, dass die Zahl der Schulabbrecher steigt und damit später auch die Zahl derjenigen Menschen, die über Jahre oder Jahrzehnte Sozialleistungen in Anspruch nehmen, brauchen wir Schulsozialarbeiter. Investieren wir nicht in diesem Bereich, werden wir es in ein paar Jahren bei den Ausgaben zu spüren bekommen“, verdeutlicht Scheer.

Ein anderes Beispiel sei der Nahverkehr. „Wenn wir wollen, dass junge Familien wieder verstärkt aufs Land ziehen, müssen wir die ländlichen Räume attraktiv gestalten. Dazu gehört auch ein guter Nahverkehr. Doch der kostet Geld“, erklärt der Vizelandrat. Das allein könne der Kreis nicht wuppen. „Deshalb sehe ich hier auch ganz stark unser Land in der Verantwortung“, betont Scheer.

Petra Hase

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