Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom In Zinnowitz kreischen die Kettensägen
Vorpommern Usedom In Zinnowitz kreischen die Kettensägen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 18.05.2017

Tausende Autos werden um sein Kunstwerk fahren. Der 3,50 Meter hohe Ankerplatz aus Eichenholz ist für die Mitte des Kreisverkehrs in der Neuen Strandstraße/Ecke Waldstraße bestimmt. Das Segelboot auf der Spitze der hölzernen Skulptur hat Robby Schubert bereits fertig. „Das ist ein Auftragswerk“, sagt der Holzbildhauer aus Lößnitz (Erzgebirge) im typischen Arzgebirgisch. Die Mundart dominiert im Zinnowitzer Kulturhauspark, wo neben Schubert weitere Holzbildhauer zu Werke gehen. Sie alle kennen sich, stammen von derselben Künstlergruppe und arbeiten an Skulpturen. „Für Zinnowitz ist unser Symposium mittlerweile ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Detlef Jehn aus Aue, Mitbegründer der Woche der kreischenden Kettensägen.

Kerstin Vicent bei der Arbeit mit der Kettensäge. Zur Ruine im Hintergrund meint die Holzbildhauerin: „Man sollte sie Kult-Urhaus nennen.“ Quelle: Foto: Henrik Nitzsche

„Ich habe im Urlaub ein Foto von der Promenade gemacht und der Kurverwaltung ein Angebot unterbreitet“, sagt Jehn zur Geburt des Events. Seine Künstlergruppe hat „in den vergangenen 15 Jahren von der Ostseeküste bis zum Bodensee rund 600 Großskulpturen gefertigt. Für Zinnowitz hat Jehn ein dickes Buch mit verschiedenen Ideen dabei.

Auch Kerstin Vicent aus Berlin weiß, was sie will. „Ich werde vier verschiedene Figuren fertigen, die farblich unterschiedlich sind. Das werden humorvolle Typen“, verspricht die 55-Jährige. Sie liebt die Nähe zum Publikum auf der Wiese vor dem Kulturhaus. „Man kommt viel ins Gespräch. Ich fühle mich hier nicht wie der Affe im Zoo“, sagt die Architektin, die inzwischen hauptberuflich Holzbildhauerin ist. Warum sie der Architektur den Rücken gekehrt hat, erklärt sie so: „Das war drei Prozent Kreativität, der Rest war Organisation. Mit der Holzbildhauerei bin ich bei 80 Prozent Kreativität.“ Vicents Arbeiten sind gekennzeichnet von wenigen Details, die aber viel ausdrücken. „Mich faszinieren korrespondierende Flächen und Linien, die eine Sache ohne weitere Ablenkung auf den Punkt bringen.“ Vicent genießt das Symposium, bei dem sie auf Kollegen trifft und sich das eine oder andere abschauen kann. „Umgedreht ist es natürlich genauso.“

Während die Berlinerin an der ersten Figur sägt, entsteht hinter ihr eine weiteres Kunstwerk für einen Kreisverkehr in Zinnowitz – eine Skulptur, die eine Buhne zeigt, auf der viele Möwen fliegen.

Sie soll im Kreisel Möskenweg/Neue Strandstraße aufgestellt werden.

Viele der hölzernen Kunstwerke prägen bereits das Zinnowitzer Ortsbild. Auf der Promenade gibt es den „Garten der Sinne“, der Jahr für Jahr erweitert wurde. Auf dem Campingplatz „Pommernland“ steht auf dem Kinderspielplatz ein rotes Krokodil aus Holz von Kerstin Vicent. Der Chef des Campingplatzes war so begeistert, dass er es gekauft hat.

Henrik Nitzsche

Mehr zum Thema

Sowas gab es noch nie: Deutschland darf sich auf der Kunst-Biennale in Venedig doppelt freuen. Sowohl der Pavillon von Anne Imhof als auch der Künstler Franz Erhard Walther werden ausgezeichnet.

13.05.2017

Deutschland kann sich auf der Kunst-Biennale in Venedig doppelt feiern. Sowohl der Pavillon von Anne Imhof als auch der Künstler Franz Erhard Walther holen den wichtigsten Preis - mit zwei ganz unterschiedlichen Werken.

14.05.2017

Jedes Jahr im Sommer treffen sich Maler aus Polen und Deutschland in dem kleinen Grenzdorf

17.05.2017

Das Forum Pomerania lädt morgen Abend ins Wasserschloss Mellenthin ein

18.05.2017

Insolvenz durch Tarifeinigung abgewendet / Die Kosten tragen die Gesellschafter

18.05.2017

Die Gemeinde Koserow und das Hotelteam verwandeln das Areal in ein Kinderparadies

18.05.2017
Anzeige