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Usedom In der Region geht die Angst um: Diebe steigen immer häufiger in Wohnhäuser und Geschäfte ein
Vorpommern Usedom In der Region geht die Angst um: Diebe steigen immer häufiger in Wohnhäuser und Geschäfte ein
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00:00 18.04.2013
Henry Werner zieht die Glassplitter aus der T�r. Quelle: Henrik Nitzsche
Insel Usedom

Die Polizei stellte drei Tatverdächtige. Die Höhe des Schadens ist noch nicht bekannt.

Einbrecher machen sich in der Region derzeit häufig ans Werk, steigen in Wohnhäuser, Keller und Geschäftsräume ein. Anwohner fühlen sich machtlos. So wie Henry Werner aus Ahlbeck, der es kaum glauben konnte, was er am 21. März sah, als er von der Arbeit kam. Sein Zuhause — ein Trümmerfeld. Am helllichten Tag stiegen der oder die Gauner bei ihm ein, stahlen Schmuck, Geld, einen Fotoapparat.

„Alles, was in eine Hosentasche passt“, sagt er. Sein Kühlschrank wurde geplündert; Tomaten, Brot und Wurst lagen auf dem Boden verstreut. Sogar Blut klebte am weißen Lederbett. „Einer von denen muss verletzt gewesen sein“, sagt der Ahlbecker, der einen Hausmeisterservice betreibt. Die Ermittlungen dazu laufen.

Vielleicht stammen die Blutspuren von der brachialen Gewalt, mit der sich die Täter Zugang zum Wohnraum verschafften. Vier Türen sind kaputt, Scheiben zerschlagen und sogar eine Wand wurde eingetreten. „Ich kann kaum glauben, mit welcher Brutalität vorgegangen wurde“, sagt er. Sie demolierten die Klingel, kamen durch den Keller ins Haus. Seine Mutter, die ebenfalls im Haus wohnt, war verreist und hatte alles abgeschlossen. „Sie haben alle Schränke durchwühlt und sind dann in meine Wohnung.“ Besonders bitter: Henry Werner arbeitete zur selben Zeit ganz in der Nähe. 3000 Euro kosten allein die Reparaturen. Hinzu kommt der Ärger mit der Versicherung, die den Schmuck nicht vollständig ersetzen will.

Noch am selben Tag gab es einen weiteren Einbruch in der Nachbarschaft, bei einem Haus blieb es nur beim Versuch. „Wir erleben immer wieder im Frühjahr und Herbst einen erheblichen Anstieg von Einbrüchen“, sagt Polizeisprecherin Ortrun Schwarz. Die Unterschiede bei der Vorgehensweise und den ausgeraubten Objekten sprechen aus ihrer Sicht aber nicht für Aktivitäten einer Bande. „Hier sind Einzeltäter am Werk, die teilweise sehr gute Ortskenntnisse haben. Wichtig ist, dass Eigentümer nach einem Einbruch am Tatort nichts anfassen und die Räume nicht betreten. Das erschwert die Auswertung der Spuren.“

Auf jedes Geräusch reagiert Edmund Kracht aus Heringsdorf jetzt viel sensibler. Anfang April stiegen auch bei dem 82-Jährigen Einbrecher ins Haus. „Gefühlt haben die Fälle zugenommen. Die Unsicherheit steigt, anderen in meinem Alter geht es genauso“, sagt er. „Dabei gibt es bei mir nichts zu holen. Geld lagert man doch schon lange nicht mehr im Haus.“ Er kritisiert den Umgang mit den Straftaten. Viele Fälle können nicht geklärt werden. Aber wenn man die Täter habe, sei die Bestrafung zu gering. „In unseren Gefängnissen leben Kriminelle wie in Hotels. Früher mussten sie im Steinbruch arbeiten“, sagt er mit einem Augenzwinkern. In seinem Hinterhof jedenfalls hat er Bewegungsmelder angebracht. Damit wenigstens das Licht angeht. „Irgendwie muss man sich ja schützen“, sagt Edmund Kracht.

Viele schaffen sich dafür auch eine Alarmanlage an, weiß Roland Hardtke. Der Chef der Firma Haustechnik Ahlbeck verkauft seit mehreren Jahren Alarmanlagen. „Besonders gut ist der Absatz in den Kaiserbädern. In diesem Jahr habe ich schon mehrere installiert“, so der 55-Jährige. Immer häufiger werde er gebeten, zu einem Beratungsgespräch in die Häuser zu kommen.

Aufgerüstet hat auch Gert Griehl, der auf Usedom mehrere Textilgeschäfte besitzt. Vor zwei Jahren, erzählt er, gab es schon mal eine akute Einbruchswelle. „Jeden Tag wurden Häuser aufgebrochen.“ Da hat er Alarmanlagen einbauen lassen, mit 4000 Euro pro Geschäft. „Für zehn Geschäfte war das ein riesen Investment.“ Seitdem ist er jedoch von Dieben verschont geblieben.

Die Spur der Verwüstung
21. März: Zwei Einbrüche und einen versuchten Einbruch gab es in Wohnungen in Ahlbeck.

22. März: Einbruch in ein Einfamilienhaus in der Niederstraße in Karlshagen.

23. März: Mehrere Flachbildfernsehgeräte wollten Einbrecher in Ahlbeck im Friedrich-Ebert-Ring stehlen.

25. März: In Trassenheide kommt es zu einem Einbruch in ein Wohnhaus im Mölschower Weg. Der Sachschaden liegt bei rund 1000 Euro.

6. bis 8. April: Die Polizei meldet einen Einbruch in das Büro der Theaterakademie Zinnowitz. Bargeld und technische Geräte wurden entwendet.

An diesem Wochenende brachen ein oder mehrere Täter auch in die Zinnowitzer Sportschule ein. Aus einem Stahlschrank wurde Geld gestohlen. Schaden: 1500 Euro. Zudem drangen Täter in ein Wohnhaus in der Maxim-Gorki-Straße in Heringsdorf ein und räumten ein Vereinshaus in Anklam aus.

9. April: Wieder wird der Mölschower Weg in Trassenheide heimgesucht: Aus einem Haus werden elektronische Geräte gestohlen. Der Schaden beträgt 2800 Euro.

11. April: In Hanshagen dringen Täter in ein Wohnhaus ein und überfallen eine Familie.

12. April: Drei Einbrüche in Einfamilienhäusern im Trassenheider Weg in Zinnowitz. In Pudagla und Mölschow misslingen Einbrüche.

13./14. April: Diebe brechen in einer Apotheke in Züssow ein, entwenden Bargeld und Schmerzmittel. Schaden: 1500 Euro. Acht Einbrüche sind auf der Insel Usedom zu verzeichnen. Darunter war auch ein Clubraum eines Sportvereins in Bansin, Schaden: 1000 Euro. Beschädigt wurde auch ein Geschäft auf der Strandpromenade Karlshagen, ein Bäcker in Bansin und ein Wohnhaus in Kamminke. In Heringsdorf wurden Räume der Klinik im Setheweg durchwühlt.

17. April: Besitzer von sechs Lauben in Wolgast bemerken aufgebrochene Türen.

Irene Burow und Henrik Nitzsche

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