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Initiative sammelt Protest-Unterschriften

Welzin/Usedom Initiative sammelt Protest-Unterschriften

Planungsbeschlüsse zur erweiterten Biogasproduktion in Welzin stehen auf der Usedomer Agenda

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Mitglieder des Initiativkreises (v.l.n.r.): Karl Sundmacher und Kristin Kreiseler (Rankwitz), Falko Beitz (Stolpe), Ulrike Hoffmann und Wolfgang Baumann (beide Reestow).

Quelle: privat

Welzin/Usedom. Vor den vermeintlichen Folgen einer erhöhten Biogasproduktion in Welzin, Stadt Usedom, warnt die Bürgerinitiative. Erst dieser Tage hat sie dazu eine Unterschriftenaktion gestartet. Der Hintergrund: Über die Erweiterung der Kapazitäten der bereits bestehenden Biogasproduktion soll nunmehr bereits am kommenden Mittwoch, dem 6. April, während der Sitzung der Usedomer Stadtvertreter entschieden werden. Der Initiativkreis „Für den Erhalt der Kulturlandschaft im Usedomer Achterland“, bestehend aus Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinden Stolpe, Mellenthin, Rankwitz und der Stadt Usedom, hat daher eine Unterschriftensammlung begonnen, mit der die Volksvertreter der Inselstadt aufgefordert werden sollen, bei ihrer Entscheidung Verantwortung für das gesamte Usedomer Hinterland zu übernehmen — und gegen die angestrebte Erweiterung zu votieren.

 

OZ-Bild

Ich rechne damit, dass die Abstimmung noch einmal verschoben wird.“Günther Jikeli (SPD)

Quelle:

Denn die Ausdehnung des intensiven Energiepflanzenanbaus von 250 auf 600 Hektar betreffe nicht nur die Stadt Usedom mit ihren umliegenden Orten (besonders natürlich Welzin), sondern durch die weiträumige Verteilung der Anbauflächen auch die benachbarten Dörfer. Die Initiatoren weisen auf die zunehmend schädigenden Auswirkungen auf die Natur und das Landschaftsbild hin: „Damit steht die Anlagenerweiterung in krassem Gegensatz zu dem wichtigsten ökonomischen Hoffnungsträger des Usedomer Achterlands, dem ,sanften‘ Tourismus in intakter Umwelt“, heißt es in einer Stellungnahme des Initiativkreises von dieser Woche.

Ausgedehnte Monokulturen und fehlender Fruchtwechsel mit ihren typischen Begleitern Überdüngung, Boden- und Grundwasserschädigung würden mittel- und langfristig das touristisch wichtigste Alleinstellungsmerkmal des Achterlandes, seine ökologisch besonders wertvollen Land- und Wasserflächen, zerstören“, so eine weitere grundsätzliche Aussage der Gegner des Vorhabens.

Auch die Stadt Usedom verweise in ihrem Marketing auf die idyllische Landschaft im Naturpark Usedom. Die Ausdehnung der Biogasproduktion laufe dessen Zielsetzungen und Bemühungen jedoch zuwider.

Bereits heute befänden sich Peenestrom und Achterwasser aufgrund der Nährstoffeinträge aus intensiver Landwirtschaft in einem ökologisch schlechten Zustand, der Wassersport, Badequalität und Fischerei gefährde, so Ulrike Hoffmann aus Reestow. Des Weiteren weist die Initiatorin darauf hin, dass der Transport mit schwersten Fahrzeugen stattfinde. Gearbeitet werde im Akkord — Verkehrsgefährdungen während der Erntezeit seien wegen überhöhter Geschwindigkeit, vor allem innerorts, häufig. Ein beschleunigter Verschleiß der Straßen sei bereits zu beobachten und wäre bei Erweiterung in noch größerem Ausmaß zu erwarten. Betrachte man das Für und Wider der Erhöhung der Biogasanlage, stünden dem vermeintlichen privatwirtschaftlichen Nutzen der Erweiterung unverhältnismäßig hohe Kosten für die Allgemeinheit gegenüber. „Die Stadtvertreter müssen sich der Verantwortung stellen, dass ihre Entscheidung Lebensräume und Wirtschaft in Regionen betrifft, die weit über die Stadt Usedom hinausgehen“, finden Hoffmann und ihre Mitstreiter.

Günther Jikeli, Usedomer Stadtvertreter (Fraktion SPD/Linke), gibt sich überzeugt, dass die für den 6. April per Tagesordnung vorgesehenen Abstimmungen in Sachen Biogasanlage „noch einmal vertagt werden.“ Einen entsprechenden Antrag habe er gestellt. Diese Position hält der Sozialdemokrat für mehrheitsfähig. Zwar wolle die von ihm vor etlichen Wochen eingeschaltete Staatsanwaltschaft, ohne sich vor Ort umgesehen zu haben, den Betrugsvorwurf nicht länger verfolgen, doch Jikeli und sein Anwalt haben sofort Widerspruch eingelegt. Für sie ist die Annahme, dass bereits längst Erdgas in größeren Mengen produziert worden ist, nicht widerlegt. Jikeli: „Das zuständige staatliche Amt prüft außerdem noch die vom Betreiber erst spät eingereichten Unterlagen.“ Und erst danach solle es laut Absprache eine Information der Stadtvertreter geben.

Einwohner des Hinterlandes können noch bis Dienstag, den 5. April, gegen die Erhöhung der Biogasproduktion in Welzin unterschreiben. Die Unterschriften werden den Stadtvertretern vor der für den 6. April anberaumten Entscheidung übergeben. Listen liegen in Geschäften der Gemeinden Usedom, Rankwitz, Mellenthin und Stolpe aus.

Von Steffen Adler

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