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Insel-Genossen erinnern an Usedoms Sozialdemokraten in schwerer Zeit

Usedom Insel-Genossen erinnern an Usedoms Sozialdemokraten in schwerer Zeit

Diskussion mit Historiker zum Jahrestag der Zwangsvereinigung von SPD und KPD

Usedom. Zum Auftakt der Veranstaltung im Pfarrhaus erinnerte Gastgeber, Pfarrer Schultze, daran, dass die politische Arbeit zur Wendezeit maßgeblich durch Kirchenmitglieder geprägt wurde. Heute hätten indes Bürger und Parteien eine große Bedeutung für die Gesellschaft.

Günther Jikeli (71) führte in die Usedomer Stadtgeschichte der Nachkriegszeit ein und stellte die damalige SPD-Gruppe vor: Franz Schmiedeberg, Richard Peise, Erich Keller, Albert Winterfeldt — deren Kinder und Enkel waren im Publikum. Er beschrieb die besonderen Schwierigkeiten dieser Zeit: Verdoppelung der Bevölkerungszahl durch die Flüchtlinge, Ernährungsprobleme, Mangel an Produktionsmitteln durch Reparationsleistungen. Der Usedomer Elektriker Uwe Keller (Jahrgang 1943) berichtete von seinem Vater Erich Keller, Verwaltungsangestellter in Usedom, und der Fischer Werner Winterfeldt (Jahrgang 1935) von seinem Vater, dem Fischhändler Albert Winterfeldt. Detlef Winterfeldt ist SPD- Stadtvertreter, schreibt damit die Geschichte weiter.

Die fesselnden Berichte wurden durch Erinnerungen ergänzt. „Es gilt die Geschichte zu bewahren, auch hier bei uns zu Hause“, sagte Falko Beitz, Vize-SPD-Insel-Chef. „Gerade diese authentische Beziehung macht unsere Tradition so lebendig und erfüllt uns mit Stolz auf unsere Vorkämpfer.“

Der Historiker Christoph Wunnicke (Friedrich-Ebert-Stiftung) erinnerte an die Neuordnung der Gesellschaft nach dem Zusammenbruch der Nazi-Herrschaft. Großgrundbesitz sollte zerschlagen werden für eine gerechtere Verteilung der Güter. Im Unterschied zu den Sozialdemokraten wollten die Kommunisten die Enteignungen mit Hilfe der Besatzungsmacht durchsetzen. Die SPD-Genossen wollten einen demokratischen, rechtsstaatlichen Weg gehen, mit Abstimmungen und Vermögensausgleich bzw. Entschädigungen. Die Mehrheit der Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern war für diesen Weg. Das erklärt den starken Zulauf von 80000 Bürgern zur SPD-Mitgliedschaft in MV. Als die Kommunisten merkten, dass sie unterlegen waren, hätten sie den Weg der Vereinigung beider Parteien gewählt. Nur 20 % der SPD-Mitglieder gingen nicht in die SED; einmal weil sie keine anderen Chancen gegenüber der Besatzungsmacht sahen, zum anderen weil sie die alten Fehler der Spaltung nicht wiederholen wollten.

Von fm

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