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Akteure tauschen Gedanken aus und benennen Probleme

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Jetzt geht es darum, die Ehrenamtler zu halten und zu stützen, denn sie sind wichtig, damit die Integration gelingt.Jessica Barth, Mitarbeiterin in der Mole und aktiv in der AG Frauen

Greifswald. Über 4600 Flüchtlinge kamen in den vergangenen zwei Jahren nach Vorpommern-Greifswald. Sie erhielten ein Dach über den Kopf, wurden versorgt, bei Behördengängen begleitet.

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Akteure tauschen Gedanken aus und benennen Probleme

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Viele begannen einen Sprachkurs, manche eine Ausbildung. Doch die vielbeschworene Integration ist damit noch lange nicht erledigt. Im Gegenteil. „Unser Ziel ist es, die Menschen so schnell wie möglich in den Arbeitsmarkt, in unsere Gesellschaft einzubeziehen“, sagt Kreissozialdezernent Dirk Scheer und verweist darauf, dass dies auch in Zukunft nur mit einer Vielzahl von ehrenamtlich Engagierten gelingen könne.

Ein kleiner Teil von ihnen traf sich gestern zum Gespräch mit den Verwaltungsspitzen von Stadt und Kreis. Anlass war eigentlich der Besuch des Bundespräsidenten. Doch Gauck war erkrankt, hatte den Besuch kurzfristig abgesagt (die OZ berichtete).

Die Runde fand trotzdem statt. Denn das Thema des Treffens ist so brisant wie tagesaktuell: Es geht um das Integrationskonzept des Kreises, an dem seit gut einem Jahr weit über 100 Menschen in 14 Arbeitsgruppen mitwirken. Ende April sollen die Ergebnisse zusammengetragen werden. „Solch ein Prozess läuft nicht ohne Probleme ab“, sagt Eric Wallis, Leiter des Regionalzentrums für demokratische Kultur Vorpommern-Greifswald (RAA).

Besonders am Anfang habe es viel Misstrauen gegeben: zwischen Haupt- und Ehrenamtlern, zwischen Vereinen mit konkurrierenden Angeboten. Und alle zusammen sollten sie nun über einen langen Zeitraum an einem tragfähigen Konzept arbeiten, das als Wegweiser, als Fahrplan für die Integration dienen soll?

„Ich war anfangs sehr skeptisch“, räumt Gamal Khalil ein. Der Greifswalder ist Vizevorsitzender des Integrationsvereins „Integ“ sowie Mitglied jener AG, die sich um Sprachförderung der Flüchtlinge kümmert. Doch auch nach 13 Monaten gemeinsamer Arbeit hielten noch immer alle Mitstreiter die Stange. „Allerdings“, so Khalil, „tun wir uns schwer mit den Schnittstellen von Haupt- und Ehrenamtlichen. Die Arbeit der Hauptamtlichen ist genau geregelt. Ehrenamtler ticken aber anders, sie wollen sich in kein Korsett zwängen lassen.“ Damit Konflikte gar nicht erst entstünden, sei es wichtig, „sich öfter zu treffen. Auch nach dem Vorliegen des Integrationskonzeptes.“

Jessica Barth, Koordinatorin der Begegnungsstätte „Mole“ in Schönwalde I und Mitglied der AG Frauen, hebt die „hohe Flexibilität Ehrenamtlicher“ hervor: „2015 stand der Ankommensstress im Vordergrund. Doch jetzt geht es darum, die Ehrenamtlichen zu stützen und zu halten. Ohne sie geht es nicht. Die Geflüchteten brauchen feste Bindungen, damit Integration tatsächlich gelingt“, sagt sie.

Raisa Dadik vom Verein Korni hat „selbst einst Integration erfahren“. Als Mitglied der AG Migrationsselbstorganisation spricht sie sich dafür aus, „einen Migrantenbeirat zu gründen, um mehr Leute zur Mitwirkung zu motivieren. Denn ganz viele sitzen noch immer nur zu Hause.“ Das sieht Marina Timofeeva von der AG Arbeit/Qualifikation ähnlich. Die größten Probleme seien aus ihrer Sicht die fehlenden Sprachkenntnisse, die einer Integration in den Arbeitsmarkt entgegenstünden. „Viele Leute kommen auch mit falschen Vorstellungen, sie wollen studieren, aber überschätzen sich. Unsere Aufgabe ist es, sie richtig zu beraten“, appelliert Timofeeva.

Manchmal handele es sich auch um die falsche Beratung, gibt Wagdi Garkas von der AG Willkommenskultur zu bedenken: „Viele Ehrenamtler kennen sich mit Gesetzen nicht aus, meinen es gut, aber informieren falsch“, sagt der Jobcentermitarbeiter und fordert, Ehrenamtler mehr zu schulen, damit die Hilfe effektiver laufe.

„Wir wollen Migranten also stärker einbinden, Akteure weiterbilden, das Vertrauen zwischen Haupt- und Ehrenamtlern ausbauen“, fasst Eric Wallis die nächsten Aufgaben zusammen. Vertrauen bedeute aber auch, sich Zeit füreinander zu nehmen. Ein Stichwort, das Landrätin Barbara Syrbe (Linke) zu einem Vorschlag veranlasst: „Wir sollten einen großen Markt der Möglichkeiten veranstalten – mit Migranten, Vereinen, Arbeitgebern, Behörden“, sagt sie und erhält vielfache Zustimmung.

Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) wirbt am Ende dafür, einen langen Atem zu beweisen: „Es gibt Misserfolge und Probleme, etwa mit den jugendtypischen Verfehlungen unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge“, sagt er. Doch unterm Strich handele es sich beim Thema Flüchtlinge in Vorpommern-Greifswald um „eine Erfolgsstory“.

Petra Hase

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