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Usedom Intendant: Theater in Platznot
Vorpommern Usedom Intendant: Theater in Platznot
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03:41 28.08.2013
Das Schauspiel hat massiven Bedarf an Proberäumen. Auch die zweite Spielstätte, der Rubenowsaal in der Stadthalle, kann nur bedingt genutzt werden. Hier eine Szene aus dem Stück „Romeo und Julia“, das am 2. und 3. September im Großen Haus aufgeführrt wird. Quelle: muTphoto

Wieder mal Theater ums Theater. Die Kommunalpolitiker streiten gegenwärtig um 150 000 Euro, mit denen die CDU-Fraktion der Bürgerschaft gern einen Anbau geplant haben möchte. Hintergrund ist die „bedrückende Raumsituation“, so die Einschätzung des Intendanten Dirk Löschner, die „die Theaterarbeit in Greifswald seit Jahren“ beeinträchtige.

In einem Brief an die Hansestadt schildert Löschner ausführlich die missliche Lage der Mitarbeiter des Theaters. So habe „neben dem Orchester vor allem das Schauspiel massiven Bedarf an Proberäumen“.

Zwar gebe es eine Probebühne, doch zeitweise würden vier verschiedene Produktionen parallel erarbeitet, für die der vorhandene Platz nicht ausreiche. Der Intendant plädiert deshalb für einen Anbau zur Hofseite des Hauses. Ein erster Entwurf entstand bereits vor zwei Jahren auf dem Reißbrett eines von der Theatergeschäftsführung beauftragten Stralsunder Architekten. Der Anbau, so Löschner, könnte zugleich weitere Probleme lösen: Würde sich die Stadt nämlich für die „Errichtung eines multifunktional nutzbaren Veranstaltungsraumes“ von 70 bis 100 Quadratmetern zuzüglich Nebenflächen entscheiden, könnte dieser mit rund 150 Zuschauerplätzen auch als „zweite kleine Spielstätte“ dienen.

Der Gedanke ist mehr als ein bloßer Wunsch: Denn der Rubenowsaal in der Stadthalle werde künftig wohl häufiger als Theaterspielstätte ausfallen. Der Grund: Zeitgleiche Veranstaltungen in dieser sogenannten „Blackbox“ und im benachbarten Kaisersaal schließen sich wegen einer offenbar unzureichenden Schallisolierung aus. „Das wurde damals nicht zu Ende gedacht“, kritisiert Birgit Socher (Die Linke) vom Finanzausschuss der Bürgerschaft und zugleich im Vorstand des Theater-Fördervereins Hebebühne aktiv. Da die Situation nun aber einmal so sei, stimmt sie für die Planung eines Theateranbaus. Vor allem aber sei sie von den „schlimmen Probebedingungen für das Orchester“ in Herrenhufen entsetzt. Dort nutzt das Theater seit Jahren eine alte Baracke. „Es ist beschämend, dass Menschen heutzutage überhaupt noch unter solchen furchtbaren Bedingungen arbeiten müssen“, sagt Socher.

Nun probt das Orchester aufgrund der schlechten Akustik zwar zurzeit nicht mehr in Herrenhufen, dafür aber das Schauspiel, wie Pressesprecherin Julia Lammertz auf OZ-Nachfrage erklärte. Auch leerstehende Räume in der Dompassage werden von den Mimen genutzt. Ein weiterer Beleg für den Raumbedarf, argumentiert der Intendant und könnte sich auch die jetzige Theaterkantine unterm Dach sehr gut als Proberaum vorstellen. Vorausgesetzt, die Kantine ziehe ins Foyer des neu zu errichtenden Anbaus. Die hätte zugleich den Vorteil, dass sie „auch für Zuschauer zugänglich“ wäre, verdeutlicht Dirk Löschner.

Die CDU-Fraktion der Bürgerschaft kann seinen Argumenten folgen und fordert deshalb, die bereits in den Haushalt der Stadt eingestellten Planungsmittel von 150 000 Euro freizugeben. Dazu müsste allerdings ein Sperrvermerk aufgehoben werden. Den hatte die Bürgerschaft wegen der seit Monaten andauernden Debatte um die Theaterstrukturen im Land veranlasst.

Da es nach wie vor kein Ergebnis gebe, stimmt Grünen-Fraktionschef Stefan Fassbinder gegen den CDU-Antrag. Selbst Birgit Sochers Parteikollege, der Linken-Fraktionschef Gerhard Bartels, will sich mit diesen Kosten zum jetzigen Zeitpunkt nicht anfreunden. Ursprünglich sei es nur um einen Orchesterproberaum gegangen. „Zurzeit wissen wir aber nicht einmal, ob wir demnächst noch ein Orchester haben“, begründet er seine ablehnende Haltung.

Damit steht er nicht alleine da: Sowohl der Investitions- als auch der Finanzausschuss votierten mehrheitlich gegen die Bereitstellung der Planungsmittel. Da half auch nicht der Appell Jürgen Liedtkes (CDU) mit Blick auf das nahende Jubiläum: 2015 begeht das Theater in Greifswald seinen 100. Geburtstag. Doch Feierlaune dürfte angesichts der ungewissen Zukunft vieler Ensemblemitglieder und des miserablen Bauzustands kaum aufkommen.

Petra Hase

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